Küchenmesser-Mord in Neuhausen

Er fing ein Messer mit bloßer Hand ab: Zeuge schildert Mord von Neuhausen

Lion K. (21) ist wegen Mordes und versuchten Mordes angeklagt.
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Lion K. (21) ist wegen Mordes und versuchten Mordes angeklagt.

Der Ex-Freund seiner Schwester hat 2018 versucht, ihn und seine Familie zu töten. Am Dienstag sagte er im Beisein des Täters vor Gericht aus.

  • Mord in Neuhausen: Lion K. hat 2018 versucht, die Familie seiner Ex-Freundin auszulöschen.
  • Der Bruder der Ex-Freundin verteidigte seine Familie unter Einsatz seines Lebens.
  • Nun steht der Täter vor Gericht.

München - Als Giuseppe C. (17) den Gerichtssaal betritt, wird es still. Zwei Narben ziehen sich über den Hinterkopf des Schülers. Eine verläuft parallel hinter seinem rechten Ohr, die andere schräg von der Schädelmitte darauf zu. Es sind bittere Erinnerungen an den Kampf mit Lion K. (21): Der hatte im Juni 2018 versucht, die Familie seiner Ex-Freundin in Neuhausen auszulöschen – und in der Wohnung in der Jutastraße auch Giuseppe C. mit einem Küchenmesser angegriffen. Doch unter Einsatz seines eigenen Lebens hatte der Schüler sogar noch seine Mutter verteidigt. Am Dienstag sagte er nun als Zeuge aus.

„Der ganze Boden war voller Blut“

„Ich war im Bad und hatte Kopfhörer auf“, berichtet Giuseppe C. „Ich hörte meine Schwester schreien und der Hund bellte. Aber zuerst dachte ich, sie hat ihn nur geärgert und er sie vielleicht gebissen.“ Doch als auch die Mutter plötzlich gellende Schreie ausstieß, stürzte Giuseppe C. hinaus in den Flur – und sah schreckliche Szenen. „Der ganze Boden war voller Blut“, berichtet er. „Lion stand mit dem Messer vor meiner Mutter und stach zu.“ Von einer Sekunde auf die nächste richtete sich die Mordwaffe dann auch gegen Giuseppe C. „Er kam mir entgegen, doch ich habe es geschafft, ihn gegen die Wand zu drücken. Das gelbe Küchenmesser habe ich sofort erkannt.“ Mit bloßen Händen greift Giuseppe C. in die Klinge – bis heute kann er nicht mehr richtig schreiben. Doch er überlebt – schwerverletzt. Mehrere Stiche trafen ihn im Rücken und am Hinterkopf. Während der Zeugenaussage sind sie noch immer deutlich sichtbar. Sein Leben lang wird Giuseppe C. von der Attacke gezeichnet sein.

Lion K. sitzt gebückt auf der Anklagebank. Die Beine gespreizt, faltet er die Hände in seinem Schoß. Der Kopf hängt nach unten. Sein Gesicht ist blass, nur die Ohren glühen. In dieser Pose hört er die Zeugenaussage an und bewegt sich 80 Minuten lang keinen Zentimeter.

„Er war eigentlich freundlich“

Er war eigentlich freundlich und hat alle mit Respekt behandelt“, erinnert sich Giuseppe C. an den Ex-Freund seiner Schwester. Aus Frust über eine bevorstehende Trennung von ihr soll Lion K. im Juni 2018 zum Mörder geworden sein. Laut Anklage tötete er Giuseppes Schwester Sonja (Name geändert) mit mehreren Stichen. Seine Mutter bewahrte der Schüler aber noch vor Schlimmerem, als er Lion K. das Messer entriss und noch einen Notruf absetzen konnte. „Atme, atme“, habe er zu seiner Mutter gesagt, die schwer verletzt im Flur lag. Kurz darauf trafen die Notärzte ein und retteten die beiden.

„In meiner Lunge waren zwei Liter Blut“, sagt Giuseppe C. „Die Sanitäter sagten mir, dass meine Schwester tot ist.“ Trauer? Wut? Was empfindet man nach so einer Tat? Nach so einem Verlust? Giuseppe C. findet keine Worte. Mehr als einen Monat lang war er in der Klinik. Eine Therapie brach er ab. Er weint nicht. Er schimpft nicht. Er sagt nur: Nie werde er die Augen des Täters vergessen. „Sie waren weit aufgerissen – und trotzdem vollkommen leblos.“

A. Thieme

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Neuhausen – mein Viertel“.

Nach der Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke gibt es neue Vorwürfe: Der mutmaßliche Mörder soll 2016 einen Iraker niedergestochen haben.

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