Nachverdichtung macht es möglich

Hilfe, wir werden zugebaut! Im Nachbarsgarten ist Luxusbunker geplant

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Neubau neben dem Balkon: Ganz dicht wird die Villa an das Wohnhaus von Olaf und Nicole Pempel gestellt.

Nachverdichtung ist eines der wichtigsten Schlagworte im Kampf gegen den Münchner Wohnungsmangel. Ein drastischer Fall in Nymphenburg lässt ahnen, warum Nachbarn das mitunter als Katastrophe empfinden.

München - Bald wird es Frühling – und das Ehepaar Pempel könnte sich auf die ersten lauwarmen Sommerabende auf ihrer Terrasse freuen. Doch von dem einstigen Idyll ist nichts mehr übrig. Rund um die Terrasse, die zur warmen Jahreszeit von prächtigem Blätterkleid umgeben war, herrscht Kahlschlag. Olaf Pempel ist sauer: „Wir sitzen hier auf einer Großbaustelle! Zwei schöne alte Bäume auf dem Nachbargrundstück wurden einfach weggerissen, schimpft der 51-Jährige. „Statt auf Grün werden wir künftig auf die Fassade eines Luxusbunkers schauen.“

Die Bauarbeiten an der Dall’Armistraße sind nur ein Beispiel von vielen. „Es ist Wahnsinn, wie allein in Nymphenburg verdichtet wird“, klagt Pempel. „Richtung Romanplatz sind sehr viele Neubauten entstanden, an der Nördlichen Auffahrtsallee werden riesige Immobilien realisiert. Ein Luxusobjekt wird momentan zwei Häuser weiter gebaut – und eins jetzt leider auch direkt vor unserer Nase.“

Wohnungen kosten 1,3 bis 3,5 Millionen Euro

Das einstige Flair des Viertels sei bereits verschwunden, sagt der 51-Jährige bedauernd. Bis vor Kurzem stand auf dem Nachbargrundstück ein etwas zurückversetztes Einfamilienhaus. „Direkt vor unserer Terrasse stand ein großer Baum, eine kaukasische Flügelnuss“, erzählt Pempel. „Sie bot Sichtschutz und spendete im Sommer Schatten.“ Anfang Februar hätten die Abrissarbeiten begonnen. Visualisierungen des Neubaus können auf der Website des Investors (H-I-M Villenbau) angeschaut werden: Eine „hochwertige Mehrfamilienvilla in anspruchsvoller klassischer Architektur“ soll entstehen – Wohnraum für fünf Familien mit Flächen bis zu 237 Quadratmetern. Die stolzen Kaufpreise: 1,3 bis 3,5 Millionen Euro pro Wohnung. 

Bäume gibt es keine mehr

Im Herbst 2019 soll das Objekt bezugsfertig sein. In der Visualisierung ist auch der Balkon der Pempels abgebildet – mit Bäumen. „Diese Bäume gibt es aber in Wirklichkeit gar nicht“, stellt Olaf Pempel klar. „Es wird Jahrzehnte dauern, bis es wieder ein bisschen Grün gibt vor unseren Fenstern – wenn überhaupt.“ Dass er die Entwicklung nicht aufhalten kann, ist dem Nymphenburger bewusst. Umso trauriger, sagt er. „Man ist dem einfach so ausgeliefert. Wir wohnen im sechsten Jahr hier und tragen uns mit dem Gedanken, von hier wegzuziehen – leider.“

Neubau ­neben dem Balkon: Eine „hochwertige Mehrfamilienvilla in anspruchsvoller klassischer Architektur“

Wohnatlas für München

Wohnen bleibt eines der zentralen Themen in München. Die Stadt hat jetzt erstmals eine Übersicht über kleinräumige Strukturdaten für die Viertel herausgegeben: Zahlen, die den Wahnsinn erklären.

Vor Kurzem hat eine Immobiliengesellschaft 40 Bäume am Stiftsbogen gefällt. Das schmeckt den Anwohnern überhaupt nicht.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Mein Nymphenburg/Gern“.

Daniela Schmitt

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