Lassen Sie uns über Oldtimer reden …

Mercedes München startet eigene Klassik-Abteilung

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Rudolf Bögel im 300er-Flügeltürer, Ulrich Kowalewski im 280 SE Automatic.

München - Pro Jahr 20 000 Auslieferungen: So viele Neu- und Gebrauchtwagen gehen bei der Mercedes-Niederlassung München über die Rampe. Und ab Donnerstag kommen auch noch der eine oder andere Young- und Oldtimer mehr dazu.

Denn im Verkaufstower an der Arnulfstraße (über 500 000 Besucher jährlich) gibt es dafür jetzt eine eigene Klassik-Abteilung. Wir sprachen darüber mit Mercedes-München-Chef Ulrich Kowalewski.

Herr Kowalewski, 300 SL, Heckflosse, Pagode – kaum ein anderer Hersteller hat so viel Garagengold aufzuweisen wie Mercedes. Und jetzt steigen Sie direkt in den Oldtimer-Verkauf ein. Wie kommt’s?

Ulrich Kowalewski: Wir sind der älteste Automobilhersteller, wenn man so will der Erfinder des Automobils. Wir werden oft gefragt, wo finde ich einen alten 220 SE Heckflosse, wo ein S-Klasse Coupé oder Cabrio. Wir waren da immer gerne behilflich. Dann haben wir eine Untersuchung in Auftrag gegeben, und es hat sich herausgestellt, dass München einen namhaften Young- und Oldtimer-Markt hat. Und da wollen wir jetzt dabei sein. Behutsam und in Zusammenarbeit mit unserem Classic-Center in Stuttgart. Das heißt, sie versorgen uns mit Fahrzeugen, aber wir kaufen auch selbst an.

So wie den weißen SL von 1971, der da auf den Probefahrt-Parkplätzen steht?

Ulrich Kowalewski: Ja und der hat auch eine tolle Geschichte. Seine Besitzer haben das Cabrio hier in der Münchner Niederlassung erworben. Testamentarisch haben sie dann verfügt, dass das Auto im Verkaufsfall – natürlich gegen Geld – wieder an die Niederlassung geht. Und das wurde auch gemacht.

Welchen Service bieten Sie zum Thema Oldtimer?

Ulrich Kowalewski: Also beim Verkauf geht es schon los. Es gibt immer eine einjährige Garantie auf das Fahrzeug. Wir reparieren natürlich, wir lagern sie für den Kunden über den Winter ein oder sogar ganzjährig. Unser Serviceteam kontrolliert dann Flüssigkeitsstände, Batterie und Fahrbereitschaft, und wenn der Kunde anruft, dass er sein Auto am Freitag um 16 Uhr haben will, dann braucht er bloß noch vorbeikommen und den Schlüssel umdrehen. Wir wollen also den Rundum-Sorglos-Service anbieten, weil viele unserer Kunden sich mit einem Young- oder Oldtimer einen Wunsch erfüllen, aber selbst keine Schrauber sind.

Spielt bei den Kunden das Thema „Oldtimer als Geldanlage“ auch eine Rolle, oder wie sehen Sie das Thema?

Benzingespräch: Mercedes-Statthalter Ulrich Kowalewski (l.) und tz-Chefredakteur Rudolf Bögel.

Ulrich Kowalewski: Oldtimer erfahren eine Wertsteigerung wie kaum etwas anderes. Sie haben eine Verzinsung, die Sie weder im Aktiengeschäft haben noch bei Gold finden. Wenn Sie da auf das richtige Auto setzen, also das richtige Fabrikat und das richtige Modell mit einer entsprechenden Historie dahinter, dann haben Sie viele Jahre Spaß. Und wenn Sie dann das Auto verkaufen wollen, werden Sie feststellen, dass Sie trotz eventueller Reparaturen und Ersatzteile keinen Cent dazugelegt haben.

In einer Stadt wie München haben wir sicher auch den einen oder anderen Sammler?

Ulrich Kowalewski: Ja, da gibt es auf der einen Seite Menschen, die hängen sich zu Hause einen Picasso an die Wand, die anderen besorgen sich einen Flügeltürer und stellen ihn sich ins Wohnzimmer.

Wie müssen wir uns das vorstellen?

Ulrich Kowalewski: Ich kenne Oldtimer-Fans, die haben ihren Wohnraum mit einer Glaswand abgetrennt und schauen so auf ihre Sammlung.

Ihre drei Lieblingsklassiker?

Ulrich Kowalewski: Die Ikone ist sicherlich der 300 SL. Als Azubi hatte ich einen Strich-Achter, einen 230/6 in Dunkelblau. Und der dritte Klassiker ist die Pagode, ebenfalls ein wunderschönes Auto.

Wenn man Sie jetzt fragen würde, auf welchen Youngtimer Sie setzen würden…

Ulrich Kowalewski: Ich würde auf den R129 gehen, der Roadster wurde von 1989 bis 2001 gebaut. Auch der SLK wird langsam interessant, weil er eine neue Ära begründet hat, nämlich ein Cabrio mit einem festen Faltdach. Und dann natürlich die Baureihe 124. Da gibt es ein Modell, den E 500, der wurde gemeinsam mit Porsche entwickelt und in den ersten Jahren sogar in Zuffenhausen gebaut. Wenn Sie so einen mit einer guten Substanz bekommen…

Vielen Dank für die heißen Tipps…

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