Neuhausener Oase der Menschlichkeit

Mieten eingefroren und Wohnrecht auf Lebenszeit: Dieser Münchner Hausbesitzer trotzt dem Wahnsinn

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Das Anwesen an der Nymphenburger Straße.

Anstatt aus den Wohnungen in Neuhausen maximal Kapital zu schlagen, friert ein Vermieter die Mieten ein - und gewährt Wohnrecht auf Lebenszeit.

Vögel zwitschern, Efeu und Wein ranken sich ums Häusl, der angenehme Duft von Sägemehl liegt in der Luft. Das hier könnte gut der schönste Innenhof Münchens sein – mitten in Neuhausen liegt er. Hier hat der Ex-Schauspieler Wolfgang Fischer (76) eine Oase geschaffen. Dazu hat er nichts weiter getan, als die Zeit anzuhalten. Und die Mieten einzufrieren.

Das Vorderhaus des Anwesens an der Nymphenburger Straße wirkt unscheinbar. Acht Wohnungen verteilen sich auf vier Stockwerke, die Fassade strahlt in hellem Gelb. Aus ihr blitzen grün umrandete Fenster. Mancher wagt den Blick in den Innenhof und findet sich mitten in einem kleinen Dorf wieder. Im Hinterhaus ganz am Ende des Weges arbeitet der Schreinermeister Robert Kraus. Der 41-Jährige ist der „dienstälteste Mieter des Dorfes“, wie er selbst sagt. Er hat schon seine Lehre in der Hinterhofwerkstatt gemacht und vor 15 Jahren dann die Schreinerei übernommen. Auch Kraus wohnt im Vorderhaus.

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Vermieter Fischer: Früher war er Schauspieler

Mit Wolfgang Fischer hat er einen ungewöhnlichen Vermieter. Der 76-Jährige hat nämlich beschlossen, die Mieten nicht mehr zu erhöhen. Und seine Mieter genießen bei zwölf Euro pro Quadratmeter lebenslanges Wohnrecht. „Ich folge nur meinem Herzen“, sagt Fischer. „Leider scheint das Münchner Herz heute auf mikroskopische Größe geschrumpft zu sein.“

Vermieter Wolfgang Fischer.

Wolfgang Fischer, der seit den 70er-Jahren unter anderem mit Franz Xaver Bogner und Helmut Dietl gearbeitet hat, teilt gerne, was er hat. Er hat einen großen Teil seines Lebens in New York verbracht, wo er die Kultserie „Ein Münchner in New York“ drehte. „In den USA habe ich die Halsabschneider immer wieder hautnah erlebt“, schimpft Fischer. Als er dann das Haus an der Nymphenburger Straße erbte, wollte er es nicht an den Höchstbietenden verkaufen. Lieber wollte er ein paar nette Mieter finden und sich selbst darum kümmern.

Genossenschaft wird das Haus erben

Auch Fischer selbst wohnt in der Oase. Mit der Genossenschaft „Wogeno“ hat er jetzt einen Deal gemacht: Sie wird das Haus einmal erben – dafür bleibt alles so, wie es ist.

Zwischen Werkstatt und Vorderhaus haben Susanne Guidera (56) und Gabriele Becker (60) sich eine kreative Bürogemeinschaft eingerichtet. Das Herz der Beiden schlägt für Bücher, und das haben sie zum Beruf gemacht. Im Internet hatten sie Fischers Anzeige gesehen und sich sofort beworben. Nachdem sie vor Ort kurz geplaudert hatten, sagte Fischer: „Jetzt gehe ich uns erstmal Apfelkuchen holen.“ Schon war alles klar.

Severin Heidrich

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