Ihre Zwillingsschwester spürte es

So starb die Münchnerin im Schlosskanal

Vom Fußweg an der Südlichen Auffahrtsallee war die Münchnerin Jutta G. (59) in den Kanal gestürzt.

München - Vor zwei Wochen fand die Polizei die Leiche einer Frau im Nymphenburger Kanal. Nun berichtet ihre Zwillingsschwester von dem schrecklichen Abend.

In der Nacht zu Mittwoch vor zwei Wochen ergriff Helene G. (59) eine unfassbare Kälte: „Ich fror und fror – es hörte nicht mehr auf.“ Erst am nächsten Tag fand die Münchnerin eine Erklärung: Ihre Schwester war in dieser Nacht im kalten Nymphenburger Schlosskanal ertrunken (tz berichtete). Jutta G. hatte, so vermutet es die Polizei, wohl am Abend zuvor das Gleichgewicht verloren und war in das knietiefe Gewässer gestürzt. Niemand hatte das Unglück mitbekommen. Ihre Zwillingsschwester aber schien gespürt zu haben. „Nur helfen konnte ich ihr nicht mehr“, sagt sie mit Tränen in den Augen der tz.

Am Dienstag, 15. Dezember, klagte Jutta G. über ein Unwohlsein. „Sie fühlte sich schwach“, erzählt ihre Zwillingsschwester. Am Abend, so gegen 17.30 Uhr, ging Jutta G. trotzdem zu Fuß von ihrer Wohnung an der Gerner Straße zu ihrer betagten Freundin. „Sie hat diese Dame täglich besucht. Sie wohnt nur ein paar Straßen weiter.“

Der Weg der pensionierten Postbank-Beamtin führte über die Gerner Brücke und dann den Fußweg am Kanal entlang Richtung Nymphenburger Schloss. Nach etwa dreihundert Metern hätte Jutta G. nach links in die Ferdinand-Maria-Straße zu ihrer Bekannten abbiegen müssen. Doch dort kam sie nie an.

Kreislaufkollaps kostete Jutta G. das Leben

Irgendwo auf dem Weg aber muss Jutta G. einen Kreislaufkollaps erlitten haben. Sie geriet ins Straucheln, stolperte über das 30 Zentimeter hohe Geländer, das den Gehweg zur Böschung sichert. „Sie ist dann wahrscheinlich runter in den kalten Kanal gestürzt. Sie hatte keine Chance, sich aufzurappeln“, vermutet ihre Schwester.

Als dann gegen 18.30 Uhr die betagte Dame bei Helene G. anrief und sich nach Jutta erkundigte, machte sich die Zwillingsschwester große Sorgen. Sie ging zur Wohnung – weil Jutta aber nicht aufmachte, lief Helene G. den Weg ab, den ihre Schwester gegangen sein musste. „Ich bin an diesem Abend wohl zweimal an meiner Schwester vorbeigelaufen. Doch im Dunkeln habe ich sie einfach nicht gesehen.“ Erst am Mittwochmorgen fand ein Anwohner Jutta G. auf Höhe der Bernabeistraße im Wasser. Sie war da schon die ganze Nacht tot im kalten Kanal getrieben. Die Obduktion ergab, dass die 59-Jährige ertrunken war.

Für ihre Zwillingsschwester Helene bricht eine Welt zusammen. „Auf einen Schlag ändert sich alles“, sagt sie traurig. Sie wollten doch zusammen Weihnachten feiern, Silvester auch. Und dann, in sechs Wochen, wollten die Zwillinge ihren 60. Geburtstag begehen.

Jetzt aber muss Helene G. ohne ihre liebenswerte Schwester durchs Leben gehen. Was bleibt, ist die Dankbarkeit für fast sechs Jahrzehnte, die die Schwestern nahezu unzertrennlich waren. Und die Erinnerung an eine lebensfrohe und reiselustige Frau. „Jutta hatte aber auch ein großes Herz für Menschen. Sie half, wann immer sie konnte.“

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