Vater eines Opfers verzweifelt

Justizpanne: Wird das Taxi-Inferno nie aufgeklärt?

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Arthur K. stellte ein Marterl für seine Laura an der Unfallstelle auf.

München - Das Taxi-Inferno im Oktober 2012 auf dem Mittleren Ring riss Arthur K.s Tochter Laura aus dem Leben. Klarheit über den Unfallhergang sollte der Prozess bringen - doch der platzte nun.

Seit dem schrecklichen Tag, an dem seine Tochter Laura (17) im Krankenhaus in seinen Armen starb, hat Vater Arthur K. nur noch einen Wunsch. Er wollte erfahren, was in jener Schreckensnacht im Oktober 2012 auf dem Mittleren Ring wirklich geschah. Er wollte dem Taxifahrer in die Augen schauen, der seine Tochter und deren Freundin in den Tod fuhr. Und er wollte seinen inneren Frieden finden, endlich abschließen.

Die Unfallstelle kurz nach dem grauenhaften Zusammenstoß.

Alle seine Hoffnungen ruhten auf den für den 14. Oktober angesetzten Prozesstermin gegen Taxifahrer Friedrich G. (60). Doch jetzt erfuhr Arthur K.: Es wird keinen Prozess geben. „Die Termine wurden falsch eingetragen. Das war ein Fehler der Geschäftsstelle“, erklärte eine Gerichtssprecherin. Stattdessen wird das Verfahren jetzt mit einem schlichten Briefwechsel abgeschlossen: Taxifahrer Friedrich G. kassiert einen Strafbefehl wegen fahrlässiger Tötung und zahlt eine Geldstrafe. Das Ende eines fast zwei Jahre andauernden Ermittlungsverfahrens. Als das „Münchner Taxi-Inferno“ hat sich das Unglück am 21. Oktober 2012 in die schlimmsten Erinnerungen gebrannt. Es war die lange Nacht der Museen gewesen. An der BMW-Welt stiegen Laura († 17) und die Kosmetikerin Saynab S. († 23) mit ihren Freunden (18 und 19 Jahre) kurz nach 2 Uhr früh in Friedrich G.’s Taxi. Sie wollten noch tanzen gehen …

Auf der rechten Fahrspur der Landshuter Allee (Höhe Dachauer Straße) hatte zu diesem Zeitpunkt ein Reisebus eine Panne. Aus dem Motor am Heck quoll Rauch. Die Elektrik und das Warnblinklicht streikten. Doch an dieser Stelle ist der Ring von Laternen hell erleuchtet. Nach Zeugenaussagen krachte das Mercedes-Taxi ungebremst in das Heck des Reisebusses. Beide Fahrzeuge gingen in Flammen auf. Autofahrer stoppten und zogen alle Insassen aus dem brennenden Taxi. Taxifahrer Friedrich G. und die beiden Männer waren angeschnallt gewesen und überlebten schwer verletzt. Die Frauen auf der Rückbank dagegen trugen keinen Gurt, wurden durchs Fahrzeug geschleudert. Saynab S. war auf der Stelle tot. Sie hinterließ ein kleines Mädchen. Laura K. starb am nächsten Tag.

Taxi rammt Reisebus auf Mittlerem Ring

Taxi rammt Reisebus auf Mittlerem Ring

Nach Zeugenaussagen soll Taxifahrer Friedrich G. viel zu schnell gefahren sein. Der Fall habe sich am Ende aber ganz anders dargestellt, sagt sein Anwalt Johannes Buchberger. Die hohe Geschwindigkeit sei nicht zu beweisen gewesen. Friedrich G. hat seinen Führerschein jetzt nach 15 Monaten wiederbekommen. Ob er je wieder fährt, ist noch unklar. Sein Anwalt: „Nach reiflicher Überlegung sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass wir den Strafbefehl akzeptieren werden. Das ist ein vernünftiges Ergebnis. Wir wollen aber nichts schönreden. Bei dem Unfall sind zwei Menschen gestorben. Mein Mandant wird das ein Leben lang nicht vergessen und es tut ihm wahnsinnig weh.“

Wahnsinnig weh tut diese Entscheidung vor allem Lauras Vater. Er hatte auf Aufklärung und ein angemessenes Urteil gehofft. „Ich muss nun damit leben, dass ich nie mehr die ganze Wahrheit erfahren werde. Ist das ein vernünftiges Ergebnis?“

Ebu/Jam

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