Sie kommen nie aus der Mode

So fesch posieren Münchner Senioren auf dem Laufsteg

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Fast wie die Queen: In royalem Blau repräsentiert Marianne Goebel das britische Königreich.

Alles ist da: Der Rote Teppich, die Mode-begeisterten Zuschauer am Catwalk, der Fotograf – und natürlich die Models. Bloß, dass diese Modenschau nicht in London oder New York stattfindet, sondern in Gern.

Im Heilig-Geist-Seniorenhaus am Dom-Pedro-Platz in Gern ist der Trubel gerade groß. Frei nach dem Motto „Mode ohne Grenzen“ stylen sich die Bewohner im Gemeinschaftsraum gerade für ihren großen Auftritt. Denn heute präsentieren sie 14 verschiedene Outfits aus aller Welt. Jeder vertritt dabei ein anderes Land. Betreuerin und Ideengeberin Sabine Herbrich legt noch letzte Hand an, bevor sie ihre auserwählten Models für den Catwalk freigibt. Hier noch eine Haarspange in die silberne Mähne, dort noch der letzte Schliff am Make-up. Es wird vor dem Spiegel posiert und ein Schneider steckt gekonnt die letzte Sicherheitsnadel in die Robe.

„Seit drei Monaten hingefiebert“

„Auf das Event haben alle seit drei Monaten hingefiebert“, sagt Thomas Ziller, der Leiter des Münchenstift-Hauses. „Aber der Aufwand lohnt sich, denn neben der kreativen Beschäftigung ist es uns wichtig, auch das Selbstbewusstsein unserer Senioren zu stärken. Eine Modenschau bietet sich dafür gut an.“

Bellissimo, Signor Pasquale! Der einzige Mann unter den Models verkörpert ganz charmant Italien.

Zu passenden nationalen Liedern und Beats flanieren die Oldie-Models dann lässig über den ausgelegten roten Teppich und lächeln gekonnt in die Kameras. Bewohnerin Marianne Goebel sieht dabei Queen Elizabeth II. zum Verwechseln ähnlich. In royalen Blautönen präsentiert sie Großbritannien. Das passt gut, denn Goebel legte schon immer großen Wert auf ein anständiges und schickes Auftreten: „Früher habe ich sogar von meinem Vater Ärger bekommen, wenn meine Schuhe nicht sauber waren“, erzählt die ehemalige Feinkostverkäuferin.

Bellissimo, Signor Pasquale! Der einzige Mann unter den Models verkörpert ganz charmant Italien.

Das Dolce Vita präsentiert der Hahn im Korb: Pasquale Merlin ist mittlerweile schon Profi auf dem Laufsteg: „Ich habe schon öfter bei der jährlichen Modenschau hier mitgemacht. Letztes Jahr waren wir sogar so erfolgreich, dass wir auf Tournee in zwei andere Altenheime gegangen sind“, sagt der Rentner stolz. „Mir macht das so viel Spaß, obwohl mir Modetrends im Alltag total egal sind.“

Nur ein Herr der Schöpfung mit dabei

Leider ist er heute der einzige Herr der Schöpfung, dem das Spaß macht – denn nur wenige Minuten vor Beginn der stylischen Auftritte überlegt es sich das zweite eingeplante Männermodel anders. Er hat sich vorsorglich aus dem Staub gemacht, damit ihn keiner doch noch überredet. Aber was wäre ein Modeevent ohne den ein oder anderen Aufreger? Da ist Improvisation gefragt. Schnell springt der Schneider in das Traditionsgewand der Russen und zum Erklingen der Musik merkt keiner der Zuschauer die Änderung im Programm.

Bellissimo, Signor Pasquale! Der einzige Mann unter den Models verkörpert ganz charmant Italien.

Zu Helene Fischers „Atemlos durch die Nacht“ schlendert dann Erika Mader in glamourösem Gold über die Bühne und zeigt, was die deutsche Mode so kann. Für sie sind Kleider ein bekanntes Terrain, denn die 81-Jährige war einst selbstständige Schneider-Meisterin. Erika Mader freut sich sehr über das glänzende bodenlange Outfit: „Leider gibt es viel zu selten Anlässe, bei denen man so etwas Ausgefallenes und Schönes tragen kann. Ein paar Kleider hab ich schon im Schrank, aber nicht so oft eine passende Gelegenheit, um sie auszuführen.“

„Mir gefällt das chinesische Outfit sehr gut“

Gertrud Schmid (83) erscheint zu asiatischen Klängen auf dem roten Teppich. „Mir gefällt das chinesische Outfit sehr gut, weil es meine schlanke Silhouette betont!“ Und da die Dame schon zum zweiten Mal mitmacht, hat sie einen guten Tipp gegen Lampenfieber: „Damit ich nicht nervös werde, habe ich am Mittag schon ein Gläschen Sekt getrunken!“ 

Felicitas Bogner

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