Gebäude in Nymphenburg wieder zugesperrt

Schul-Neubau einsturzgefährdet

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Der Neubau: Das Gebäude umfasst sechs Etagen, zwei davon unterirdisch. Unter dem Pausenhof im Vordergrund sind jetzt zwei Turnhallen.

München - Erst vor zwei Monaten haben die „Nymphenburger Schulen“ einen aufwändigen Neubau bezogen - nun musste das sechsgeschossige Gebäude schon wieder zugesperrt werden. Die Decke zwischen zweitem und drittem Stock droht einzubrechen.

Der Start in dieses Schuljahr war für die privaten Nymphenburger Schulen an der Sadelerstraße 10 ein besonderer: Bis zuletzt war mit Hochdruck daran gearbeitet worden, den Neubau und die Umbauten im Altbau rechtzeitig zum Schulbeginn fertig zu kriegen. Und es schien zu klappen. Nach zwei Jahren Planungs- und weiteren zwei Jahren Bauzeit bezogen Lehrer und Schüler nach den Sommerferien den neuen Trakt, feierten die Eröffnung am 11. Oktober mit einem großen Festakt.

Doch schon bald traten Verformungen an der Decke zwischen dem zweiten und dritten Stock auf, mit den Wochen sackte die Decke in Teilen ab. „Uns fiel auf, dass die raumhohen Balkontüren schleiften“, erklärte Schulleiterin Monika Florian auf Anfrage unserer Zeitung. „Zu Beginn der Herbstferien wurden wir vom Baustatiker informiert, dass die statisch notwendigen Reserven nicht gewährleistet sind. Daraufhin wurde umgehend ein öffentlich bestellter Sachverständiger für Baustatik eingeschaltet.“ Dessen erschreckende Einschätzung: Einsturzgefahr. Der gesamte Neubau wurde gesperrt.

Nach Informationen unserer Zeitung ist in der Decke offenbar zu wenig Stahl verbaut worden. In der Zwischenzeit wurden drei Geschosse mit hölzernen Stützpfeilern provisorisch verstärkt. Die weiteren Konsequenzen sind bislang aber noch nicht absehbar. Derzeit wird berechnet, ob es möglich ist, die Statik durch zusätzliche Stahlstützen zu retten. „Im Laufe dieser Woche erfahren wir hoffentlich, wie es weiter gehen kann“, sagt Florian. Vor den Weihnachtsferien dürfte eine Lösung des Problems aber unmöglich sein. Die Schuld- und damit die Haftungsfrage könnte indes noch weitaus länger die Schule und womöglich auch Gerichte beschäftigen.

So müssen die Klassen, die erst vor wenigen Wochen ihre schönen, neuen Unterrichtsräume bezogen habe, auf andere Zimmer im Altbau verteilt werden. Die Schulleitung muss improvisieren, „aber der Unterricht kann komplett stattfinden“, betont Florian. Weil die sechs zehnten Klassen sowie die Oberstufen-Schüler nun einen Großteil der Fachunterrichts- und Computerräume besetzen, müssen aber alle Schüler zusammenrücken.

Die Dimensionen des Neubaus sind groß, das Gebäude umfasst sechs Etagen, zwei davon unter der Erde. 16 Millionen Euro wurden laut der Rektorin investiert. Die Ausstattung der Privatschule ist sehr gehoben, unter anderem verfügt sie nun über ein Fitnesscenter. Doch dieses ist derzeit ebenso wie die Bibliothek im dritten Neubau-Stockwerk nicht zu nutzen. Immerhin: Seit einigen Tagen dürfen der Pausenhof sowie die zwei Turnhallen samt Umkleiden, die im Zuge des Neubaus unter den Innenhof verlegt wurden, wieder genutzt werden.

Die Schule hat eine lange Tradition: Als 1944 immer mehr Münchner Kinder durch die Auswirkungen des Krieges keine Schule besuchten, nahm sich der Geistliche Rat Ernst Adam (1884 – 1955) eines Teils dieser Kinder an und unterrichtete sie in seinem Privathaus. Aus seinem Engagement entstanden 1946 ein staatlich genehmigtes Privatgymnasium und 1948 der „Schulverein Ernst Adam München e.V.“, der noch heute Träger der Nymphenburger Schulen ist. 1969 erfolgte der Ausbau zur Ganztagsschule, 1971 die staatliche Anerkennung für das Gymnasium, 1978 die Angliederung der Realschule. Heute besuchen rund 910 Jugendliche die Nymphenburger Schulen.

Sven Rieber

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