Nach Streit vor Neuperlacher Praxis

Wachmann schoss ihn mit Gaspistole fast blind

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Ferdinand N.

München - Er wollte nur einen einfachen Alkoholtest machen – doch der Besuch einer Arztpraxis endete für Ferdinand N. mit fatalen Folgen: Jetzt spricht Opfer Ferdinand N. über das Drama in Neuperlach.

Er wollte nur einen einfachen Alkoholtest machen – doch der Besuch einer Arztpraxis endete für Ferdinand N. mit fatalen Folgen: Ein Wachmann schoss dem 40-Jährigen mit einer Gas­pistole mitten in sein Gesicht! Der tz erzählte der Kaufmann die ganze Geschichte und das Drama dahinter!

Es gibt Lebensphasen, da scheint einfach alles schief zu laufen. Ferdinand N. kann davon ein Lied singen. Probleme im Job, Krise mit der Lebensgefährtin, da kann man schon mal zu Alkohol greifen. Und so beginnt die Geschichte am 29. Juni, einem Freitagabend mit einem Bier, aus dem im Lauf der Nacht zehn, elf, zwölf werden ... Dabei hat Ferdinand N. in den vergangenen sieben Jahren keinen Tropfen mehr getrunken, „weil’s halt mit Alkohol immer Probleme gibt“.

Angestellter zückt Gaspistole in Drogenersatzpraxis

Angestellter zückt Gaspistole in Drogenersatzpraxis

Die wären ihm vielleicht dieses Mal erspart geblieben, wenn ihm nach der durchzechten Nacht auf dem Weg zum Einkaufen am Samstagmorgen nicht diese Schnapsidee gekommen wäre: „Ich war total fit. Und wollte plötzlich unbedingt wissen, wieviel Promille ich hab’.“

Ferdinand N. macht deshalb einen kleinen Umweg zu einer Praxis im Ärztehaus am Peschelanger. Er kennt sich dort aus. Am Wochenende stehen die Drogensüchtigen Schlange, um sich hier mit Methadon zu versorgen. Früher wartete auch Ferdinand N. öfter mal.

Doch heute will er ja nur zum Alkotest: Er marschiert an den Wartenden vorbei – doch ein Wachmann stoppt ihn. Der ist seit November hier im Einsatz. Damals musste ein Spezialkommando der Polizei anrücken, weil ein Patient Ärzte und Sprechstundenhilfen bedroht hatte. Der Wachmann lässt Ferdinand N. nicht durch. Der reagiert pampig, beleidigt und provoziert den 26-jährigen Wachmann, weil er sich durch dessen martialisches Auftreten seinerseits provoziert fühlt.

Aber dann will er die Kurve kratzen. „Ich war schon raus aus der Praxis und auf dem Weg zum Flur, da kam der Typ hinter mir her, brüllte, ich solle mich hinlegen und dann feuerte er auch schon mit seiner Gaspistole!“ Das Pfeffergas trifft Ferdinand N. aus nicht einmal zwei Metern – genau in die Augen.

Für einen Moment ist der 40-Jährige komplett blind, zudem blutet er aus einer Platzwunde an der Nase. Der Wachmann will das nutzen, um ihm Handschellen anzulegen. Doch die Attacke setzt bei dem körperlich deutlich unterlegenen Ferdinand N. jede Menge Adrenalin frei. Und so kann er sich befreien. An viel mehr erinnert sich Ferdinand N. nicht mehr.

Fakt ist, als die Polizei eintrifft, wird er bereits in der Arztpraxis behandelt. Den erhofften Alkotest gibt es schließlich auch noch – auf der Wache der Polizei. 1,6 Promille zeigt der Alkomat an.

Und jetzt? Eine Woche nach dem Gaspistolenschuss sieht es nicht gut aus für Ferdinand N. Sein Sehvermögen ist stark beeinträchtigt. An einem Auge um 60, am anderen um 30 Prozent, jede Stunde muss er Medikamente eintröpfeln. Noch schlimmer: Eine Hornhaut ist so stark beschädigt, dass wohl nur noch eine Operation helfen kann.

Ferdinand N. ist verzweifelt: „Natürlich hab ich den Wachmann beleidigt und provoziert, aber ich war doch schon auf dem Weg zum Aufzug. Warum musste der schießen? Das war doch völliger Wahnsinn.“

Ferdinand N. hat Anzeige erstattet. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung. Der Fall, so Ferdinand N., dürfte einfach zu klären sein: „Der Flur vor der Praxis wird von einer Kamera überwacht. Auf dem Film müsste eigentlich alles drauf sein.“

Wolfgang de Ponte

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