Das war nicht das erste Mal

Mitten im Nymphenburger Schlosspark: Schon wieder Reh zerfleischt

+
Die Münchner Tierrettung versuchte noch zu helfen, aber der Rehbock war nicht mehr zu retten.

Tote Tiere an Münchens schönsten Flecken–nicht nur am Hinterbrühler See kam es zuletzt zu Angriffen, die Hunde verursacht haben sollen. Auch im Nymphenburger Schlosspark wurde nun erneut ein Reh angefallen–das vierte binnen weniger Monate.

Update 26. Februar 2018: Tote Tiere an Münchens schönsten Flecken– nicht nur am Hinterbrühler See kam es zuletzt zu Angriffen, die Hunde verursacht haben sollen. Auch im Nymphenburger Schlosspark wurde nun erneut ein Reh angefallen–das viertebinnen weniger Monate.
Zersplitterte Knochen, Blut und fetzenweise Fell – Es war ein grausiger Anblick, der sich Spaziergängern am Faschingsdienstag auf ihrem Weg durch den Nymphenburger Schlossgarten bot. „Ein frei herumlaufender Hund hat einem Rehbock die Kehle zerfetzt“, berichtet Anwohner Ralf Sartori. „Das ist jetzt schon das dritte tote Tier – es muss endlich was passieren!“

Schlosspark kein Aufsichtspersonal“, kritisiert Ralf Sartori vom Nymphenspiegel Kulturforum. Erst vor wenigen Wochen habe eine Joggerin am Eisernen Haus eingeköpftes Reh gefunden. „Eine bestialische Tat, die Anlass zu der Annahme bietet, dass ein Spaziergänger bewusst seinen Hund auf das Wild im Park hetzt. Und nun – fast an derselben Stelle: das Gleiche noch einmal.“ 

Hundekrieg von Hinterbrühl: Streit um Leinenzwang eskaliert

Am Freitag hatte eine Familie das getötete Reh hinter dem Eisernen Haus gefunden – durch Krähen wurden sie auf den Kadaver aufmerksam. „Das Reh hatte keinerlei Ausweich- und Fluchtmöglichkeit gehabt“, so ihre Beobachtung. Ringsherum: überall Blutspuren–und Abdrücke eines großen Hundes. Sartori: „Leider trifft man im Park immer häufiger Spaziergänger an, die ihre Hunde nicht anleinen.“

THI

Die Erstmeldung vom 15. Februar

Fordert schärfere Maßnahmen: Ralf Sartori.

München - Sartori (55) ist in der Nähe des Nymphenburger Schlossparks aufgewachsen. Früher seien ihm auf seinem Weg durch die Anlage regelmäßig Aufseher entgegengekommen, die Hundehalter auf die bestehende Leinenpflicht aufmerksam gemacht haben. „Heute fehlt von den Wächtern jede Spur“, erzählt er. „Dabei wären die so wichtig – gerade jetzt.“ Denn zu dem grausigen Vorfall am Dienstag nahe der Magdalenenklause sei es gekommen, weil ein Pärchen zwei seiner drei Hunde frei herumlaufen ließ, wie Augenzeugen berichteten. Die Tiere hetzten den Rehbock, einer der Hunde zerfetzte ihm schließlich die Kehle.

Noch im vergangenen Herbst hat Sartori eine Ricke mit ihren zwei Jungtieren äsen sehen. „Mittlerweile vermisse ich die drei“, erzählt er, „seit Dienstag noch dazu ihren Vater.“

Das Problem seien die Hundehalter, die ihre Vierbeiner frei laufen lassen und sich mit „fadenscheinigen Ausreden aus der Affäre ziehen“, sagt Sartori. Der Hund, der den Rehbock gerissen hat, habe laut seiner Besitzerin „noch nie einen Jagdtrieb gezeigt“.

Spaziergänger macht grausigen Fund - Jäger vermutet Fall von Wilderei

Hundehaltern droht im schlimmsten Fall Verwarnung oder Anzeige wegen Sachbeschädigung

Der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung ist der Ernst der Lage bewusst. „Ja, es werden Rehe im Park gerissen“, bestätigt eine Sprecherin. Mit der Ahndung ist es allerdings so eine Sache. Nach Angaben des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) gelten Tiere in Deutschland als Sachen. Daher droht Hundehaltern beim Verstoß gegen die Leinenpflicht allenfalls eine Verwarnung oder eine Anzeige wegen Sachbeschädigung. Im schlimmsten Fall kann ein Verfahren wegen Jagdwilderei eingeleitet werden. Weil der Nymphenburger Schlosspark jedoch Privatgrund ist, hat die Polizei keine Handhabe. Und die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung darf als Hausherr lediglich einen Grundstücksverweis aussprechen. Die Folge: die meisten Vorfälle bleiben ungeahndet.

Trotz der Vorkommnisse in den vergangenen Wochen sollen erst einmal keine weiteren Maßnahmen zum Schutz der Wildtiere ergriffen werden. Stattdessen setzt Verwaltung weiterhin auf „gegenseitige Rücksichtnahme“. In einem Park, in dem Freiheit und Entspannung an oberster Stelle stehen, seien restriktive Maßnahmen der falsche Weg. Außerdem seien nach wie vor Parkwächter im Einsatz. „Unser Wachdienst macht einen sehr guten Job“, versichert eine Sprecherin. Und überhaupt: bis auf ein paar Zwischenfälle im Jahr sei die Atmosphäre im Park „sehr friedlich“. „Schauen Sie mal in den Englischen Garten“, rät die Verwaltung, „da geht es um einiges wilder zu.“

Lesen sie auch: Wildernder Hund verbeißt sich in Reh - Zeuge geht noch dazwischen

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Nymphenburg - mein Viertel“.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Party-Ärger an der Isar: Anwohner dokumentiert seine schlaflose Nacht
Party-Ärger an der Isar: Anwohner dokumentiert seine schlaflose Nacht
Mann packt vor 30-Jähriger in Bus sein Geschlechtsteil aus - dann wird es gruselig
Mann packt vor 30-Jähriger in Bus sein Geschlechtsteil aus - dann wird es gruselig
Schlägerei im Burger King: Männer attackieren Frau (25), doch die weiß sich zu wehren
Schlägerei im Burger King: Männer attackieren Frau (25), doch die weiß sich zu wehren

Kommentare