Festnahme nach zwei Warnschüssen!

Opfer zur tz: Der Räuber überfiel mich an der Haustür

+
Die Polizisten nehmen den Täter nach der Attacke auf  einer irren Verfolgungsjagd durch Neuhausen fest. Karina B. bekam die 200 Euro, die der Räuber mitgenommen hatte, wieder zurück.

München - Zwei Schüsse zerreißen die Nacht – und Schreie. Wenig später geht ein junger Mann zu Boden, mehrere Polizisten umringen ihn. Die tz dokumentiert die wilde Räuberjagd vom Leonrodplatz zur Landshuter Allee!

Der fremde Mann will einfach nicht abhauen. Schon in der Tram setzt er sich neben sie, rutscht ganz nah heran, starrt ihr in die Augen. Karina B. (Name geändert) bleibt ruhig, sagt nur: „Schleich Dich!“ Am Leonrodplatz steigt die 25-Jährige aus. Doch der Fremde folgt ihr.

In der tz schildert Karina ihr Horror-Erlebnis vom Dienstagabend. Sie ist an der Haustür überfallen und ausgeraubt worden – von einem Afghanen (20), der wenig später erst nach einer wilden Verfolgungsjagd von der Polizei festgenommen werden konnte. Trotz zweier Warnschüsse!

Die Reiseverkehrskauffrau war zuvor mit Freunden in der Stadt unterwegs. Vom Hauptbahnhof nahm sie die Tram nach Hause. Die restlichen 400 Meter bis zu ihrer Wohnung will sie zu Fuß gehen. Es ist 23.40 Uhr. Sie bemerkt, dass er ihr folgt, geht schneller. „Plötzlich rief er meinen Namen! Woher bitte kannte er den?“, fragt sich die Münchnerin auch noch am Tag danach.

Eine Nachbarin kommt vorbei, fragt, ob alles in Ordnung sei. Karina B. schickt sie weg. Kurz vor ihrer Haustür versucht es der Fremde wieder. „Plötzlich griff er mir in die Handtasche. Er wollte sich den Geldbeutel schnappen!“ Karina B. wehrt sich. „Er war klein und schmächtig, es kam zur Rangelei, plötzlich lagen wir auf dem Boden!“ Immer wieder ruft sie um Hilfe. Schließlich gelingt es dem Täter, ihr die Geldbörse mit 200 Euro in bar zu entreißen. Dann haut er ab. „Dann liefen auch schon Nachbarn auf die Straße und halfen mir auf“, erinnert sich die 25-Jährige. Die Polizei ist da schon alarmiert, die Fahndung wird sofort eingeleitet. An der Ecke Leonrod-/Albrechtstraße fällt zwei Polizisten ein Mann auf. Er passt exakt auf die Beschreibung. Sie steigen aus, geben sich als Polizisten zu erkennen. Wieder flieht der junge Mann, diesmal Richtung Norden, die Albrechtstraße entlang.

Nach etwa 150 Metern stoppt der Räuber. Seinen Verfolgern droht er mit einem Gegenstand, macht hektische Stich- und Schneidebewegungen. Auf Deutsch und Englisch fordern die Polizisten ihn auf, stehen zu bleiben, sich hinzulegen. Andernfalls werde geschossen. Doch der Mann rennt weiter.

Wo Albrecht- und Rüthlingstraße zusammenlaufen, bleibt er stehen, fuchtelt wieder in Richtung der Beamten. Einer der Polizisten zieht seine Waffe – und feuert zwei Schüsse ab. „Es bestand zu keinem Zeitpunkt ein Risiko für Dritte“, sagt ein Polizeisprecher später. Der Beamte hat in das weiche Gras eines Grünstreifens geschossen.

Die irre Verfolgungsjagd endet wenige Augenblicke später in der Leonradstraße, an der Kreuzung Landshuter Allee/Jutastraße. Zwischen 23.50 Uhr und Mitternacht wird der Täter trotz heftigen Widerstands überwältigt. „Der Schock der Festnahme hat bei ihm wohl Kreislaufprobleme verursacht. Er wurde ins Krankenhaus eingeliefert“, so die Polizei. Der Gegenstand, mit dem der Räuber die Polizisten bedroht haben soll, wurde bis gestern Abend nicht gefunden.

Karina B. geht es wieder gut – fassungslos ist sie aber noch immer: „Ich habe ein Jahr in Harlem gewohnt, einem berüchtigten New Yorker Stadtteil. Aber überfallen werde ich im ruhigen Neuhausen!“

Er verfolgte das Drama

Durch die Schüsse aufgeschreckt: Anwohner Andreas M. dachte zuerst, es handele sich um einen Scherz.

Die ruhige Nacht hat gestern für die Anwohner der Albrechtstraße ein abruptes Ende gefunden. Auch Andreas M. erlebte die aufregenden Momente hautnah mit: „Ich bin durch das Geschrei draußen aufmerksam geworden. Sie riefen immer ,Halt! Stopp!‘ und ,Stehen bleiben!‘“ Der Anwohner ging zunächst nur von einem makabren Scherz aus. Als die Polizei kurze Zeit später jedoch die Straßen absperrte, wurde ihm bewusst, dass die Situation wirklich ernst war. Zu nonstopnews sagte Andreas M.: „Im Nachhinein war es schon beängstigend, als ich erfahren habe, was passiert war. In der Nacht gab es ja kaum Informationen.“

tz-Stichwort: Warnschuss

Zwei Mal schoss der Beamte – in eine Grünfläche. Das nennt man Warnschuss. Der Schusswaffengebrauch durch Polizeibeamte ist in Bayern durch das Polizeiaufgabengesetz (PAG) geregelt. Der Warnschuss wird selten eingesetzt, ist die ultima ratio. Im Jahr 2015 standen in München laut Polizei bislang keine Warnschüsse zu Buche.

Daniel Neuberger, Tobias Scharnagl

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

So will die Stadt das Feiervolk bremsen
So will die Stadt das Feiervolk bremsen
MVG-Offensive: So soll der Nahverkehr besser werden
MVG-Offensive: So soll der Nahverkehr besser werden
Bus-Streik in München: Das erwartet Fahrgäste am Dienstag
Bus-Streik in München: Das erwartet Fahrgäste am Dienstag

Kommentare