Schuld sind Diesel-Autos

Weiterhin Stinker-Alarm an der Landshuter Allee

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Hier herrscht dicke Luft.

München - An der Landshuter Allee herrscht weiterhin dicke Luft. Das geht aus den neuesten Messwerten des Umweltbundesamtes (UBA) hervor.

Seit geraumer Zeit wird in München über Diesel-Fahrverbote diskutiert. Die Große Rathaus-Koalition aus SPD und CSU hält davon aber nichts. UBA-Präsidentin Maria Krautzberger sagte am Dienstag: „Seit Jahrzehnten gefährdet Stickstoffdioxid unsere Gesundheit.“ Dass Kommunen besonders schmutzige Diesel weiter nicht aus den Innenstädten verbannen, könne nicht akzeptiert werden. An der Landshuter Allee ist bundesweit die zweithöchste Stickstoffdioxid-Belastung. Nur an einem Messpunkt in Stuttgart ergaben sich höhere Werte. Der Stadtrat hatte Ende 2015 die Untertunnelung der Landshuter Allee zwischen Arnulfstraße und Dachauer Straße beschlossen. Die Eröffnung des Tunnels dürfte angesichts der langen Planungs- und Genehmigungsphase jedoch nicht vor 2025 zu erwarten sein.

Im langjährigen Trend sind die Schadstoffwerte in München rückläufig. 2010 ermittelte das UBA an der Landshuter Allee noch 99 Mikrogramm pro Kubikmeter, 2015 waren es 84. Auch am ebenfalls belasteten Stachus ging der Wert binnen eines Jahres von 64 auf 56 Mikrogramm pro Kubikmeter zurück. Bei den anderen drei Messstellen im Stadtgebiet blieben die Werte unverändert gegenüber dem Jahr 2015 und weiterhin unterhalb des EU-Grenzwertes. So betrug die Stickstoffdioxid-Belastung an der Lothstraße 33 Mikrogramm pro Kubikmeter, in Allach 26 und in Johanneskirchen 22.

Besser als beim Stickstoffdioxid sah es 2016 in Sachen Feinstaubbelastung aus. An 15 Tagen lag der Wert an der Landshuter Allee über dem Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter. Erlaubt sind bis zu 35 Tage. Grund zur Entwarnung gebe es aber auch da nicht, hieß es vom UBA – obschon die Feinstaubwerte 2016 so niedrig waren wie seit 2000 nicht mehr. Hohe Konzentrationen von Feinstaub und Stickstoffdioxiden können zu Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Der Jahresmittelwert beim Feinstaub reduzierte sich an der Landshuter Allee von 27 auf 25 Mikrogramm pro Kubikmeter, am Stachus von 24 auf 22.

„Totalversagen dieser Bundesregierung“

Nach Meinung der Deutschen Umwelthilfe dokumentieren die Messdaten des UBA „das Totalversagen dieser Bundesregierung in der Luftreinhaltepolitik“. Trotz des Diesel-Abgasskandals diktiere die Autoindustrie der Politik weiterhin, was zu tun sei, und setze sich gegen wirksame Maßnahmen für Luftreinhaltung und Diesel-Fahrverbote ein, sagt Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.

Die Deutsche Umwelthilfe möchte München auf dem Gerichtsweg dazu bringen, Maßnahmen zur Einhaltung des Luftreinhalteplans zu ergreifen. Die Verhandlung findet Mitte Februar vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof statt. Die Umwelthilfe verweist darauf, dass etwa in der norwegischen Hauptstadt Oslo und im Schweizer Kanton Tessin die Behörden wegen hohen NO2-Werten kurzfristig Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge verhängten und die Bürger zur kostenlosen Nutzung von Bussen und Bahnen einluden. Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace und BUND forderten Sofortmaßnahmen wie die Einführung einer blauen Plakette. Kommunen könnten dann nur schadstoffarme Autos in bestimmte Bereiche einfahren lassen und ältere Diesel aussperren. Auch Münchens Umweltreferentin Stephanie Jacobs befürwortet eine blaue Plakette, deren Einführung aber der Bund regeln müsse. „Sie hat den Vorteil, dass mit Übergangsfristen und Ausnahmeregelungen eine verhältnismäßige und nachhaltige Lösung umgesetzt werden kann.“

Stickstoffbelastung bleibt Problem in Bayerns Städten

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