Flüchtlingsdrama in München

Das Kapuzinerhölzl wird zur "Not-Not-Not-Unterkunft"

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120 Betten in zwei Zelten: Bis Donnerstag ist das Kapuzinerhölzl ein Flüchtlingslager.

München - Als die Flüchtlinge nach ihrer Tortur in der Bayernkaserne mitten in der Nacht auf Freitag mit Bussen im Kapuzinerhölzl ankommen, begrüßen die Helfer sie mit Lagerfeuer, bunten Lampions und warmem Essen.

Die Regierungsvizepräsidentin Maria Els spricht von einer „Not-Not-Not-Unterkunft“. Für 120 Asylbewerber ist das Zeltlager des städtischen Kreisjugendrings nahe des Botanischen Gartens ein ruhiger Ort zum Durchatmen. Aber auch hier müssen sie bald wieder weg.

Ein Zeltlager mit schlechten Heizmöglichkeiten galt aufgrund der Witterung immer als letzte Option. Maria Els: „In der Bayernkaserne aber gab es innerhalb von 24 Stunden 300 Neuzugänge. Wir hatten das Kapuzinerhözl Anfang der Woche begutachtet – und mussten es jetzt am Donnerstag auf die Schnelle erschließen.“ Im Sommer wohnten in der 180 Mann-Unterkunft mit Volleyballplatz, Tischtennisplatte und Holzhäuschen für die sanitäre Versorgung noch Backpacker, die Geld sparen wollen. Bis zum vergangenen Sonntag schliefen hier feierwütige Wiesn-Gäste aus aller Welt.

Hier sei es sehr schön, sagt die Syrerin Hanie (32), die mit zwei Töchtern und einem Sohn im Kapuzinerhölzl untergekommen ist. „Aber ich muss immer an meinen Mann und meine Tochter denken.“ Die Siebenjährige ist auf der Flucht vor drei Monaten erschossen worden. Ihr Mann ist wahrscheinlich im Gefängnis. „Ich habe nichts mehr von ihm gehört.“

Eigentlich sei die Saison seit dem Oktoberfestende vorbei, erklärt Gerhard Wagner vom Kreisjugendring. Aber in der Not muss improvisiert werden: „Unsere Decken von den Wiesn-Gästen sind gerade auf dem Weg in die Reinigung. Also hat uns der Katastrophenschutz fürs Erste Einmal-Decken zur Verfügung gestellt. Glücklicherweise haben wir genügend Unterstützer, die einspringen und mithelfen.“ 120 Asylbewerber schlafen in zwei großen Zelten in Stockbetten. Die Mitarbeiter spielen mit den Kindern, bringen Flüchtlinge bei Bedarf ins Krankenhaus oder wie einem Fall zum Bahnhof, um Gepäck aus dem Schließfach zu holen.

Aber spätestens am Donnerstag ist im Kapuzinerhölzl Schluss. Wenn es vorher nachts schon frostig werden sollte, sogar früher. „Diese Lösung war von Anfang an nur für wenige Tage angedacht.“ Und wo geht es dann hin? Einige Einrichtungen seien in Vorbereitung. Die Tortur geht weiter!

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