300-Millionen-Euro-Projekt

Spatenstich für neues Münchner Strafjustizzentrum

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Viele Fenster, viele Bäume: So soll das neue Strafjustizzentrum am Leonrodplatz aussehen.

München - Mit dem ersten Spatenstich haben Justizminister Winfried Bausback und Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) den Bau des Münchner Strafjustizzentrums gestartet.

Offizielle Spatenstiche waren nicht immer die Sache von Joachim Herrmann (CSU). Vor drei Jahren etwa hatte sich Bayerns Innenminister im Baggern versucht – und war prompt mit dem Gerät umgekippt. So war es dem 59-Jährigen auch ein Bedürfnis, die Besucher beim Spatenstich für das neue Münchner Justizzentrum zu beruhigen. „Ich bin heute ohne Bagger gekommen. Sie müssen sich also keine Sorgen machen.“

Am Leonrodplatz entsteht das neue Strafjustizzentrum. Für 300 Millionen Euro wird auf 39.000 Quadratmetern ein Gebäudekomplex errichtet, der 1300 Mitarbeitern Platz bieten soll. Dort werden alle sieben Münchner Strafjustizbehörden zusammengefasst. Durch die bisherige Aufsplittung von Gerichten und Staatsanwaltschaft war es häufig zu einem unnötigen Mehraufwand gekommen, sagte der Präsident des Oberlandesgerichtes, Peter Küspert. Das soll sich durch kurze Wege ändern.

Das bisherige Strafjustizzentrum an der Nymphenburger Straße nahe dem Stiglmaierplatz ist völlig marode und nicht mehr zu sanieren. „Eine Sanierung wäre teurer als ein Neubau“, sagte eine Sprecherin des Innenministeriums. „Auch Schönheitsreparaturen wurden bereits zurückgefahren.“ Der 70er-Jahre-Bau ist bereits – sowohl bei Sitzungssälen als auch Büroräumen – an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen. Das zeigte zum Beispiel der NSU-Prozess. Das Gebäude soll verkauft werden. Übernimmt es etwa die Stadt, könnten dort beispielsweise Wohnungen entstehen. Im neuen Zentrum der Justiz in Neuhausen sind 54 Sitzungssäle geplant, darunter der „größte Sitzungssaal in ganz Deutschland“, sagte Winfried Bausback. Er ist mit rund 300 Quadratmetern größer als A 101, in dem das NSU-Verfahren verhandelt wird, und auch größer als der Hochsicherheitssaal im Gefängnis Stadelheim, der Anfang 2016 für erste Prozesse dienen soll.

Der Neubau soll aber nicht nur physikalisch stark dastehen – er soll auch das Vertrauen der Bürger in die Justiz stärken. Das sei gerade vor dem aktuellen Hintergrund sehr wichtig. „Es ist das größte Bauvorhaben der bayerischen Justiz in den vergangenen Jahren“, sagte Bausback. Und Herrmann ergänzte: „Es ist mit Abstand das größte Hochbauvorhaben im Freistaat.“

Das bedeutet Herausforderungen – auch für die Münchner Verkehrsgesellschaft. Der Leonrodplatz wird vom Stadtzentrum aus mit den Linien 20 und 21 erschlossen. Die gelten ohnehin als sehr stark frequentiert. Wegen der Hochschule, aber auch wegen des neuen Justizzentrums hat die MVG neue Trambahnen gekauft. Die sind länger als die alten und können somit pro Zug 40 Menschen mehr aufnehmen, 260 insgesamt. Eingesetzt werden sollen die neuen Trambahnen ab 2017. Das Justizzentrum soll 2021 eröffnet werden. „Man kann sich drauf freuen“, sagte Herrmann. Er hofft, dass die Bauarbeiten reibungslos vonstatten gehen – und unfallfrei.

Das Gebäude entsteht nach dem Entwurf des Architektenbüros „Plan2“ Frick Krüger Nusser. Wie berichtet, wird das Mammut-Projekt überschattet von Drohungen Linksradikaler gegen die ausführenden Architekten. Die anarchistischen Gruppen lehnen den Neubau ab, denn dieser könnte ihrer Ansicht nach „zu einer Ausweitung der Kontrolle und erleichtertem Verurteilen“ führen.

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