Platz der Freiheit

Streit um Denkmal für Widerstands-Kämpfer: „Ich baue es nicht ab“

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Kein Verständnis für die Entscheidung der Stadt: Künstler Wolfram Kastner protestierte am Freitag für den Erhalt seiner Gedenk-Insta llation am Platz der Freiheit.

Der Kulturausschuss hat beschlossen, dass die Gedenk-Installation am Platz der Freiheit nach zwei Jahren weg muss – der Künstler ist empört.

München - Das Gedenken an Münchner Akteure des Widerstands im Nationalsozialismus ist wichtig – doch es kann ein Verfallsdatum tragen. Die Stelen am Platz der Freiheit in Neuhausen, die an 13 Münchner Widerstandskämpfer erinnern, dürfen dort nur noch zwei Jahre stehen bleiben. Dann müssen sie abgebaut werden. Das hat der städtische Kulturausschuss in seiner Sitzung am Donnerstag einstimmig beschlossen.

Der Künstler Wolfram Kastner hatte gemeinsam mit einer Arbeitsgruppe die Stelen im vergangenen Jahr dort aufgestellt. Jede der 13 Säulen zeigt einen Münchner, der während der NS-Zeit Widerstand gegen das Regime leistete. Sie alle bezahlten für ihren Einsatz – einige mit dem Leben. Neben einem Porträt werden ihre Geschichten seit Juli 2016 am Platz der Freiheit erzählt. Sie stehen damit in direkter Nähe zu einem Gedenkstein, der ebenfalls an die Opfer des Widerstands erinnert.

Künstler Kastner kann den Beschluss des Kulturausschusses nicht nachvollziehen. „Ich halte es für unsinnig, die Erinnerung an die Personen des Widerstands zu befristen“, sagt er. „Es geht hier nicht um meine Eitelkeit als Künstler“, betont er vehement. Wichtig sei ihm allein das Gedenken an die Widerstandsjämpfer.

Projekt fand bei den Neuhausern großen Anklag

Das Projekt, das am Anfang nur bis Oktober 2017 stehen sollte und durch das Kulturreferat mit 14 000 Euro gefördert wurde, fand vor allem bei den Neuhausern großen Anklang. Die Neuhauser Bürgerversammlung im November 2016 sprach sich sogar dafür aus, die Installation dauerhaft zu belassen. Dafür hatte Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten und CSU-Landtagsabgeordneter, bereits bei der Einweihung plädiert.

Die Bürgerversammlung begründete ihre Entscheidung damals damit, dass die Stelen viele Passanten zum Stehenbleiben veranlassten – und dazu, sich mit dem Thema Widerstand auseinanderzusetzen. Die Stimmung aus der Bürgerversammlung griff die SPD-Fraktion des Bezirksausschusses (BA) Neuhausen auf und formulierte kurz im Anschluss einen entsprechenden Antrag. Doch das Vorhaben fand im Gremium keine eindeutige Zustimmung und so wurde nur eine Verlängerung auf zwei Jahre beantragt. Ein Antrag, dem der Kulturausschuss nun Folge leistete.

Von Anfang an temporäres Projekt

Für das Kulturreferat ein ganz natürlicher Schritt. Denn die Installation von Kastner war von Anfang an als temporäres Projekt angelegt und auch genehmigt. „Für eine dauerhafte Installation gibt es ein vorgegebenes Verfahren“, erklärt eine Sprecherin des Kulturreferats. Dafür müsse ein Wettbewerb ausgeschrieben werden, der auch weiteren Künstlern die Möglichkeit gibt, sich mit ihren Ideen zu bewerben. Auch gebe es „unterschiedliche Formen von Freiheit“, weswegen man sich nicht ausschließlich auf die NS-Zeit beschränken wolle.

Nach den zwei Jahren soll es am Platz der Freiheit wechselnde Kunstinterventionen zum Thema „Freiheit“ geben. Ein Vorschlag, den die BA-Vorsitzende Anna Hanusch (Grüne) begrüßt. „Ich finde, es ist eine gute Lösung.“ Ob es sich hierbei um weitere temporäre oder vielleicht auch um ein dauerhaftes Projekt handeln soll, will das Kulturreferat nun in Zusammenarbeit mit dem BA prüfen. Wolfram Kastner reicht die Begründung nicht. Er sagt ganz klar: „Ich baue es nicht ab.“ 

Lesen Sie auch: Widerstandsdenkmal ist plötzlich Nazi-Altar - Münchner schockiert

Lisa-Marie Birnbeck

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