­Islam-Zentrum für Neuhausen

Gläserne Moschee: So soll der Bau aussehen

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Der erste Entwurf für das Islam-Zentrum: Von dem 30 Meter hohen Minarett wird kein Muezzin rufen.

München - Imam Benjamin Idriz hat am Freitag den allerersten Entwurf des Islam-Zentrums präsentiert. An der Dachauer Straße wollen Idriz und das MFI eine große Moschee für 800 Gläubige samt Islam-Akademie und Museum bauen.

Imam Idriz präsentiert das Modell.

Ein großer Tag für Imam Benjamin Idriz und die Gläubigen des Münchner Forums für Islam (MFI): Am Freitagabend eröffnete die muslimische Gemeinde ein kleines Zentrum mitten in der Altstadt – in der Hotterstraße. Gleichzeitig präsentierte der Geistliche den allerersten Entwurf des Islam-Zentrums. An der Dachauer Straße wollen Idriz und das MFI eine große Moschee für 800 Gläubige samt Islam-Akademie und Museum bauen. „Der Islam – so wie wir ihn verstehen! – ist heute im Herzen Münchens angekommen“, sagt der Imam. Seit Jahren wird das Projekt diskutiert, jetzt wird es greifbar – aber die Finanzierung steht noch lange nicht.

Der Imam, der bislang in Penzberg in deutscher Sprache predigt, versteht den Islam europäisch. Und so soll auch das Zentrum im Entwurf des Architekten Alen Jasarevic wirken, für das ihm die Stadt ein Grundstück im künftigen Kreativquartier in Neuhausen freihält. „Wir wollen Aufklärungsarbeit leisten, um jeglichen Extremismus zu verhindern“, sagt der Imam. „Das wird eine unabhängige Einrichtung, die sich mit Deutschland identifiziert.“

Der Gebetssaal ist nach Mekka ausgerichtet.

Der Geistliche will beweisen, dass hier niemand an einer Islamisierung arbeitet: Das Zentrum kann man dem Entwurf nach vollständig einsehen. Er besteht praktisch aus drei Glaskästen auf 3300 Quadratmetern Grund, die mit schmalen Lamellen abgehängt sind. Diese haben ein scheinbar verwittertes Profil, je nach Blickrichtung ergibt es allerdings dezente Stern-Ornamente. Zwischen den drei Gebäudeblöcken liegen Wege, die den Nachbarn Abkürzungen zum künftigen Park bieten sollen. Will heißen: Wir stehen niemandem im Weg. Innerhalb der Moschee wird es einen Andachtsraum mit Blick auf den Park geben – offen für alle Religionen. Architekt Jasarevic sagt, er habe sich von der Synagoge am Jakobsplatz und von der Herz-Jesu-Kirche in Neuhausen inspirieren lassen.

Das 30 Meter hohe, freistehende Minarett soll an ein Glockentürmchen erinnern. Es wird nicht begehbar sein. Kein Muezzin wird hier zum Gebet rufen. Wer will, kann in der geschwungenen, asymmetrischen Kuppel auch eine Andeutung des Zeltdachs des Olympiastadions erkennen. Die Tiefgarage bietet Platz für 80 Autos. Idriz hofft, dass 2017 die Bagger anrollen.

Noch aber gibt es weder Baugenehmigung, noch Finanzierung. Die Kosten liegen bei geschätzten 35 Millionen Euro. Bislang hat der Imam 1,5 Millionen Kleinspenden gesammelt. Mit dem Entwurf will er sich an Großspender richten. Dafür ist er auch in Katar, den Arabischen Emiraten und im Oman unterwegs. Sorgen vor dem dortigen radikaleren Islam will der Imam zerstreuen – in Penzberg habe es nie Einflussnahme gegeben.

David Costanzo

Das sagt die Politik

Seit 2007 verfolgte Imam Idriz das Projekt zunächst als „Zentrum für Islam in Europa (ZIE-M)“. Seit 2010 unterstützen SPD, CSU, Grüne und FDP den Plan. Umstritten war der Standort: Nach dem Aus der türkischen Ditim-Moschee wurde der Gotzinger Platz in Sendling gehandelt. Zeitweise war das Areal an der Herzog-Wilhelm-Straße am Stachus in der Diskussion, manchen war es jedoch zu zentral. Derzeit reserviert die Stadt das Grundstück an der Dachauer Straße bis März. OB Dieter Reiter (SPD) sagt: „Sobald Herr Idriz ein Finanzierungskonzept vorlegen kann, wird die Stadt gerne das weitere Vorgehen mit ihm besprechen.“ Ein Bürgerbegehren dagegen hat der Stadtrat wegen Formfehler abgelehnt.

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