Frist fürs Kapuzinerhölzl verlängert

Asylansturm: Not-Lager bleibt offen

+
Mittlerweile sind gut 200 Asylbewerber in dem Lager.

München - Eigentlich war das Zeltlager am Kapuzinerhölzl nur als Notlösung gedacht. Nun aber steht fest: Die Asylbewerber werden weiter in der Mini-Zeltstadt leben, weil einfach woanders nirgendwo Platz ist!

Eigentlich war das Zeltlager am Kapuzinerhölzl nur als Notlösung gedacht. Über 150 Flüchtlinge waren am vergangenen Freitag vorübergehend in das Wäldchen hinter der Klinik des Dritten Ordens gebracht worden, weil die Zustände in der Bayernkaserne untragbar geworden waren. Nun aber steht fest: Die Asylbewerber werden weiter in der Mini-Zeltstadt leben, weil einfach woanders nirgendwo Platz ist!

„Wir übernehmen jetzt die Verantwortung für diese Menschen hier“, erklärte am Mittwoch der Abteilungsleiter des Kreisjugendrings, Gerhard Wagner. „Wir werden die Menschen nicht in die Bayernkaserne zurückschicken. Die Stadt hat uns gebeten, sie weiterhin hier zu beherbergen. Das tun wir.“ Zur Erklärung: Der Kreisjugendring betreibt das Zeltlager, das eigentlich für jugendliche reisende gedacht ist.

Die Einrichtung ist dementsprechend spartanisch: Es gibt ein großes Schlaf-Zelt, in dem derzeit gut 160 Flüchtlinge untergebracht sind. Hier steht ein Stockbett neben dem anderen. Trennwände? Fehlanzeige. Für Familien gibt es ein kleineres Zelt, wo Mütter mit ihren Kindern unterkommen können. Daneben ein Essens-Zelt – und die Waschräume. „Wir haben acht Duschen anzubieten“, so Wagner. „Tatsache ist: Unter Katastrophenschutz-Auflagen wäre dieses Lager nicht erlaubt.“

Dennoch sind die Flüchtlinge zufrieden mit ihrer Unterkunft. Besonders da die meisten vorher in der Bayernkaserne waren und teils um Betten kämpfen mussten. Was Wagner besonders ärgert, ist die Gleichgültigkeit der Regierung: „Wir haben am Freitag um 180 Decken gebeten, bekommen haben wir 17“, erzählt er. Desweiteren gibt es keine Hilfe bei der medizinischen Untersuchung der Asylbewerber. „Das machen wir jetzt alles selber, mit Helfern. Ich kann nicht fassen, dass die Regierung von Oberbayern nicht mehr Personal bereitstellt. Jeder Pfadfinderstamm kann das besser organisieren.“ Wie lang sein Lager noch Zuflucht sein kann? „Wahrscheinlich bis Mitte nächster Woche. Dann kommt der kalte Herbst. Dann geht das hier nicht mehr“, beschreibt der Helfer.

Keiner weiß, wie es weitergeht

Über sechs Monate brauchte Omar (23), um aus seiner Heimat Mali in Westafrika bis nach Deutschland zu gelangen. „Ich bin froh, dass ich es hierher geschafft habe“, sagt der junge Mann. „Wir werden in diesem Zeltlager gut behandelt.“ Dennoch kann der Afrikaner keine Nacht schlafen: „Ich mache mir halt dauernd Sorgen, wie es weitergeht. Wir können ja hier nicht bleiben, es geht bald woanders hin. Aber keiner weiß was.“ An die Bayernkaserne, an das Chaos dort, denken Omar und seine Freunde ungern. „Das war schlimm. Viele haben gesagt: Wenn sie gewusst hätten, dass sie in Deutschland so untergebracht werden, hätten sie die gefährliche Flucht nicht unternommen.“

Flüchtlinge könnten bald im Wiesn-Zelt schlafen

A. Geier

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Münchner Hotelbesitzerin in der Türkei: „Die Krise macht uns kaputt“
Münchner Hotelbesitzerin in der Türkei: „Die Krise macht uns kaputt“
MVG-Offensive: So soll der Nahverkehr besser werden
MVG-Offensive: So soll der Nahverkehr besser werden
Bus-Streik in München: Das erwartet Fahrgäste am Dienstag
Bus-Streik in München: Das erwartet Fahrgäste am Dienstag
Miriams Samen-Streit vor Gericht: Jetzt herrscht wohl Gewissheit
Miriams Samen-Streit vor Gericht: Jetzt herrscht wohl Gewissheit

Kommentare