Briefzusteller protestieren gegen Sparpläne

Postboten: Wir streiken bis zum bitteren Ende

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Markus Rinderspacher (li., Landtags-SPD) unterstützt die Streikenden.

München - Der Tarifkonflikt bei der Post geht am Montag bereits in die dritte Woche. Hintergrund ist die Auslagerung von 49 regionalen Paketgesellschaften.

Etwa 3000 Sendungen stellte Karsten Schur (40) täglich in Nymphenburg und Neuhausen zu – „aber seit letztem Montag streike ich auch“, sagt er. Bundesweit ging’s schon am 8. Juni los. Seitdem streiken rund 25.000 Postler. In München protestierten gestern wieder zahlreiche Streikende vor dem Briefzentrum in der Arnulfstraße.

Der Tarifkonflikt geht am Montag bereits in die dritte Woche. Hintergrund ist die Auslagerung von 49 regionalen Paketgesellschaften. Die Gewerkschaft Verdi sieht darin einen Bruch bestehender Vereinbarungen mit dem Management. In diesen Unternehmen arbeiten bereits mehr als 6000 Paketboten, die nicht nach dem Haustarif der Post bezahlt werden, sondern nach den niedrigeren Tarifen der Logistikbranche. Für Verdi ein Unding.

Auch der Fraktionsvorsitzende der Landtags-SPD, Markus Rinderspacher, schaute erneut bei der Streikwache in der Arnulfstraße vorbei. Schon bei der Demo am 11. Juni hatte er den Protest-Postlern Mut zugesprochen.

Wie lange der unbefristete Streik gehen soll, darüber sind sich die Briefzusteller in München einig: „Wir streiken bis zum bitteren Ende!“ Die tz hörte sich bei den Postlern um:

Auch bis Weihnachten

Christian Jakob (39), Briefzusteller in der Isarvorstadt: "Seit zwei Wochen streike ich für höhere Löhne, eine Verkürzung der Arbeitszeit und weil die Gründung dieser 49 Paketgesellschaften für mich rechtswidrig ist. Normalerweise trage ich zwischen 3000 und 4000 Sendungen pro Tag aus. Ich hätte kein Problem, bis Weihnachten zu streiken! Wir wollen eine vernünftige Lösung."

Wir leisten harte Arbeit

Peggy Hansen (26), Briefzustellerin im Arabellapark: "Ich glaube, dass andere Streikende ernster genommen werden. Vielleicht, weil die Leute nicht sehen, was wir täglich auf der Straße leisten, ob bei Hitze oder Blitzeis – und dabei verdiene ich 1300 Euro netto."

Kunden-Echo ist positiv

Karsten Schur (40), ­Briefzusteller in Nymphenburg: "Aus Solidarität zu den Paketzustellern streike ich seit letzten Montag – so lange, bis verhandelt wird. Das wünsche ich mir täglich! Natürlich tun mir die Kunden leid, aber wir bekommen ein positives Echo."

Alle sollten streiken

Zahide Uzer (40), Briefsortiererin in der Arnulfstraße: "Es müssten alle Kollegen streiken, aber viele können sich das im teuren München nicht leisten, man bekommt ja weniger Lohn. Ich verdiene 1400 Euro netto und streike seit 9. Juni. Ich mache mit, bis wir gewonnen haben!"

mw

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