Kripo ermittelt

Neuhausen: Die Angst vor den Kinderfängern

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Eine besorgte Mutter mit ihrem Sohn vor der Grundschule am Dom-Pedro-Platz in Neuhausen. Gibt es jemanden, der den Kindern Übles will?

München - In Neuhausen geht die Angst um: Fremde sollen Schüler ins Auto locken. Die Kripo ermittelt.

Es ist der schlimmste Albtraum aller Eltern: Ihr Kind schlendert nach der Schule heim, plötzlich hält ein Auto daneben. Ein netter Mann lockt mit Süßigkeiten, hält die Autotüre auf und sagt: „Steig ein …“

Nach tz-Informationen wurde dieser böse Traum in Neuhausen Realität: Schüler der Grundschule am Dom-Pedro-Platz haben am Dienstag offenbar eine Frau und einen Mann beobachtet, die mit denselben Methoden Kinder in ihr Auto locken wollten. Kinderfänger in Neuhausen?

Die Schule ist alarmiert und warnt die Eltern nun in einem Brief. „Es wurden umgehend Vorsichtsmaßnahmen eingeleitet“, sagt Ramazan Varisli, Vorsitzender des Elternbeirats. Schulleiterin Andrea Froehler bestätigt: „Die Lehrer wurden zusammengetrommelt. Sie sollten den Kindern noch einmal einschärfen: Nehmt nichts von Fremden! Steigt auf keinen Fall in fremde Autos!“ Bereits im Dezember soll es einen Vorfall in der Nähe der Schule gegeben haben. Das hat die Polizei gegenüber der tz bestätigt. Zwei achtjährige Mädchen wurden demnach in der Frundsbergstraße von Fremden mit Süßigkeiten angelockt. Die Mädchen nahmen Reißaus. „Das braucht nur einmal anders zu laufen … Daran will ich gar nicht denken“, sagt Varisli vom Elternbeirat. Das Kommissariat 15 der Münchner Polizei – zuständig für Sexualdelikte – hat die Ermittlungen aufgenommen und die Mädchen vernommen.

Bei den Eltern, die ihre Kinder gestern von der Schule abholten, geht nun die Angst um: „Mein Sohn ist gerade in der ersten Klasse. Als er von dem Vorfall erfuhr, war er total verängstigt. Und ganz ehrlich: Auch ich habe Angst!“, sagte gestern eine besorgte Mutter. Sie ist der Meinung, die Schule habe zu spät reagiert, nach dem Vorfall im Dezember nicht genug informiert. Schulleiterin Froehler weist die Kritik zurück: „Der Vorfall damals wurde uns nicht gemeldet. Der Papa eines der Mädchen wandte sich direkt an die Polizei.“

Auch Varislis Sohn geht in die zweite Klasse der Schule. Allein nach Hause gehen lässt er ihn nie. Varisli und seine Frau holen ihn abwechselnd ab. Anderen Eltern rät er: „Pünktlich sein, die Kinder nicht warten lassen!“

Eine andere Mutter hat weitere Tipps für Eltern und Kinder. „Kinder sollen Fremde unbedingt siezen. Nur so verstehen die Menschen in der Nähe, dass es sich um einen Fremden handelt und nicht etwa um ein harmloses Gerangel zwischen Papa und Kind – etwa mit den Worten „Lassen Sie mich los!“ Auch sie lässt ihren Sohn nicht mehr allein nach Hause gehen. „Ich habe mit ihm ein Passwort vereinbart. Wenn ich oder Bekannte ihn abholen, muss derjenige das Passwort sagen.“ Wenn jemand das Passwort nicht weiß, geht er nicht mit.

T. Scharnagl

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