Tunnel und Häuser statt Automassen

Spektakulärer Plan für Landshuter "Wohn-Allee"

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149 000 Autos am Tag zerschneiden die Landshuter Allee – sie sollen im Tunnel verschwinden.

München - Weg mit den Autos, weg mit Lärm und Dreck – her mit mehr Wohnungen! Über einen Tunnel an der Landshuter Allee denkt die Stadt schon lange nach, jetzt legen die Projektentwickler und Brüder Rolf und Bodo Rossius einen Plan vor:

Rolf Rossius (69) hatte die Wohn-Allee-Idee.

Die Straße wird tiefergelegt, Deckel drauf und 1130 Wohnungen werden gebaut. Aus dem Mittleren Ring in Neuhausen soll eine Landshuter Wohn-Allee werden! Für Rolf Rossius (69) ist es ein Herzensprojekt: „Mein Bruder und ich sind dort aufgewachsen und gingen in die Winthirschule.“ Im Haus der Urgroßmutter in der Landshuter Allee 21 haben sie gelebt. „Da war es eine wunderschöne Allee mit acht Baumreihen. Heute ist die Straße eine Sünde. Und Sünden soll man durch Taten wiedergutmachen.“

Projektentwickler wischt Bedenken beiseite

So stellen sich die Gebrüder Rossius ihr Konzept vor.

Darum legen die Gebrüder eine Machbarkeitsstudie vor: Der Mittlere Ring könnte in fünf Jahren zwischen Arnulf- und Dachauer Straße auf 1500 Metern Länge eingehaust werden. Darauf könnten lange Häuserzeilen mit 1130 Wohnungen und Grünflächen entstehen. Links und rechts der Nymphenburger Straße wollen die Brüder das „Neuhauser Tor“ bauen – zwei 45 Meter hohe Türme mit je 75 Wohnungen, die per Brücke verbunden sind!

Statikprobleme sieht Rossius nicht: „Diese Argumentation ist nur ein Nichtwollen.“ Für 80 Millionen Euro sei der Bau möglich – bei später normalen Mieten. „So geben wir dem Stadtteil seine Identität zurück.“

Unterschiedliche Kosten-Berechnungen

Stadtbaurätin Elisabeth Merk will den Vorschlag prüfen, hält ihn aber für unrealistisch. Das Problem sei die Fläche: „Wir haben gar nicht so viel Platz.“ Schließlich sollen die Häuser noch von zwei Straßen umfasst werden. „Auch die Kalkulation halte ich für nicht seriös.“ Ihre Verwaltung war Ende 2013 auf Kosten von einer halben Milliarde Euro gekommen!

CSU-Kandidat Josef Schmid hatte im Wahlkampf mit überbauten Tunnels geworben – etwa an der A96 – und sieht sich bestätigt: „Meine Vision ist keine unbezahlbare Utopie, sondern greifbare und sogar finanzierbare Realität.“ OB Dieter Reiter (SPD) hatte sich offen gezeigt. Die Grünen fürchten, dass Röhren mehr den Autos als den Menschen nutzen. Bringt die Idee am Mittwoch den Durchbruch bei den Koalitionsverhandlungen?

Was sagen die Betroffenen?

Super für den Kiosk!

"Letztendlich wäre das wahrscheinlich ein ähnliches Projekt wie Stuttgart 21. Kostet mehr und dauert länger als ursprünglich geplant. Für meinen Kiosk am Platz der Freiheit wären neue Wohnungen natürlich super. Dann kaufen noch mehr Menschen bei mir ein."

Georg Walter (50), Kioskbesitzer aus Penzberg

Mit Kind im Park

"Für unsere Gesundheit wäre das super. Die Landshuter Allee ist schließlich eine der meistbefahrenen Straßen Europas. Als schwangere Frau würde ich mich über Parkanlagen zum Spielen freuen."

Yeliz Kilic (30), ­Fachkosmetikerin aus München

Besser leben

"Momentan komme ich kaum von einer Straßenseite auf die andere. Das Bauprojekt ist nur sinnvoll, wenn es Rentnern wie mir das ­Leben erleichtert. Dann ist mir auch der Baulärm egal."

Walter Zierler (70), Rentner aus München

David Costanzo

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