350. Jahrestag

Fertig renoviert: Schloss Nymphenburg feiert Jubiläum

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Markus Söder mit zwei Darstellern in historischen Kostümen vor dem frisch renovierten Schloss Nymphenburg.

München - Ein Zeugnis herrschaftlicher Architektur und Gartenbaukunst von Weltrang hat Geburtstag: Schloss Nymphenburg wird 350 Jahre alt und feiert das mit einem großen Bürgerfest und frisch renovierten Räumen.

„Die Wittelsbacher haben für Bayern eine überragende, prägende Bedeutung“, sagte Finanzminister Markus Söder am Montag bei einer Pressekonferenz im Steinernen Saal des Schlosses. Und nirgendwo sind die Münchnerinnen und Münchner diesem Adelshaus näher als in Schloss Nymphenburg. Hier wurde der Märchenkönig Ludwig II. geboren, hier verbrachte er die ersten Jahre seiner Kindheit. Hier ist auch die berühmte Schönheitengalerie seines Großvaters Ludwig I. zu sehen, die ursprünglich gar nicht für Nymphenburg konzipiert war. Herzog Franz von Bayern, das amtierende Oberhaupt des Hauses Wittelsbach, residiert in einem Teil des Südflügels.

Während die Residenz in der Innenstadt eher für Macht und Regierung steht, war die Sommerresidenz in Nymphenburg über Generationen hinweg der Kumulationspunkt der herrschenden Familie. Von Mai bis September zog es die Wittelsbacher samt Hofstaat hinaus in dieses Schloss, das damals noch weit vor den Toren der Stadt lag. Jede Generation hinterließ hier durch Um- oder Anbauten ihre Spuren.

Den Anfang machte Kurfürst Ferdinand Maria von Bayern (1651-1679): Anlässlich der Geburt des Kurprinzen Max Emanuel schenkte er seiner Gemahlin Henriette Adelaide von Savoyen die Schwaige Kemnath, wo von 1664 an der heutige Mittelbau entstand. In mehreren Bauphasen wuchs daraus die heutige Schlossanlage heran, die anders als die Residenz von den Bombardements im Zweiten Weltkrieg verschont blieb.

Rund 300 000 Besucher besuchen Jahr für Jahr die prachtvolle Sommerresidenz, und der ausgedehnte Park mit seinen malerischen Burgen und Wasserflächen zählt zu den wertvollsten Naherholungsflächen in der Stadt.

Dieses Erbe zu erhalten, sieht Finanz- und Heimatminister Söder als große Aufgabe. Seit 2006 läuft ein Sanierungsprogramm. 17 Millionen Euro sind bereits investiert worden, und pünktlich zum Jubiläum ist die 1,5 Millionen Euro teure Restaurierung des Nördlichen Appartements vollendet worden. Die Gemälde strahlen in neuer Leuchtkraft, im Vorzimmer ist ein Prunktisch zu bewundern, den Kurfürst Max Emanuel (1662 - 1726) einst als Geschenk aus dem reichen Florenz erhielt. „Das ist das älteste erhaltene Möbelstück aus Schloss Nymphenburg“, sagte Söder und bewunderte die Tischplatte aus schwarzem Marmor und Halbedelsteinen. Die Wandbespannung ist, ebenso wie im angrenzenden Schlafzimmer, so rekonstruiert, wie sie zu Max Emanuels Zeit war. Kleine „Zeitfenster“ geben einen Eindruck davon, wie die Räume in anderen Epochen ausgesehen haben.

Dass auch große Staatsmänner mitunter Geborgenheit im Kleinen suchten, zeigt das angrenzende Schreibzimmer, in das sich Kurfürst Max III. Joseph (1727 - 1777) gern zurückzog. Ein kleiner, lichter Raum mit edlem, aber keineswegs pompösem Mobiliar. Womöglich sind hier wegweisende Ideen entstanden, von der Einführung der Kartoffel in Bayern bis zur Gründung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der allgemeinen Schulpflicht.

