Nach Sturz in der Wohnung

Rentnerin klagt an: Retter ließen mich mit gebrochener Hüfte zurück

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Bereits vor ihrem Sturz war Rentnerin Erika Bauer auf ihren Rollator angewiesen. Die 75-Jährige leidet an Osteoporose.

Erika Bauer ist 75 Jahre alt. Aufgrund ihrer Gleichgewichtsstörungen stürzte die Rentnerin vor etwa vier Wochen in ihrer Neuhauser Wohnung und brach sich die Hüfte. Der Arbeiter-Samariter-Bund soll den Bruch nicht erkannt haben. Jetzt will das Ehepaar vor Gericht ziehen.

Es ist der 21. Juli um elf Uhr abends, als sich Erika Bauer in ihrem Bett aufrichtet, aufsteht und Richtung Wohnzimmer marschiert. Auch an diesem Abend wird der 75-Jährigen plötzlich schwindlig, sie stürzt und kracht mit der Hüfte auf ihren Rollator. Weil die Seniorin grässliche Schmerzen hat, verständigt ihr Ehemann den Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). Diagnose der beiden Sanitäter: Prellung des linken Knies. Als die Schmerzen der Rentnerin über Nacht aber nicht abklingen, erkundigt sie sich am nächsten Morgen bei ihrem Hausarzt. Der schickt gleich einen Rettungstrupp vorbei, dessen Diagnose lautet: Prellungen, Platzwunde, gebrochene Hüfte! Erika Bauer kommt sofort ins Krankenhaus und wird noch an demselben Tag operiert.

„Mir ist das Verhalten der Sanitäter noch immer ein Rätsel – eine Frechheit! Der Fuß meiner Frau war blau wie eine Zwetschge. Wie kann man jemanden in so einem Zustand nur alleine lassen“, schimpft Ehemann Erwin Bauer (73). Nach Angaben des Rentners leidet seine Frau seit Jahren an Osteoporose. „Da braucht’s nicht viel, dass die Knochen splittern“. Aufgrund ihrer Krankheit besitzt Erika Bauer bereits einen Schwerbehindertenausweis.

Sanitäter nahmen die Rentnerin offenbar nicht ernst

Was die Eheleute aus Neuhausen besonders ärgert: Dass sich die Sanitäter vom ASB „höchstens eine Viertelstunde Zeit genommen haben“, wie Erwin Bauer sagt. „Die haben regelrecht versucht, uns auszureden, zur Sicherheit noch einmal ins Krankenhaus zu fahren“, erinnert sich seine Frau. Die Ärzte könnten ihr schließlich auch keine andere Auskunft geben, soll die Begründung der Sanitäter gelautet haben.

Für Klaus Kollenberger (58), Geschäftsführer des ASB, klingen die Ausführungen der Bauers so gar nicht nach seinen Mitarbeitern. Normalerweise seien seine Leute „äußerst zuverlässig“, sagt er. Natürlich könne er nicht ausschließen, dass zwischendurch auch mal etwas schiefläuft. In solchen Fällen sei sich der ASB aber „auf keinen Fall zu schade, sich in aller Form bei seinen Patienten zu entschuldigen“. Für Erwin Bauer und seine Frau ist die Entschuldigung des ASB-Geschäftsführers „nur ein schwacher Trost“.

Die Eheleute wollen nun klagen

„Ich erinnere mich noch gut an eine Zeit, in der wir uns auf unsere Rente gefreut haben“, erzählt der 73-Jährige. „Wir wollten Reisen, die Welt erkunden, unser Leben genießen“ – so der Plan. Die Realität fesselt Erika Bauer nun an ihre Wohnung an der Landshuter Allee. Die einzige Reise, die die Rentnerin momentan unternehmen kann, ist der Weg in die Küche.

Schon in der Vergangenheit hat es Erika Bauer nicht leicht gehabt. Seit sie vor etwa dreieinhalb Jahren in ihrer Wohnung gestürzt war und sich dabei die rechte Schulter zertrümmert hatte, hat die Rentnerin mit Gleichgewichtsstörungen zu kämpfen. Angeblich haben ihr die Ärzte damals „eine falsche Prothese“ eingesetzt. „Das schwere Metall in meinem Arm führt dazu, dass ich nach hinten kippe – so wie am 21. Juli.“

Erwin Bauer hat seiner Erika vor 49 Jahren versprochen, in guten wie in schlechten Zeiten zu ihr zu halten. „Und genau das mach’ ich jetzt.“ Auch vor Gericht: Die Eheleute wollen jetzt klagen. 

Das sagt der ASB-Chef

Klaus Kollenberger (58) kann sich „beim besten Willen nicht erklären“, was im Fall Erika Bauer schiefgelaufen ist. „Ich weiß nur, dass zwei meiner zuverlässigsten Mitarbeiter vor Ort waren und ein ausführliches Protokoll erstellt haben.“ Sollte an dem besagten Abend tatsächlich etwas schiefgelaufen sein, „müssen wir dafür natürlich geradestehen“. Die bisherigen Entschuldigungsversuche des ASB (drei an der Zahl) seien allerdings alle „vergeblich gewesen“.

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