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„Ein kleines Weihnachtswunder!“ - Grüne Oase mitten in München scheint gerettet

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Von: Nina Bautz, Leoni Billina

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Gute Nachrichten zu Weihnachten: Stadt will Concordia-Kleingarten (Foto) übernehmen.
Gute Nachrichten zu Weihnachten: Stadt will Concordia-Kleingarten (Foto) übernehmen. © Schlaf

Wochenlang zitterten Kleingartler um ein Idyll an der Landshuter Allee (Neuhausen). Nun kurz vor Weihnachten gibt es eine gute Nachricht für den Concordia-Park.

Update vom 23. Dezember 2022: Endlich ist die Rettung der grünen Oase in Neuhausen in Sicht: Der Freistaat hat am Tag vor Weihnachten seine Bereitschaft signalisiert, mit der Stadt über eine Übertragung des sogenannten Concordia-Parks zu verhandeln.

Wochenlang haben die Pächter der Kleingartenanlage und die Wirtin des Wirtshauses Wally um ihr Idyll gezittert. Bis Ende des Jahres hätten sie das Areal räumen müssen, nachdem sich der Männergesangverein Concordia als Hauptmieter der Bayerischen Schlösserverwaltung im Sommer aufgelöst hatte.

Den bisherigen Untermietern des MGV wurde mitgeteilt, bis Ende des Jahres müssten die Gärten geräumt und die Gaststätte zurückgebaut sein. Daraufhin hat das Kommunalreferat beim Freistaat angefragt, ob ein Erwerb oder eine langfristige Anmietung des Areals an der Landshuter Allee 165 möglich wäre. Der Freistaat hat daraufhin die Kündigungsfrist zunächst ausgesetzt.

Concordia-Park in München Neuhausen: Rettung für Schrebergärten?

Um nun für die Betroffenen Klarheit zu schaffen, werden die zuständigen Stellen der Stadt mit der Bayerischen Schlösserverwaltung verhandeln, wie die rechtlichen Voraussetzungen für das Bestehen der Anlage in der Zukunft aussehen können. Kommunalreferentin Kristina Frank (CSU) ist angesichts der erfreulichen Entwicklung erleichtert: „Ein kleines Weihnachtswunder! Als ehemalige Neuhauserin weiß ich, wie wichtig diese Oase für das Stadtviertel ist.“

Natur fehle in diesem Stadtviertel an sehr vielen Stellen, noch dazu an der viel befahrenen Landshuter Allee. „Deswegen habe ich mich von Herzen beim Freistaat dafür starkgemacht, die bestehenden Grünanlagen an die Stadt zu vergeben, um sie so zu erhalten. Ähnlich wie beim angrenzenden, wundervoll gelungenen Taxispark könnten wir so das Areal als Landeshauptstadt München langfristig sichern.“

„Wir sind entsetzt“ – Kleingartensiedlung Concordia mitten in München droht Abriss

Erstmeldung vom 13. Oktober 2022

München – Alle paar Meter bleibt Richard Schildberger stehen, grüßt Nachbarn, ratscht kurz mit jemanden. Der Rentner (64) ist zweiter Vorstand der Gartenfreunde Gern und seit fast 20 Jahren Pächter in der Kleingartensiedlung im Concordia-Park an der Landshuter Allee. „Wir sind wie eine große Familie.“ Diese Familie aber ist in Gefahr, denn der Anlage droht der Abriss!

Der bisherige Betreiber und Verpächter der 38 Parzellen, der Männergesangsverein Concordia, hat sich aufgelöst und daraufhin Ende Juni die Verträge der Kleingartenbesitzer und der Gaststättenbetreiberin zum Jahresende gekündigt. Auch ihr eigenes Pachtverhältnis mit der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung (beziehungsweise dem Freistaat als Eigentümer) wurde aufgehoben. Vertraglich haben die Kleingartler also nichts mehr in der Hand.

Richard Schildberger und Marion Zierer kämpfen für die Anlage an der Landshuter Allee.
Richard Schildberger und Marion Zierer kämpfen für die Anlage an der Landshuter Allee. © Schlaf

„Wir sind entsetzt“ – Kleingartensiedlung in München an der Landshuter Allee droht Abriss

Und schon steht eine Bebauung der Grünfläche im Raum. Ein Sprecher des Bauministeriums teilte auf Anfrage der Stadtzeitung Hallo mit: „Wenn durch die Kündigung des Pachtvertrags (…) die etablierten Nutzungen wegfallen, besteht grundsätzlich Interesse des Freistaats, mit seinen staatlichen Wohnungsbaugesellschaften, zumindest auf einer Teilfläche des Grundstücks, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.“ Der werde in München dringend benötigt. Die Möglichkeiten müssten jedoch zunächst mit der Stadt abgeklärt werden. „Konkretere Planungen gibt es daher zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht“, so die Aussage des Freistaats.

Beton statt Blumen: Immer wieder war in den vergangenen Monaten und Jahren der Verlust von Grünflächen und Bäumen durch Bauvorhaben ein Thema, zum Beispiel bei der Nachverdichtung in Schwabing oder dem Baum-Kahlschlag an der Neuen Pinakothek. Und bald eine Kleingarten-Anlage? Für die Pächter wäre das eine Katastrophe. „Wir sind fast täglich hier“, so Schildberger. Seine zweijährige Enkeltochter lerne hier die Tier- und Pflanzenwelt kennen.

Kleingartenfläche in München bedroht: Im Concordia-Park an der Landshuter Allee ist Kleingartenbesitzern die Kündigung ins Haus geflattert.
Kleingartenfläche in München bedroht: Im Concordia-Park an der Landshuter Allee ist Kleingartenbesitzern die Kündigung ins Haus geflattert. © Screenshot Google Maps

„Meine Nachbarin war schon als Kind hier. Das ist ein Treffpunkt für das ganze Viertel. Und gerade für die älteren Pächter sind die Kontakte sehr wichtig.“ Gaststätten-Pächterin Marion Zierer (57) fügt hinzu: „Wir sind entsetzt.“ Sie habe das Lokal Die Wally in sieben Jahren neu aufgebaut und im Lockdown ihre Ersparnisse reingesteckt. „Wenn wir nun weichen müssten, wäre meine Existenz in Gefahr.“

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München Neuhausen: Kleingartenbesitzer wollen um grüne Oase kämpfen

Richard Schildberger stellt klar: „Wir werden auf keinen Fall kampflos aufgeben!“ Er und seine Mitstreiter haben extra einen Verein gegründet, um als Einheit eigenständig handeln und im besten Fall einen neuen Pachtvertrag aushandeln zu können. Man habe bereits Stadträte, den Bezirksausschuss und den Bund Naturschutz kontaktiert. Anna Hanusch, die Vorsitzende des Bezirksausschusses, hat das Thema am Mittwoch auf die Tagesordnung der Sitzung des Unterausschusses Bau gesetzt. „Noch ist nicht klar, ob hier überhaupt Baurecht besteht. Ich plädiere auf jeden Fall dafür, dass wir uns für den Erhalt einsetzen. Drumherum ist viel dichte Bebauung, da ist die Grünfläche wichtig.“

Die zweite Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne) sagt auf tz-Anfrage, die Kleingärten und der Concordia-Park seien auch „in Zeiten von Hitzesommern wichtig zur Kühlung unserer Stadt. Ich habe das Planungsreferat deshalb gebeten, hier alle rechtlichen Möglichkeiten für einen Erhalt zu prüfen“. Richard Schildberger hat einen Funken Hoffnung: „Vielleicht schaffen wir es ja alle zusammen, die Anlage zu retten.“

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