Neubau-Pläne für Jugendherberge abgelehnt

Dieser Entwurf ist zu modern für Neuhausen

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Futuristisch: Mit diesem Entwurf für einen Neubau am Winthirplatz haben die Planer die Stadtgestaltungskommission überfordert. 

Modernisierung ja, aber bitte nicht zu gewagt: Diesen Kurs gibt die Stadtgestaltungskommission für die Jugendherberge „München City“ in Neuhausen vor. Das Gremium hat den Entwurf für die Sanierung und den Neubau der Jugendherberge vorerst abgelehnt.

München - Die Unterkunft erstreckt sich derzeit auf das denkmalgeschützte Hauptgebäude an der Wendl-Dietrich-Straße sowie zwei weitere Gebäude um die Ecke am Winthirplatz. Hinter den Häusern liegt ein grüner Innenhof.

Die Jugendherberge muss dringend saniert werden

Die Unterkunft mit etwa 330 Betten ist die älteste Stadtjugendherberge in Deutschland und mit durchschnittlich 67.000 Übernachtungen im Jahr eine der beliebtesten Jugendherbergen in Bayern. Doch über die Jahre habe sich ein „Instandhaltungsrückstau“ ergeben, sagt Ralf Weixler, der beim Bayerischen Landesverband des Deutschen Jugendherbergswerks für die Liegenschaften verantwortlich ist. Die Ansprüche der Gäste hätten sich im Lauf der Jahre sehr verändert, die Einrichtung sei nicht mehr zeitgemäß. Das Haus ist nicht, wie heute üblich und gefordert, barrierefrei, außerdem gibt es überwiegend Vierbettzimmer und Gemeinschaftsbäder auf der Etage.

Zwei Häuser sollen einem Neubau weichen

Das Hauptgebäude soll nun kernsaniert werden, die zwei Häuser an der Winthirstraße einem Neubau weichen. Dem Jugendherbergswerk schwebt eine Designer-Unterkunft vor, etwa 25 Millionen Euro will der Verband dafür in die Hand nehmen.

Der Hautpeingang liegt derzeit noch in diesem Gebäude an der Wendl-Dietrich-Straße. Er soll in den Neubau umziehen. 

Die Architekten vom Büro Graft aus Berlin, die immer wieder als Popstar-Architekten bezeichnet werden, hatten entsprechend große Pläne für die altehrwürdige Jugendherberge: Der Wettbewerbsentwurf sah eine futuristische Fassade aus Glas und Metall vor, dazu ein sehr offen und unkonventionell geschnittenes Foyer an der Winthirstraße. Den Haupteingang verlegten sie in ihrem Entwurf von der Wendl-Dietrich-Straße an den Winthirplatz. Der könne dann mit seinem Baumbestand als „Vorgarten“ der Jugendherberge „vereinnahmt“ werden.

Multifunktionale Zimmer, jedes mit eigenem Bad, sollen in Zukunft Platz für etwa 450 Gäste bieten, großzügige, vielseitig nutzbare Aufenthaltsräume das Gemeinschaftsgefühl hervorheben. Die Jugendherbergen wollen ihr angestaubtes Hausschuhpflicht-und-Früchtetee-Image loswerden und eine attraktive Unterkunft nicht nur für Schulklassen und Familien, sondern auch für Rucksacktouristen werden.

Die Stadtgestaltungskommission war dagegen

Doch auch ein abgespeckter Entwurf für den Neubau fiel bei der Stadtgestaltungskommission durch. Er füge sich nicht in die Umgebung am Winthirplatz ein, bemängelten die Mitglieder des Gremiums. Die Materialien fänden sich in der Umgebung nicht wieder, die Fassade sei zu stark horizontal gegliedert.

Ralf Weixler zeigt sich „erstaunt“ von der Bewertung der Stadtgestaltungskommission. Er habe den Eindruck, viele Mitglieder der Kommission hätten „ein sehr antiquiertes Bild von Jugendherbergen“. Jetzt arbeiten die Architekten daran, den Entwurf entsprechend der Kritik umzugestalten. „Die Fassade wird einen deutlich vertikaleren Eindruck vermitteln als vorher“, verspricht Weixler. Man wolle bei der nächsten Sitzung der Stadtgestaltungskommission im März den überarbeiteten Entwurf präsentieren. Den Zeitplan bringe diese Überarbeitung nicht durcheinander, sagt Weixler. Der Jugendherbergsverband will Anfang 2018 den Bauantrag einreichen, Anfang 2021 soll dann die neue älteste Jugendherberge wieder eröffnen.

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