Sensationeller Fund

Bei Wohnungsbau: 180 Gräber in Neuhausen entdeckt

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Im 8. Jahrhundert wurde der englische Wanderprediger Winthir in der nach ihm benannten Kirche bestattet. Um das Gotteshaus entstand der Winthirfriedhof, auf dem auch Prominente wie Jörg Hube bestattet sind. Jetzt entdeckte man auf einem Nachbargrundstück 180 vergessene Gräber

München - Sensationelle Endteckung in Neuhausen: Die Stadt findet bei einem Wohnungsbau über 180 Grabstätten aus dem 19. und 20. Jahrhundert.

Seit über 1100 Jahren werden am Winthir-Friedhof Menschen beerdigt. Ein Teil des Friedhofes geriet aber in Vergessenheit. Jetzt stießen Bauarbeiter beim Beginn des 2. Bauabschnittes des Neuhauser Trafos auf ein riesiges Gräberfeld. Für die Archäologen ein Glücksfall, für das Bauprojekt der Stadt bedeutet das eine erneute Verzögerung.

Die Stadt will an der Aldringenstraße 15 geförderte Wohnungen, eine viergruppige Kinderkrippe und ein Bürgerhaus bauen. Die Bauarbeiten hatten schon 2011 begonnen, als Anwohner das Projekt per Klage stoppten. Der Umfang des Projektes „Neuhauser Trafo 2“ wurde reduziert. Als vor drei Wochen die Bauarbeiter die Baugrube aushoben, stießen sie plötzlich auf menschliche Knochen. Die Stadt verständigte das Landesamt für Denkmalpflege, dort ging der für Bodendenmäler zuständige Dr. Jochen Haberstroh zunächst von einem frühmittelalterlichen Friedhof aus: „Wegen der Nähe zum Grab des seligen Winthir aus dem 8. Jahrhundert, das in der Kirche verehrt wird, ist auch mit Gräbern frühmittelalterlicher Zeitstellung zu rechnen.“ Im frühen Mittelalter sei es üblich gewesen, die Toten in der Nähe von Märtyrern oder Heiligen zu bestatten. „Derartige Friedhöfe können daher einen besonderen Umfang annehmen.“

Doch die Archäologen fanden Tote aus dem späten 19. und dem frühen 20. Jahrhundert – insgesamt 180 Gräber. Franz Schröther von der Geschichtswerkstatt Neuhausen erklärt, warum: „Der Winthirfriedhof wurde 1876 auf dieser Fläche erweitert und spätestens 1933 hof wieder aufgelassen, damals riss man das Leichenhaus ab.“ Ab 1898 bestattet man die Neuhauser zunehmend auf dem Westfriedhof, das Grundstück am Winthir-Friedhof wucherte zu.

Die Untersuchungen der dort entdeckten Gebeine zeigen oft krankhafte Veränderungen, die auf schlechte Wundheilung zurückführen sind – Antibiotika gab es damals noch nicht. Und es fanden sich gleichzeitig im Alter von 3 bis 6 Jahren an der gleichen Ursache verstorbene Geschwister. Viele Tote hielten Rosenkränze in der Hand, Kruzifixe, oder Wallfahrtsmedaillen, einer trug einen Arbeitsschuh, einer einen primitiven Zahnersatz.

Für das Bauvorhaben der Stadt bedeuten die Ausgrabungen eine Verzögerung von zweieinhalb Monaten – die Fertigstellung dürfte nun bis Herbst 2016 dauern.

