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Mitten im Bahnhofsviertel: Initiative will in 6.000-Quadratmeter-Leerstand Raum für München erkämpfen

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Von: Florian Naumann

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Das Haus Schillerstraße 38 stand lange leer - nun soll es zur Keimzelle für mehr Freiräume in München werden.
Das Haus Schillerstraße 38 stand lange leer - nun soll es zur Keimzelle für mehr Freiräume in München werden. © Initiative Freiräumen

Stade Zeit? Im Bahnhofsviertel geht es zwischen den Jahren inhaltlich zur Sache: In einem Leerstand will eine Initiative für Freiräume in München kämpfen.

München – Wo sich Landwehr- und Schillerstraße treffen, will eine Initiative neue Freiräume für die Subkultur in der Landeshauptstadt schaffen. Weit über das Bahnhofsviertel hinaus. Erste Schritte dazu will sie schnell unternehmen – schon zwischen Weihnachten und Neujahr. Schauplatz des Geschehens: Das frühere „Haus der Elektrotechnik“ in der Schillerstraße 38.

Das Gebäude mit seinen 6.000 Quadratmetern Fläche steht bereits seit rund zwei Jahren leer. Es geht den Macherinnen und Machern nach eigenen Angaben aber um mehr als nur diese Räumlichkeiten. Und auch um mehr als die vorerst fünf Tage, an denen Programm geboten ist.

Ignoriert München Freischaffende und Subkulturen?

Vorerst sieht es nach einer (fast) klassischen Zwischennutzung aus. Vom 26. bis 31. Dezember veranstaltet die „Initiative Freiräumen“ – ein Bündnis mehrerer Gruppen und Einzelpersonen – in dem Haus Workshops, Vorträge, Diskussionen, Ausstellungen und hier und da auch Musikalisches. „Forum für Freiraum“ heißt das Projekt. Ob und wie es danach in der Schillerstraße weitergeht, scheint noch unklar.

Aber der Gruppe geht es um sehr Grundlegendes, wie Sprecherin Lou Schmitz am Donnerstag (22. Dezember) bei einer Pressekonferenz klarstellte. „Eine lebendige Stadtgesellschaft braucht mehr freie Räume für junge Menschen, um deren Selbstentfaltung, Politisierung und Sozialisierung zu ermöglichen“, betonte sie. München ignoriere Freischaffende und Subkulturen, so der Vorwurf der Initiative. Nötig sei in der teuren Stadt mehr Zugang zu Raum – aber auch materielle und finanzielle Ressourcen.

„In München existieren zu wenig Freiräume“

Entsprechend hat „Freiräumen“ zum Start des Projekts einen Forderungskatalog an die Stadt aufgestellt. Der Ruf nach „Beendigung jeglichen Leerstands“ findet sich darin, „Schutz und Erhalt bestehender Freiräume“ und das „Zugänglichmachen“ des öffentlichen Raums für junge Menschen. Aber eben auch das Ende des Denkens in – möglicherweise investitionsdienlichen – Zwischennutzungen. Als „Verstetigung von gestaltbaren öffentlichen Freiräumen“ ist das unter anderem formuliert.

Viel bislang ungenutzter Platz: Blick in das ehemalige „Haus der Elektrotechnik in der Schillerstraße“
Viel bislang ungenutzter Platz: Blick in das ehemalige „Haus der Elektrotechnik in der Schillerstraße“ © Initiative Freiräumen/fkn

Auch der bekannte Konflikt zwischen Kultur und ruhebedürftigen Nachbarn in München fand Eingang in den Katalog – so steht etwa „Finanzierung von Schallschutzfonds und Lärmschutzgutachten“ auf dem Wunschzettel der Gruppe an die Stadtverwaltung.

„In München existieren zu wenig Freiräume. Die mangelnde Unterstützung seitens der Stadtverwaltung führt mit zur Verdrängung und dadurch zu immer weniger Orten der Selbstentfaltung“, warnte „Freiräumen“ kurz vor Weihnachten. Nötig seien „Orte, die mitdefiniert und mitgestaltet werden können. Es geht nicht nur darum, wo wir leben können, sondern auch darum, wie wir leben.“

München „freiräumen“: Kein „Partykeller“ in der Schillerstraße – sondern Ort der Arbeit

Allerdings sollen in der Schillerstraße nicht nur Vorwürfe erhoben werden. „Das Ziel des Forums für Freiraum ist es nicht nur anzuprangern, sondern den Themenkomplex Freiräume weiter in den Diskurs zu bringen“, heißt es auf der Homepage der Initiative. Oder auch: „Wir deklarieren unsere Stadt zu unserem Atelier! Und dieses soll in allen Farben erstrahlen.“

Der erste Aufschlag zum Thema „Freiräumen“ ist es nicht. Schon im Juni 2021 gab es eine Demonstration und einen „Freiraum-Kongress“, unterstützt unter anderem vom Kreisjugendring München-Stadt. Passiert sei seitdem vonseiten der Stadt aber nichts, so die Kritik. Partys gibt es bei der fünftägigen Veranstaltung übrigens nicht. Jedenfalls nicht in der Schillerstraße – sondern im Club Rote Sonne. „Wir wollen hier inhaltlich arbeiten und nicht, dass der Ort als Partykeller oder Konsumraum in der Öffentlichkeit steht“, sagte „Szene-Netzwerkerin“ Emilie Gendron der Süddeutschen Zeitung. (fn)

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