Mieter suchen dringend neue Bleibe in München 

Albtraum Zwangsräumung: Vermieter will Familie gleich zwei Mal rauswerfen

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Angst um die Wohnung: Mutter Beviran, Papa Ali mit ihren Kindern (v.l.) Ronny, Adam, Mohamed und Ayleen. Sie fürchteten schon, in einer Obdachlosenunterkunft zu landen.

Die Kündigung des Mietvertrags bedeutet auf einem angespannten Mietmarkt ein riesiges Problem. Gelingt es nicht, rechtzeitig eine neue Bleibe zu finden, droht gar die Zwangsräumung. Was das bedeutet, muss eine Familie in Neuhausen gerade erleben.

  • Ein Albtraum droht einer Familie in München-Neuhausen, weil ihr der Vermieter jetzt mit Zwangsräumung droht.
  • Schlimmstenfalls müsste die Familie, deren jüngstes Kind gerade mal vier Monate alt ist, in eine Notunterkunft.
  • Der Vater, der von Beruf Koch ist, hofft, dass sie noch rechtzeitig eine neue Wohnung in München finden.

Tapfer hält Mutter Beviran K. die Tränen zurück, als sie am Mittwochabend darüber nachdenkt, was ihr Baby, der vier Monate alte Adam, in der Obdachlosenunterkunft wohl alles brauchen könnte. Denn für den nächsten Morgen, 8 Uhr, hat sich der Gerichtsvollzieher angekündigt. Der Familie droht die Zwangsräumung wegen Eigenbedarfs. Vater Ali (43) kommt von der Arbeit, er hat als Koch in einem Restaurant in Neuhausen 80 Mittagsgäste verköstigt – alleine. Das schafft er. Aber vor der Zwangsräumung hat auch er Angst.

München: Die Familie bekam vom Vermieter noch eine Galgenfrist

Schließlich konnte die Familie aufatmen – sie erhielt noch eine Galgenfrist… Als er am 26. Mai die Kündigung erhielt, mit Kündigungsfrist bis 30. November, da habe Ali K. sofort nach einer neuen Bleibe gesucht und sich beim Wohnungsamt gemeldet. Der Vermieter aber habe ihn beruhigt: Er müsse keinen Widerspruch einlegen. „Ich habe ihm vertraut.“ Das war blauäugig: Nach Ablauf der Widerspruchsfrist gab es ein Gerichtsurteil und sofort den Räumungstitel.

Das Haus an der Schleißheimer Straße, in dem die sechsköpfige Familie wohnt.

Der Vermieter beauftragte einen Gerichtsvollzieher. Am 5. Dezember, acht Uhr, sollte die Wohnung zwangsgeräumt werden. Der Vermieter nahm gegenüber unserer Zeitung dazu nicht Stellung.

Die Familie befürchtete das Schlimmste: „Man sagte uns, wir bekommen ein, höchstens zwei Zimmer in einer Notunterkunft.“ Nicht in ihrem gewohnten Umfeld Schwabing. „Für mich ist das alles entsetzlich. Meine Tochter Ayleen ist hier gerade in die erste Klasse gekommen, ihr Bruder Mohamed besucht hier den Kindergarten, wir wollen sie nicht aus der gewohnten Umgebung reißen.“

Auch Alis Sohn Ronny D. (18) wohnt hier. Dies stellte sich am Termin der Räumung als Glück heraus: Da Ronny im Räumungsbescheid nicht genannt war, war dieser hinfällig. Deshalb darf die Familie bleiben – vorerst. Ali K. sucht nun verzweifelt weiter, 1400 Euro warm kann er zahlen. Ein zuverlässiger Mieter ist er, zahlt die Miete pünktlich, ist als Koch festangestellt. „Wir hoffen, dass wir schnell einen Vermieter finden, damit unseren Kindern der Albtraum einer Notunterkunft erspart bleibt.“

Zwangsräumung: So ist die Gesetzeslage

Welche Voraussetzungen müssen für eine Räumung gelten? Das wichtigste ist ein sogenannter Titel. Das kann ein Urteil oder ein gerichtlicher Vergleich sein. Voraussetzung dafür ist eine wirksame Kündigung durch den Vermieter oder ein Aufhebungsvertrag, den Mieter und Vermieter geschlossen haben, sagt Mietrechtsexpertin Anja Franz vom Mieterverein München. Der Mieter kann einer Kündigung zwei Monate vor Ablauf der Kündigungsfrist schriftlich unter bestimmten Voraussetzungen widersprechen. Wenn es zu einem Prozess kommt, kann der Mieter eine Räumungsfrist beantragen, die dann vom Richter gewährt werden muss. Sie kann bis zu einem Jahr betragen. Beides hat Ali K. in unserem Fall versäumt. „Ich hatte keinen Anwalt und war zu blauäugig.“ Eine Räumung muss immer durch einen Gerichtsvollzieher durchgeführt werden.

Wer bezahlt die Kosten einer Räumung? Der Vermieter muss in Vorleistung gehen und dem Gerichtsvollzieher einen Kostenvorschuss in Höhe der zu erwartenden Räumungskosten zahlen, in der Regel sind das 2000 bis 3000 Euro. Das Geld und die Kosten für die Einlagerung der Möbel des Mieters kann er sich zwar rechtlich vom Mieter zurückholen – sollten diese nicht mittellos sein.

Was müssen die Mieter am Räumungstermin beachten? Wenn ein Termin festgelegt wurde, dann müssen die betroffenen Mieter dem Gerichtsvollzieher die Türe öffnen, ansonsten kann dieser einen Schlüsseldienst beauftragen. Voraussetzung für eine Räumung ist, dass alle in der Wohnung lebenden Mieter im Räumungsbeschluss des Gerichtsvollziehers aufgeführt sind.

Was passiert mit der Habe der Mieter? Normalerweise müssen geräumte Mieter zum Räumungstermin die Wohnung verlassen. Ihre Möbel und Sachen lässt der Gerichtsvollzieher entweder in der Wohnung oder lagert sie mithilfe eines Umzugsunternehmens ein. Dann tauscht er die Schlösser aus.

svs

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