Schusseligkeit im tiefsten Winter

Münchnerin lässt diese Scheibe fünf Tage lang offen - und erlebt dann eine Überraschung

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Lisa ließ die Scheibe bei ihrem grauen Auto offen.

Eine Münchnerin zeigte sich unlängst ziemlich schusselig: Sie vergaß im tiefsten Winter, ihre Autoscheibe zu schließen. Als sie fünf Tage später zum Wagen zurück kam, wartete eine Überraschung.

München - „Weltstadt mit Herz“: Diesen Slogan hatte München mehrere Jahrzehnte lang inne. Inzwischen ist er aber ein wenig in Vergessenheit geraten. Und so mancher mag ihn auch ein wenig anzweifeln.

Dass es durchaus auch anders geht, zeigt die Geschichte einer 27-jährigen Münchnerin. Sie möchte gerne anonym bleiben (wir nennen sie hier Lisa) und berichtete bereits in der Silvester-Show von Moderator Thommi Stottrop bei Bayern 3, was ihr widerfahren sei. Mit der freundlichen Hilfe des Senders haben wir Lisa ans Telefon bekommen. Und freuen uns, noch einmal nacherzählen zu können, was für nette Leute doch in München wohnen.

Das Erlebnis hatte Lisa in der Woche vor Weihnachten unweit vom Leonrodplatz. „Ich habe mein Auto umgeparkt zu einem Parkplatz in der Nähe meiner Wohnung“, schildert Lisa. „Es war sehr kalt. Vor dem Umparken habe ich nicht alle Scheiben komplett freigekratzt.“ Um im Spiegel den Bordstein besser zu erkennen, habe sie zudem die vereiste Fensterscheibe runtergekurbelt.

Das Einparken war erledigt, und für Lisa ging‘s ab in die gute Stube. Was sie zu dem Zeitpunkt nicht wusste: Sie hatte vergessen, die Scheibe wieder hochzukurbeln. Und so stand ihr Auto nun da. Eine Nacht. Eine weitere Nacht. Noch eine. Und, und, und. Bei frostigen Temperaturen. „Am Sonntag hatte ich umgeparkt, am Freitag bin ich wieder zurück zum Auto“, erinnert sich Lisa.

„Ich habe mein Auto erst gar nicht erkannt“

Als sie dort ankam, traute sie ihren Augen nicht. „Ich habe mein Auto erst gar nicht erkannt“, erinnert sie sich. „Weil da etwas Rotes draufgeklebt war.“ Sie näherte sich dem Wagen - und erkannte ihn dann doch als ihren. „Ich habe mich gefragt, was los ist und dann gesehen, dass es sich um eine C&A-Tüte handelt. Ich habe hingefasst und gemerkt, dass das Fenster offen geblieben war. Jemand war so freundlich und hat das zugeklebt.“

Für uns hat Lisa noch einmal nachgestellt, wie es aussah, als sie zum Auto zurückkam. Damals hatte sie kein Foto gemacht. Und die Tüte sei fachmännisch verklebt gewesen.

Lisa ist begeistert: Irgendeine Unbekannte oder ein Unbekannter hatte entdeckt, dass sie ihre Scheibe offen gelassen hatte. Und ist mit Einkaufstüte und Klebeband fachmännisch zur Tat geschritten, um diese abzukleben. „Es war richtig gut befestigt“, schwärmt Lisa. „Jemand muss richtig schnell reagiert haben. Das Auto war innen komplett trocken. Dabei hat es die Woche immer wieder geregnet.“

Fensterzukleber(in), bitte melden!

Sie weiß bis heute nicht, wer da so aufmerksam war. „Sonst hätte ich mich persönlich bedankt“, so Lisa. „Kurz vor Weihnachten war das echt noch mal eine Freude.“

Wenn sich also die oder der Unbekannte findet: Gerne bei uns unter onlineredaktion@tz.de melden.

Die Tüte hat Lisa bis heute aufgehoben.

Dass München und der Straßenverkehr das Resultat „Weltstadt mit Herz“ ergibt, zeigt auch ein anderes Beispiel: In Aubing wurden 2015 Knöllchen verteilt, über die sich jeder Falschparker freuen konnte.

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