Junge Spieler abgefüllt und begrabscht?

Lahm-Club: Schwere Vorwürfe gegen Nachwuchstrainer

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Jugendkoordinatorin Daniela Lahm musste B-Jugend-Trainer Thomas B. (Foto) im Mai 2013 suspendieren.

München - Thomas B. soll beim FT Gern mehrfach Haschisch und harten Alkohol an Jugendliche verteilt und sich auch an zwei Nachwuchsspielern vergriffen haben. Jetzt kommt es zum Prozess.

Mit zwei Pokal-Attrappen und FC-Bayern-Schal posiert Thomas B. (49, Name geändert) fürs Foto. Er trägt Krachlederne und lächelt stolz. Ganz klar: Der Mann liebt Fußball. Deshalb trainierte der Versicherungskaufmann auch vier Jahre lang die B-Jugend des FT Gern – dem Verein, bei dem auch Weltmeister Philipp Lahm (31) das Kicken lernte und bei dem dessen Mutter Daniela Jugendleiterin ist.

In seinem Traineramt soll Thomas B. mehrfach Haschisch und harten Alkohol an Jugendliche verteilt und sich auch an zwei Nachwuchsspielern vergriffen haben! Als die Eltern das erfuhren, zeigten sie den Übungsleiter an. Auch beim FT Gern flog B. am 27. Mai 2013 raus. Jugendleiterin Daniela Lahm zur tz: „Er war ehrenamtlich bei uns tätig. Sobald die Vorwürfe bekannt waren, war er weg. Wir konnten das nicht akzeptieren!“

Heute geht der Fall vor’s Amtsgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft Thomas B. insgesamt vier Fälle der „unerlaubten Verbrauchsüberlassung von Betäubungsmitteln an Jugendliche“ vor. An Neujahr 2012 lud er laut Anklage mehrere Jugendspieler (alle 17) zum Kiffen zu sich nach Hause ein. Gemeinsam rauchten sie zwei bis drei Joints – dasselbe soll im März 2013 mit zwei 16-jährigen Spieler aus seiner B-Jugend passiert sein.

In der Nacht vom 11. auf den 12. Mai 2013 der nächste Fall: Ein damals 16-jähriger Jugendspieler besucht erst die Meisterfeier des FC Bayern, nachts klingelt er betrunken bei Thomas B. Der füllte ihn laut Anklage weiter mit Bier und Wodka ab – und überredete ihn, bei sich zu übernachten. Im Doppelbett soll er dem Jungen mehrfach mit der Hand in die Hose gefasst haben – der Spieler wehrte das aber immer wieder ab.

Auch in der Nacht auf den 24. Mai 2013 soll Thomas B. Nachwuchsspieler zum Gelage eingeladen und sie mit Bier, Wodka und Schnupftabak versorgt haben. Einen überredete er wieder zu übernachten. Nur mit Boxershorts bekleidet, legte sich der Jugendliche laut Anklage ins Doppelbett. Um drei Uhr nachts wurde er angeblich wach, weil Thomas B. ihn an der Brust gestreichelt und zu sich hingezogen haben soll. Aus Angst reagierte er zunächst nicht. Erst als der Trainer ihm die Boxershort ausgezogen und am Penis berührt haben soll, sei er aufgesprungen und weggerannt. Um 3.30 Uhr rief er die Polizei. Zwei Tage später die Festnahme. Rund zwei Wochen lang saß B. in Untersuchungshaft. In seiner Vernehmung bestritt er die Fälle nicht.

Kurios: Die sexuellen Vorwürfe gegen ihn wurden zum Entsetzen der Eltern wieder fallen gelassen. Denn bereits im Juli, als es um die Zulassung der Anklage ging, war das Amtsgericht überzeugt, dass B. die Jungen zwar zum Sex motivieren wollte. Angeklagt sind die Berührungen jedoch als Beleidigung – und nicht als sexueller Missbrauch. Heute kann sich Thomas B. zu den Vorwürfen äußern.

Präsident greift durch! Führungszeugnis für alle Betreuer

Der eigene Sportskamerad und Trainer: ein mutmaßlicher Verbrecher. Einer, der Nachwuchskicker aus dem eigenen Verein bei sich zuhause abgefüllt und zwei von ihnen auch in die Hose gegriffen haben soll. Für Vereinspräsident Michael Franke vom FT Gern sind die Vorwürfe gegen Thomas B. immer noch schwer zu fassen. „Dennoch mussten wir handeln“, sagt er.

„Wir haben die Jugendspieler und auch ihre Eltern mit diesen Vorwürfen sehr ernst genommen und es war ja auch die Polizei eingeschaltet. Uns blieb dann keine andere Wahl, als den Trainer sofort zu suspendieren. Das war noch, bevor der Fall überhaupt publik wurde“, betont Franke, der aktuell auch selbst Trainer einer B-Jugend-Mannschaft ist.

Für einen Verein gibt es kaum eine schlimmere Nachricht als das mutmaßliche Vergehen von Thomas B. „Wir bedauern den ganzen Fall und ärgern uns sehr darüber. Es ist in unserem Verein noch nie etwas Vergleichbares passiert.“

Der Weltmeister und seine Mutter: Als Jugendlicher kickte Philipp Lahm (31) beim FT Gern, Daniela Lahm ist Jugendkoordinatorin im Verein.

Nichts habe darauf hingedeutet, dass Thomas B. zudringlich gegenüber seinen Nachwuchsspielern werden könnte oder ihnen jemals Drogen oder harten Alkohol angeboten habe. Zudem war der Versicherungskaufmann als Trainer mit seiner B-Jugend auch sportlich recht erfolgreich. „Da man nicht mit so einem schwerwiegenden Verhalten rechnet, kann man leider auch vorher wenig dagegen tun“, stellt Franke heraus.

Der Fall, der heute vor dem Amtsgericht verhandelt wird, war dem Verein im Münchner Nordwesten dennoch eine Lehre. Seitdem greift der Präsident durch! „Wir möchten alles dafür tun, dass so etwas nie wieder bei uns vorkommt und verlangen seitdem von allen Betreuern ein erweitertes Führungszeugnis. Das ist keine Frage des Misstrauens. Wir wollen nur sicher gehen.“

60 Trainer arbeiten aktuell beim FT Gern. „Wir schulen sie alle im richtigen Umgang mit Kindern. Da werden alle sensiblen Themen genau angesprochen und es bleibt keine Frage offen. Deshalb distanzieren wir uns ganz klar von dem Ex-Trainer. Es gibt mittlerweile auch keinen Kontakt mehr zu ihm.“

Andreas Thieme

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