Er gibt gleich den harten Hund

Ex-Chef vom New York Tabledance vor Gericht

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Als Geschäftsführer soll Michael K. in der New York Tabledance Hunderte Scheinselbstständige beschäftigt haben.

München - Mit aufgeknöpftem Hemd tauchte Michael K., ehemals Chef der Münchner Bar New York Tabledance, vor Gericht auf. Er könnte bald kräftig zahlen müssen.

Als die Fotografen ihre Apparate klackern und blitzen lassen, beugt sich der Verteidiger vor und raunt dem Angeklagten etwas zu. Der blickt kurz in die Runde, dann brummt er: „Kein Problem.“ Michael K. (50), Glatze, aufgeknöpftes Hemd und ehemals Chef der Münchner Bar New York Tabledance, gibt den harten Hund. Der Prozess und die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft scheinen ihn wenig jucken.

Was man ihm vorwirft? K. soll Krankenkassen und Berufsgenossenschaft um einen riesen Batzen Geld geprellt haben. Die Gesamtsumme: 999 067,89 Euro.

Bis 2012 war K. Chef des Nachtclubs, dann kam die Pleite. Laut Anklage hat K. über 110 scheinselbstständige Tänzer bzw. Tänzerinnen beschäftigt, weitere Angestellte meldete er falsch oder gar nicht bei der Sozialversicherung. Zwischen 2004 und 2009 kamen so 352 Fälle zusammen, bei denen K. Arbeitsentgelt vorenthielt und veruntreute.

Heute arbeitet der ehemalige Nachtclub-Chef K. noch immer im Rotlichtmilieu – allerdings als Türsteher und Hausmeister. 1000 bis 1300 Euro netto im Monat verdiene er damit. Er ist zweimal geschieden, hat vier Söhne und wohnt nun zusammen mit seiner Freundin und ihrem gemeinsamen Sohn bei seinem Ältesten zur Miete. Von dem Geld, das er veruntreut haben soll, scheint nichts übrig­geblieben zu sein. „Finanziell wird’s reichlich eng“, stellt die Richterin nüchtern fest.

Und auch sonst macht K. einen zerstreuten Eindruck: Wann die Scheidung war? 1989 – oder doch 1991? Nein, 1995! Mit Zahlen scheint K. seine Probleme zu haben, haperte es deswegen auch beim Zahlen? Dann bietet das Gericht einen Deal an: Er soll die Fälle einräumen, in denen er die AOK Bayern geprellt hat – im Gegenzug sichern ihm Gericht und Staatsanwaltschaft zu, dass die maximale Strafe ein Jahr und zehn Monaten auf Bewährung und dazu eine Geldstrafe zu 360 Tagessätze nicht übersteigt. Entscheidung vertagt.

T. Scharnagl

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