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Nach furchtbarem Unfall in München: Todesfahrer will seinen Führerschein zurück - „Kaum zu ertragen“

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Von: Andreas Thieme

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Völlig demoliert stand der schwarze Opel Corsa 2017 nach dem Unfall auf der Wasserburger Landstraße. Drei Menschen starben
Völlig demoliert stand der schwarze Opel Corsa 2017 nach dem Unfall auf der Wasserburger Landstraße. Drei Menschen starben © Bodmaier/Feuerwehr

Nestor P. (65) tötete drei Menschen, als er 2017 mit 128 km/h über die Wasserburger Landstraße raste. Fünf Jahre nach dem Unfall hat er noch nicht seine Haftstrafe angetreten - sondern fordert jetzt dreist seinen Führerschein zurück.

München - Dieser Mann hat drei Menschen auf dem Gewissen: Mit 128 km/h raste Nestor P. (65) im September 2017 auf der Wasserburger Landstraße mit seinem BMW X5 in einen Opel Corsa und verursachte einen Horror-Unfall. Drei Menschen starben, einer ist seither behindert. Doch von Reue kaum eine Spur: Denn seine Haftstrafe hat Nestor P. auch nach fünf Jahren noch nicht angetreten - stattdessen fordert er jetzt seinen Führerschein zurück.

Am 27. September wird das Landgericht München I den Fall neu verhandeln - es ist bereits das zweite Mal, dass Nestor P. gegen seine Verurteilung vorgeht. Ende 2019 hatte das Amtsgericht den Senior bereits wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Vier Jahre sollte er ins Gefängnis - zudem musste P. seinen Führerschein abgeben und erhielt eine lebenslange Sperrfrist. Er wurde buchstäblich aus dem Verkehr gezogen.

München: Todesraser hat seit Jahren seine Haft nicht angetreten - aber will seinen Führerschein zurück

Nestor P. (65) wurde wegen fahrlässiger Tötung verurteilt
Nestor P. (65) wurde wegen fahrlässiger Tötung verurteilt © SIGI JANTZ

Doch der Todesraser legte Berufung ein, der Fall ging vors Landgericht. Dort sollte im Oktober 2020 neu verhandelt werden, doch Nestor P. beantragte ein Gutachten über seine Gesundheit - denn als Grund für den Unfall hatte er einen Blackout angegeben. Monatelang wurde der Todesraser untersucht, Ärzte fanden bei ihm aber keine Einschränkung. Nestor P. galt als voll schuldfähig. Das Landgericht verurteilte ihn im Oktober 2021 dann zu drei Jahren und neun Monaten Knast.

Auch gegen dieses Urteil ging er vor und legte Revision beim Bayerischen Obersten Landesgericht ein. Hier wehrte sich der Todesraser vor allem gegen seine lebenslange Führerschein-Sperre. Mit Erfolg: Das Gericht hob die Sperre auf und verwies den Fall zurück zum Landgericht, wo er jetzt neu aufgerollt wird. Allerdings beschränkt auf den Rechtsfolgenausspruch.

Prozess um fahrlässige Tötung: Todesraser Nestor P. (65) griff zweimal sein Urteil an

Im Klartext: „Es wird nur noch um die Fahrerlaubnis gehen“, sagt Verteidiger Hartmut Wächtler, der Nestor P. vertritt. Er begründet: „Im Urteil lag ein Widerspruch vor. Wenn bei meinem Mandanten keine nachweisbaren gesundheitlichen Probleme bestehen, kann man ihm auch nicht lebenslang die Fahrerlaubnis entziehen.“ Nestor P. brauche das Auto im Alltag.

Pierre L. (Mitte) verlor seine beiden Kinder Ann-Sophie und Julien bei dem Unfall
Pierre L. (Mitte) verlor seine beiden Kinder Ann-Sophie und Julien bei dem Unfall © privat

Für die Hinterbliebenen ein Affront! Pierre L. verlor seinen Sohn Julien und Tochter Ann-Sophie durch den Todesraser. Er sagt: „Für meine Familie ist das kaum zu ertragen. Dieser Mann hat meine Kinder auf dem Gewissen, aber es gibt immer noch kein rechtskräftiges Urteil.“ Das könnte sich am 27. September endlich ändern!

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