Neuhausen diskutiert zwei Varianten

Landshuter Allee: Das Duell der Tunnel

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Täglich brettern über 150.000 Autos über die Landshuter Allee.

München - In einem sind sich zumindest alle einig: Der Tunnel unter der Landshuter Allee muss her – und zwar schnell! Aber wie soll der Tunnel aussehen? Und wie soll die Oberfläche gestaltet sein?

Da fängt der Streit der Neuhauser Nachbarn schon an! Das wurde auch bei der Informationsveranstaltung am Dienstagabend deutlich.

Der Münchner Projektentwickler Rolf Rossius hat vorgeschlagen, auf der Röhre Wohnungen zu bauen. Auf diese Seite hatte sich – zumindest teilweise – die Bürgerinitiative „Pro Landshuter Allee Tunnel“ um den Vorsitzenden Michael Lotterschmid geschlagen. Auf der anderen Seite wirbt Marita Firnkes-Müller von der „Initiative für Neuhausen“ für eine grüne und verkehrsberuhigte oberirdische Landshuter Allee.

Der Ton zwischen den Lagern wird schärfer: Am Tag nach der Infoveranstaltung sagt Marita Firnkes-Müller der tz, dass sie den Rossius-Bauplan erst für ein „Luftschloss“ hielt. Der wiederum hält den grünen Vorstoß für „Wichtigmacherei“. Die rund 100 bis 200 Nachbarn beim Infoabend zeigten deutlich größere Sympathien für das grüne Band.

Geschehen muss etwas – eher früher als später. Zwischen Olympiapark und Donnersbergerbrücke fahren täglich rund 150.000 Autos auf dem Mittleren Ring und machen die Anwohner mit Lärm und Luftverschmutzung krank. Wobei nun weniger der Feinstaub das Problem ist, sondern das Stickoxid. Darum gilt neuerdings Tempo 50 statt 60.

Das Planungsreferat favorisiert einen 1,5 Kilometer langen Tunnel, der leicht eine halbe Milliarde Euro kostet. Bei der Gestaltung der Oberfläche hat sich die Stadt noch nicht festgelegt, will aber die Meinungen der Bürger berücksichtigen. Noch bis Mitte Januar liegen die genauen Pläne in den Stadtbibliotheken von Neuhausen und Moosach aus – zusammen mit Meinungsbögen für die Bürger. Die tz stellt die oberirdischen Varianten vor:

Plan 1: Wohnungen über der Röhre

Der Entwurf der Gebrüder Rossius sah ursprünglich 1133 Wohnungen über der Röhre vor.

Die Idee hat Furore gemacht – und kam in den Kooperationsvertrag der neuen Rathaus-Regierung von CSU und SPD: Rolf Rossius vom Münchner Generalunternehmer Gebrüder Rossius will den Tunnel billiger – und damit realistischer – machen, indem darauf günstige Wohnungen entstehen. „Die einzige Chance auf den Bau besteht in unserem Vorschlag, weil er der preiswerteste für die Stadt ist“, sagt Rossius.

Weil er als gebürtiger Neuhauser die Bedenken seiner früheren Nachbarn kennt, hat er seinen Entwurf abgespeckt: Statt eines Riegels mit 1133 Wohnungen, wie ihn das obere Bild zeigt, setzt er nun auf einzelne achtstöckige Wohnblöcke mit viel Luft und Grün dazwischen. Beim 45 Meter hohen „Neuhauser Tor“ soll es aber bleiben. Das würde das Projekt 80 Millionen günstiger machen. Die Häuser sollten nach dem Bau in der Hand der städtischen Wohngesellschaften bleiben.

Michael Lotterschmid von der Bürgerinitiative „Pro Tunnel“ ärgert sich, dass die Variante nicht sinnvoll geprüft wurde. Noch einen Haken hat der Plan: Weil die Befürworter auf seitliche Ein- und Ausfahrten verzichten wollen, verblieben mehr Autos an der Oberfläche.

Plan 2: Grünes Band soll Viertel verbinden

Oder soll es eine grüne Oberfläche analog zu den Plänen für den Luise-Kiesselbach-Platz sein?

So wie es einmal in der Garmischer Straße am Luise-Kiesselbach-Platz auf dem neuen Tunnel geplant ist, so stellt sich Marita Firnkes-Müller den Straßenzug über der Röhre in der Landshuter Allee vor: Breite Boulevards sollen zum Spazieren und Radeln einladen. Die Autos bekommen nur zwei schmale Spuren, dazwischen ein vielleicht zehn Meter breiter Rasenstreifen und Bäume, viele Bäume. „Das wichtigste ist die Wiedervereinigung unseres Stadtviertels“, sagt Firnkes-Müller, die seit 45 Jahren in einer Parallelstraße des Mittleren Rings wohnt. Am Petueltunnel und im Südwesten sei das ja auch möglich gewesen.

Ihre Initiative glaubt nicht daran, dass die weitreichende Forderung die Stadt am Ende teurer kommt. Was nach dem Rossius-Plan durch den Wohnungbau erwirtschaftet werde, müsse für die komplizierte Statik im Untergrund reingebuttert werden (was Rossius dementiert). Zudem sei es praktisch unmenschlich, tausende Menschen in diesen neuen Wohnungen unterzubringen, wo doch sowohl vor der Nase als auch im Rücken wegen des vielen Verkehrs womöglich jeweils zweispurige Durchgangsstraßen an der Oberfläche blieben.

David Costanzo

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