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Bittere Nachricht für Senioren aus Münchner Viertel: „Ganzes Leben gearbeitet und jetzt einfach abgehängt“

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Von: Nina Bautz

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Reinhold Meinen
Reinhold Meinen ist gegen die Schließung der Postbankfiliale am Romanplatz. © Oliver Bodmer

Für viele ist sie ein Segen, für die meisten Senioren aber ein Fluch: die Digitalisierung. Denn sie verändert mittelfristig auch die soziale Infrastruktur in Münchens Stadtvierteln.

München - Noch wissen es viele Nymphenburger gar nicht, die hier ihr Päckchen abgeben oder Geld überweisen. Aber bald wird am Romanplatz wieder ein Teil der Nahversorgung verschwinden. Wie unsere Zeitung erfuhr, wird hier kommendes Jahr die Postbankfiliale mit dem integrierten Postbereich schließen. „Das trifft besonders die älteren Leute in der Gegend“, sagt Anwohner Reinhold Meinen (66), der ehrenamtlich Senioren betreut. Er will die Schließung nicht so einfach hinnehmen.

München: Nächste Postbank-Filiale schließt - Anwohner will sich wehren

Die Postbank bestätigt das geplante Aus. „Wir schließen eine Filiale nur dann, wenn sie sich nicht mehr wirtschaftlich betreiben lässt“, erklärt Sprecher Oliver Rittmaier. Entscheidend sei hier vor allem die Art der nachgefragten Leistungen, etwa die Abschlüsse und Nutzung von Bankprodukten. Die Filiale am Romanplatz werde „voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2022“ schließen, ein genauer Termin stehe noch nicht fest.

Der Verlust der sozialen Infrastruktur ist mehr denn je ein Thema: Erst kürzlich hat die Postbank, die eine Tochter der Deutschen Bank ist und in fast allen Fällen die Filialen betreibt (die Deutsche Post ist darin jeweils nur Partner), harte Zahlen genannt: Die Anzahl der Postbank-Geschäftsstellen soll demnach deutschlandweit bis Ende 2023 von aktuell 750 auf 550 sinken. Zahlen aus der Vergangenheit, um einen Vergleich herstellen zu können, wollte die Postbank auf Anfrage nicht liefern.

Filialsterben in München: Viertel-Bewohner will sich an Verantwortliche wenden

Jüngste Opfer des Sparkurses* waren in München die Filialen an der Bergmannstraße, der Angerer- und der Agnesstraße. Nun also auch der Romanplatz – und dieses Postbank-Center wird nicht das letzte in der Landeshauptstadt sein. 

Reinhold Meinen will einen Brief an die Verantwortlichen schreiben. Und er sucht Mitstreiter für seinen Protest, hat sogar bereits ein Plakat gemalt. „Ältere Leute schreiben oft noch Briefe und verschicken Pakete oder gehen persönlich zur Bank, die haben meist kein Internet“, sagt er. „Man missachtet die Senioren, die auch nicht so mobil sind, um zur nächsten Filiale zu kommen.“ Die Post habe auch eine soziale Funktion. „Da darf es nicht nur um Geld gehen.“

„Sie haben ein ganzes Leben lang gearbeitet und werden jetzt überall einfach nur abgehängt“

Die Postbank erklärt, man stelle mit der Deutschen Post sicher, dass an den von der Schließung betroffenen Standorten die Grundversorgung der Bevölkerung mit Postdienstleistungen weiterhin gegeben sei – etwa in Form von Postschaltern in einem Geschäft in der Nähe. Anwohner und Kunden würden im Falle des Romanplatzes rechtzeitig über alle Details informiert. Für Ingeborg Staudenmeyer, Seniorenbeirätin von Neuhausen-Nymphenburg*, geht es um mehr: „Für die Senioren hat sich in den vergangenen Jahren gerade durch das Internet so viel geändert. Der Service bei der Post oder bei Banken, die kleinen Geschäfte – das Gewohnte ist fast alles weg. Sie haben ein ganzes Leben lang gearbeitet und werden jetzt überall einfach nur abgehängt.“ (Nina Bautz)

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