Von München nach Fürstenfeldbruck

Brief braucht für 28 Kilometer sechs Monate

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Irma Gensberger und ihr Brief, der sechs Monate bei der Post weilte, ehe er an sie zurückgesendet wurde. Weil mittlerweile das Porto erhöht worden und ihr Schreiben um zwei Cent zu niedrig frankiert ist.

München - Irma Gensberger wollte eigentlich nur einen Brief von Neuhausen nach Fürstenfeldbruck schicken. Doch ein halbes Jahr später bekam sie ihr Schreiben ungeöffnet zurück - aus einem kuriosen Grund.

Für Menschen wie Irma Gensberger ist das Wort Sorgfalt erfunden worden. Ihr Leben lang schreibt die 86-Jährige Briefe. Jeden Einzelnen wiegt sie mit einer silbernen Waage, denn sie weiß: 20 Gramm sind erlaubt für einen Standardbrief.

Dann dieser Morgen im März: Ein Brief, den die Neuhausenerin vor einem halben Jahr an Freunde geschickt hat, lugt aus ihrem Briefkasten. Von Neuhausen nach Fürstenfeldbruck und zurück – was bitte dauert da sechs Monate?

„Ich dachte: Jetzt werde ich verrückt!“, sagt Irma Gensberger. Damals zweifelt sie: „Habe ich die falsche Adresse? Keine Briefmarke?“ Dann entdeckt sie das Kleingedruckte: „Sehr geehrte Kundin, bei dieser Sendung wurden leider die zulässigen Entgelte, Gewichtsstufen oder Maße nicht eingehalten.“ Ein formaler Fehler? „Mir passiert so was nicht“, sagt sich die Dame, liest weiter: „An dem zu entrichteten Entgeld fehlen: 0,02 €.“ Also: zwei Cent!

Post: „Frau Gensberger hat alles richtig gemacht"

Der Brief trägt einen Poststempel vom 23. September 2014. Da musste ein Standardbrief noch mit 60 Cent frankiert werden – erst zum Jahreswechsel wurde auf 62 Cent erhöht. „Frau Gensberger hat alles richtig gemacht“, sagt Klaus-Dieter Nawrath von der Deutschen Post. „Der Fehler liegt ganz klar bei uns.“ Dass ein Brief länger unterwegs sei, käme mal vor.

„Dass einer aber korrekt frankiert wurde, ein halbes Jahr verschollen ist und dann zum Sender zurückkehrt – das ist neu!“ Das Briefzentrum München bearbeitet am Tag bis zu 4,5 Millionen Sendungen – „da kann ein einzelner Brief schon mal hinter einen Schrank rutschen“, sagt Nawrath.

Nachverfolgen lasse sich die kuriose Reise des Briefes heute nicht mehr. Die Post erklärt’s so: Wahrscheinlich habe ein Mitarbeiter den Brief kürzlich im Briefzentrum wiederentdeckt. Ein Blick auf die Marke, aha, da fehlen zwei Cent – zurück zum Absender!

Ohne auf den Poststempel direkt auf der Marke zu blicken … Irma Gensberger ist froh, dass die Sache geklärt ist. „Der verlorene Brief enthielt Geburtstags-Glückwünsche an ein befreundetes Ehepaar. Die haben sich gewundert, warum ich heuer nicht gratuliert habe!“

Deshalb hat sie den Brief auch postwendend wieder losgeschickt – die Empfänger haben ihn dem Vernehmen nach erhalten. Mit sechsmonatiger Verspätung.  

Tobias Scharnagl

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