Noch mehr Hilfe

Millionen-Investitionen im Deutschen Herzzentrum

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Eröffnen die neue Station im Erweiterungsbau: Prof. Rüdiger Lange (l.), Burkhard Köppen und Robert Siegert (r.)

München - Operation an der Schlagader der Spitzenmedizin: Das Deutsche Herzzen-trum München (DHM) soll künftig noch mehr Patienten retten – aus Bayern und aus aller Welt.

Während viele andere Kliniken wirtschaftlich kränkeln und Betten abbauen, wächst das Spezialkrankenhaus weiter. Auf dem Areal an der Lazarettstraße ist gerade ein Erweiterungsbau eröffnet worden. Er beherbergt eine zusätzliche herzchirurgische Station. Gleichzeitig sind die Bauarbeiten für Münchens modernstes Herz-Forschungszentrum angelaufen.

„Diese Investitionen sind wichtig für unser Herzzen­trum und für unsere Stadt“, sagte der Ärztliche Direktor und Chefchirurg des DHM, Professor Dr. Rüdiger Lange, der tz. „Damit wollen wir dem Anspruch gerecht werden, dass München auch in Zukunft zu den führenden Medizin-Metropolen Deutschlands und Europas gehört.“

Herzstück des Ausbauprogramms ist das geplante Forschungszentrum: „Der Freistaat als Träger des Herzzentrums stellt rund 20 Millionen Euro bereit“, erläutert DHM-Verwaltungschef Robert Siegert. Bald sollen in dem Neubau etwa 50 Forscher arbeiten. Ihr Job unter anderem: den Gen-Code der Killer-Krankheit Herzinfarkt knacken. Dabei haben DHM-Spezialisten erst kürzlich einen spektakulären Teilerfolg erzielt: Ein internationales Forscherteam unter Führung der Münchner Professoren Heribert Schunkert und Christian Hengstenberg konnte erstmals Veränderungen in einem bestimmten Gen herausfiltern, die das Infarkt-Risiko messbar erhöhen. Oder anders ausgedrückt: Die Herz-Profis haben eine neue Ursache für den GAU im menschlichen Maschinenraum entdeckt (tz berichtete).

Aber das DHM hilft Herzpatienten auch im Hier und Jetzt – und dafür hat es ab ­sofort noch bessere Rahmenbedingungen: Die neue Hightech-Station 1.4 bietet Platz für 29 Betten, fünf davon in luxuriösen Suiten. Sie sollen wohlhabenden Selbstzahlern angeboten werden, etwa aus der arabischen Welt oder aus Russland.

So sieht der Erweiterungsbau aus.

Das Gros der Zimmer in dem knapp fünf Millionen Euro teuren Erweiterungsbau steht allerdings ganz normalen – auch gesetzlich versicherten – Herzpatienten zur Verfügung. „Es war essenziell, dass wir diese Station dazubekommen haben“, berichtet der Kaufmännische Direktor Siegert. „Schon allein deshalb, weil wir ein großes Fachwissen und breites Behandlungsspektrum aufweisen.“ Das Herzzentrum besteht aus drei Einzelkliniken: der Kinderkardiologie, der Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen und der Herzchirurgie.

Zu letzterer gehört auch die neue Station 1.4. Hier werden allerdings nicht nur klassisch operierte Patienten untergebracht. Immer öfter versorgen die DHM-Profis Herzkranke mit sogenannten Katheterklappen. Bei diesem Hightech-Eingriff setzen sie künstliche Herzklappen mit der Schlüsselloch-Methode ein – also ohne dem Patienten den Brustkorb zu öffnen (siehe unten).

Dass die neue Station pünktlich eröffnet werden konnte, war übrigens alles andere als selbstverständlich: Weil es in Deutschland massiv an speziell ausgebildeten Pflegekräften mangelt, musste sich Pflegedirektor Burkhard Köppen in ganz Europa umschauen. Am Ende wurde er unter anderem in Portugal fündig und lotste die neuen Kollegen bereits vor Monaten nach München. „Sie konnten auf anderen Stationen rechtzeitig eingearbeitet werden“, berichtet Köppen.

Andreas Beez

Die Katheterklappe

Die Klappe wird aus Rinder- oder Schweineherzgewebe hergestellt. Als „Transportmittel“ dient ein spezielles Gitterröhrchen. Dieser Stent besteht aus einer Titan-Nickel-Legierung. Der Clou daran: „Das Material wird bei Kälte weich und bei Wärme hart“, erklärt Prof. Rüdiger Lange. Unmittelbar vor dem Eingriff wird der Stent in Eiswasser gebadet. Dadurch können ihn die Ärzte auf Miniformat zusammenfalten. Nun kommt ein Katheter zum Einsatz, den die Spezialisten zuvor in die Beinarterie eingeführt haben. Dieser dünne Schlauch wird durch ­mehrere Arterien und das Herz selbst bis zum „Einsatzort“ ­vorgeschoben. An der Spitze des Katheters befindet sich der Stent mitsamt der daran befestigten Klappe. Lange: „Wenn wir das Implantat in die exakte Position manövriert haben, ziehen wir den Katheter zurück. Dadurch entfaltet sich die Klappe von selbst, oder sie wird durch einen Ballon in die richtige Position gedrückt.“

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