111 Orte in München, die man gesehen haben muss

Dieses Buch ist praktisch eine Entdeckungsreise. 111 Orte in München, die man gesehen haben muss: So heißt der neue Band, der auch für echte Münchner einen Haufen Überraschungen bietet. Autor Rüdiger Liedtke, der ein Jahr zuvor bereits den ersten Teil dieses ganz besonderen Stadtführers verfasst hat, sagt: „Die Stadt ist viel spannender als die meisten Münchner glauben. Durch die Recherche am ersten Band habe ich einen speziellen Blick für interessante Orte bekommen.“ © Emons-Verlag
Jetzt weitere interessante Plätze für das Nachfolge-Buch zu finden, war kein Problem. Liedtke, der gelernte Journalist, lebt zwar mittlerweile in Köln, hat aber in München studiert und lang hier gearbeitet. Seine eigenen Einsichten (etwa die Doppeltreppe an der Alten Messe und die Automatenuhr in der Frauenkirche), dazu viele Tipps von Freunden und Bekannten: Das ist die Grundlage für ein überraschendes Buch. Hier ein kleiner Vorgeschmack: © Emons-Verlag
Spieluhr im Dom: Täglich um 12.10 Uhr spielt sich in der Frauenkirche ein kleines Spektakel ab. Die Figuren auf der Automatenuhr links vom Mittelschiff erwachen zum Leben. Maria und Jesus bringen Fürbitten vor und Gottvater zieht sein Schwert. Kurze Zeit später erstarren die drei wieder – bis zum nächsten Tag. Frauenkirche, Frauenplatz 1 (Altstadt), Samstag bis Mittwoch 7 bis 19 Uhr, Donnerstag bis 20.30 Uhr, Freitag bis 18 Uhr. © Emons-Verlag
Doppeltreppe an der Alten Messe: Ein irres Escher-Bild? Nein, eine echte Treppe mitten in München. Auf diesem Werk des dänischen Künstlers Olafur Eliasson an der Alten Messe geht’s ohne Umdrehen aufwärts und abwärts – denn Anfang und Ende von zwei Wendeltreppen sind miteinander verbunden. KPMG Deutsche Treuhandgesellschaft AG, ­Ganghoferstraße 29 (Westend), nicht immer offen, Infos unter Telefon 089/ 92 82 00. © Emons-Verlag
Der Gang der Erinnerung: Hier stockt einem der Atem, hier hält man zutiefst inne. Im Gang der Erinnerung unterhalb des St. Jakobs-Platzes wird an die ermordeten Münchner Juden gedacht. Jedes der 4.500 Opfer des Nazi-Terrors wird namentlich erwähnt. © Emons-Verlag
Kolossale Kuppel: Nur wenige Münchner haben das Glück, in einem so beeindruckenden Gebäude zu arbeiten wie die Zollfahnder. Von außen hat sie fast jeder Münchner schon mal gesehen: die große Glaskuppel auf dem Dach des Hauptzollamts nahe der Donnersbergerbrücke. Innen finden sich unter anderem historische Fresken und Treppengeländer. Zollfahndungsamt, Landsberger Straße 124 (Schwanthalerhöhe), Innenbesichtigungen nach Vereinbarung unter 089/ 51 09 00 oder über VHS. © Emons-Verlag
Landwirtschaft? Stadtwirtschaft!: Kaum einer weiß, dass die Stadt München auch Besitztümer auf dem Land hat. Dabei gehören ihr ein knappes Dutzend landwirtschaftlicher Betriebe, darunter das Gut Riem. Der Erlebnisbauernhof verpachtet unter anderem Parzellen, auf denen Bürger chemie- und gentechnikfrei Gemüse ziehen können. Isarlandstraße 1 (Riem), Führungen nach Vereinbarung, Telefon 089/ 32 46 86 21. © Emons-Verlag
Ein Stückerl Venedig in München: Offene Bäche sind in München eine ­Seltenheit – die meisten sind längst unter Straßenzügen verschwunden und plätschern nur noch im Untergrund. Umso spannender ist die Mondstraße. Direkt hinter den ­Gebäuden (später Biedermeier) fließt der ­Auer Mühlbach vorbei. Die Bewohner ­könnten von Terrasse oder Balkon aus direkt ins Wasser springen. Mondstraße (Giesing) © Emons-Verlag
Unter dem Halbmond: Knapp 35 Meter ragt das hellblaue Minarett in den Himmel über Freimann. Gekrönt wird es von einer Metallspitze mit Halbmond. Die meisten Münchner kennen die Moschee in Freimann nur vom Vorbeifahren. Dabei kann jeder das Islamische Zentrum neben der Freisinger Landstraße besuchen und sich ein Bild vom muslimischem Leben machen. Wallnerstraße 1-5 (Freimann), Infos unter Tel. 089/ 32 50 61. © Emons-Verlag
Kaffee und Karibik-Flair: Ein Tässchen ­Kaffee unter ­Palmen? Dazu nostalgischer Charme? Im Café Luitpold kein Problem! Durch den Palmengarten des berühmten Kaffeehauses weht noch immer der Hauch der Gründerjahre. Und das, obwohl der Luitpoldblock im Krieg zerstört und erst in den 60er-Jahren wieder aufgebaut wurde. Brienner Straße 11 (Altstadt), Telefon 089/2428750. © Emons-Verlag
Omas Teddy und Opas Eisenbahn: Wer rausfinden will, womit die Eltern und Großeltern als Kinder gespielt haben, ist im Alten Rathaus richtig. Hier ist seit 1983 das Spielzeugmuseum zu Hause. Die fünf Stockwerke des Rathausturmes sind zum Besten gefüllt mit Teddys, Barbies und anderen alten Spielsachen – natürlich alles im Original. Marienplatz 15 (Altstadt), Montag bis Sonntag 10 bis 17.30 Uhr, Telefon 089/ 29 40 01. © Emons-Verlag
111 Orte in München, die man gesehen haben muss. Band 2, 14,95 Euro, Emons-Verlag. © Emons-Verlag

Johannes Welte

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