Mit einem neuen musealen Konzept hofft die Bayerische Schlösserverwaltung, auch jene Münchner, die vor allem den Park im Blick haben, für das Interieur des Schlosses zu interessieren. Denn die Bürger der Stadt seien als Multiplikatoren auch für den Zustrom auswärtiger Besucher wichtig.

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Auch die Schönheiten und Sehenswürdigkeiten der 200 Hektar großen Parkanlage werden den Besuchern jetzt auf ganz neue Weise näher gebracht: Als „bundesweit einmalig“ bewarb Söder die Smartphone-App zum Schlosspark Nymphenburg. Unter dem Titel „Lustwandeln im Garten“ macht das für Android und iPhone erhältliche Programm das Handy zum Führer. 23 Stationen, drei Tourenvorschläge, erklärende Texte und Audiodateien, Experteninterviews und sehenswerte Kameraflüge machen Lust darauf, den Park mit seinen Wegen, Burgen und Wasserläufen zu erkunden. Auf Wunsch weist das Handy dabei per GPS den Weg.

Am Freitag, 12. September, lädt Söder die Bevölkerung zur großen Geburtstagsfeier ein. Anlässlich des Baubeginns vor 350 Jahren gibt es von 12 bis 22 Uhr Führungen, Expertengespräche, Tänze in historischen Kostümen und sogar Gondelfahrten auf dem Schlosskanal – und das alles bei freiem Eintritt.

Jubiläumsfest am Freitag, 12. September: Das Programm

Eintritt und Veranstaltungen sind an diesem Tag kostenlos. Schloss und Marstallmuseum sind von 9 bis 22 Uhr, das Eiserne Haus bis 18 Uhr geöffnet.

Im Nördlichen Appartement erläutern Experten in „offenen Gesprächen“ die Restaurierung. Dauer 45 Minuten, Beginn 14, 14.45, 15.30, 16.15 Uhr.

Im Hauptschloss beantworten „Cicerones“ Fragen über Schloss Nymphenburg und geben kurze Einführungen. Beginn fortlaufend zwischen 12.30 und 18 Uhr, Treffpunkt: Festsaal.

Gondelfahrten auf dem Mittelkanal gibt es zwischen 13.30 und 19 Uhr im 15-Minuten-Takt. Dauer rund 30 Minuten. Treffpunkt am Anleger, wo kostenlose Teilnehmerkarten ausgegeben werden.

Kurzführungen im Schlosspark beleuchten „Kanalfahrten – Höfisches Vergnügen vor 300 Jahren“. 13.30 bis 18 Uhr alle 30 Minuten, Treffpunkt Gondelanleger.

Tänze des Barock in Historischen Kostümen, auch zum Mitmachen: 18 und 20.30 Uhr, Festsaal.

Musikführung mit dem Ensemble TriFoglio: „Die galante Welt des 17. und 18. Jahrhunderts.“ 19 Uhr, Dauer 60 Minuten, Festsaal im Hauptschloss.

Führungen (Treffpunkt Infostand Museumsladen, es werden Teilnehmerkarten ausgegeben, Kinderführungen und nach telefonischer Anmeldung unter 089 / 179 08-444):

Parkführung 13.30, 14.30, 15.30 und 16.30 Uhr

Amalienburg 12.30 und 14.15 Uhr, 16 Uhr Kinderführung – Pagodenburg 13 und 15 Uhr –

Badenburg 13.15, 15.15 und 16.45 Uhr – Schlosskirche 12.45 und 17 Uhr – Dachstuhl Hauptschloss (Trittsicherheit erforderlich) 13.45 und 15.45 Uhr – Eisernes Haus 14 Uhr – Magdalenenklause 14.45 Uhr – Hexenhäuschen 17.15 Uhr – Brunnhaus 17.30 Uhr.

Marstallmuseum: 16.15 und 18.15 Uhr Kutschen, 17.30 Uhr Kinderführung, 17.45 Uhr Porzellan 18. Jahrhundert, 18.45 Uhr Porzellan 19. Jahrhundert, 20 Uhr Porzellangemälde

Peter T. Schmidt

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