„Ein schwerer Schlag für die Familie“

Mann raste ins Stauende, 25-Jährige starb - Verfahren eingestellt, keine Entschuldigung

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Ein zum Unfallzeitpunkt 86-Jähriger verursachte mit einer Geschwindigkeit von zirka 120 Kilometern pro Stunde eine Massenkarambolage.

Zwei Jahre nach einer tödlichen Kollision an der Kreuzung Nymphenburger Straße/Landshuter Allee wurde nun das Verfahren gegen den Unfallfahrer eingestellt. Entschuldigung gab es keine.

München - „Ich liebe dich für immer“: Diese Botschaft hing vor zwei Jahren an der Kreuzung Nymphenburger Straße/Landshuter Allee an einem Schild auf der begrünten Verkehrsinsel. Geschrieben hatte diese Zeilen der Verlobte der Justizfachangestellten Ruza V. (25), die am 14. Oktober 2016 an eben dieser Stelle bei einem dramatischen Unfall ums Leben gekommen ist. Ein zum Unfallzeitpunkt 86-Jähriger war mit seiner Mercedes E-Klasse ungebremst auf das Stauende an der Ampel gerast. 

Er verursachte mit einer Geschwindigkeit von zirka 120 Kilometern pro Stunde eine Massenkarambolage, krachte in das Heck des Ford Fiestas der 25-Jährigen. Die junge Frau starb sofort. Der Ex-Taxifahrer hatte Gas und Bremse verwechselt.

Nach Unfall-Drama: Angehörige über fehlende Entschuldigung sehr enttäuscht

Jetzt, zwei Jahre nach dem Unfall, hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen den Rentner wegen fahrlässiger Tötung eingestellt. „Das ist ein schwerer Schlag für die Familie des Unfallopfers“, sagt deren Anwalt Adam Ahmed. Die Angehörigen seien ohnehin sehr enttäuscht, dass der Unfallfahrer nie versucht habe, sich zu entschuldigen. Ahmed legte Beschwerde gegen die Einstellung des Verfahrens bei der Generalstaatsanwaltschaft ein. Diese hat die Beschwerde jetzt abgewiesen. Auf Wunsch von Ruzas Familie will der Anwalt notfalls durch alle Instanzen ziehen. Wird Ruzas Tod je gesühnt?

Im Gutachten steht unter anderem, dass der Senior aus München an leichter Demenz und Konzentrationsstörungen leidet. „Der Unfallfahrer hätte bei kritischer Prüfung selbst zu dem Schluss kommen können, dass er nicht mehr hätte Autofahren sollen“, sagt Ahmed. Florian Weinzierl, Sprecher der Staatsanwaltschaft, bestätigt, dass das Verfahren eingestellt wurde. „Wir konnten nicht mit der erforderlichen Sicherheit nachweisen, dass der Beschuldigte seine Fahruntüchtigkeit hätte erkennen können und müssen“, sagt Weinzierl. 

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Unfall-Drama an Landshuter Allee: Fahrer gab nach Unfall seinen Führerschein ab

Die Staatsanwaltschaft habe es sich nicht leicht gemacht und mehrere Gutachten eingeholt, um sich ein Bild vom Gesundheitszustand des Rentners machen zu können und die komplexe - vor allem medizinische - Fragestellung beurteilen zu können.

Der Ex-Taxifahrer gab direkt nach dem Unfall seinen Führerschein ab. Ahmed ist der Ansicht, man müsse generell darüber diskutieren, ob Senioren, die Auto fahren wollen, sich regelmäßig medizinisch auf ihre Fahreignung testen lassen müssen. In anderen Ländern wie Norwegen, Schweden und den Niederlanden seien ärztliche Untersuchungen für Autofahrer ab 70 Jahren längst Pflicht.  „Da sind wir in Deutschland Schlusslicht.“ 

Die letzte Liebeserklärung an Ruza von ihrem Verlobten am Unfallort.

Tests für Senioren? Das sagen die Experten

Medizinische Untersuchungen für ältere Fahrzeugführer fordert die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV). „Spätestens ab dem 70. Lebensjahr sollten Untersuchungen verpflichtend sein“, sagt DAV-Verkehrsanwalt Christian Funk. Bei den Tests müsse die Fähigkeit zur Teilnahme am Straßenverkehr von neutraler Stelle überprüft werden. Die Verpflichtung einer Überprüfung sei jedoch eine politische Angelegenheit, für die Funk im Moment keine Mehrheit sieht. Die Gefahr, im Straßenverkehr schwer oder tödlich verletzt zu werden, steige allerdings mit dem Alter. Zudem seien Senioren ein Risiko für andere Verkehrsteilnehmer. „Laut einer Statistik aus dem Jahr 2017 trug, sofern ein über 64-jähriger Autofahrer in den Unfall verwickelt war, dieser häufig die Hauptschuld – und zwar zu 66,9 Prozent. Bei den mindestens 75-Jährigen wurde sogar drei von vier unfallbeteiligten Autofahrern die Hauptschuld am Unfall zugewiesen“, sagt Funk. Darüber hinaus sei fast jeder zweite Geisterfahrer – 46 Prozent – älter als 65.

Der ADAC hält hingegen wenig von gesetzlichen Vorschriften für Ältere. „Die Qualität der bisher entwickelten Testverfahren für Senioren am Steuer sind noch nicht überzeugend“, sagt Alexander Kreipl, Verkehrs- und umweltpolitischer Sprecher des ADAC. „Es besteht die Gefahr, dass geeignete Fahrer irrtümlich als ungeeignet eingestuft werden. Hinzu kommt, dass ein positives Testergebnis dazu verleiten kann, seine eigenen Fähigkeiten weit über den Testzeitpunkt hinaus zu überschätzen.“ Der ADAC empfiehlt, sich freiwillig regelmäßig ärztlich untersuchen zu lassen.

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