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Verödet die Münchner Innenstadt? Traditionsläden in der Fußgängerzone kämpfen ums Überleben

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Von: Nadja Hoffmann

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Sorge um die Traditionshäuser herrscht in der Altstadt.
Sorge um die Traditionshäuser herrscht in der Altstadt. © Jens Hartmann

Sie sind das Salz in der Suppe, die Besonderheit in der Münchner Innenstadt: die inhabergeführten Geschäfte und kleinen Läden mit ganz viel Tradition. Corona macht ihnen zu schaffen, wie im Presseclub betont wurde. Dort präsentierte der Einzelhandel dramatische Zahlen. Und positive Lichtblicke in der Pandemie.

München - Zwei Jahre Corona*-Angst, zwei Jahre Beschränkungen für Geschäfte und Restaurants, zwei Jahre fehlende Touristen. „Die Situation ist wirklich dramatisch“, sagt Wolfgang Fischer, der für die Münchner Innenstadt-Händler spricht. Warum, machte er mit Zahlen im Presseclub deutlich: „Uns fehlen 20.000 bis 30.000 Besucher. Täglich“, sagt er mit Blick auf die Passanten-Zahlen für die Innenstadt. Dort schließen Traditionshäuser wie Kaut-Bullinger und Obletter ihre Pforten, Geschäfte stehen leer – und Traditionshäuser kämpfen ums Überleben. Besonders für sie, verdeutlicht Fischer, hofft er auf ein baldiges Ende der Pandemie.

Münchner Traditionsläden kämpfen ums Überleben

Warum? Die alten, inhabergeführten Läden sind die Besonderheit der Münchner* Innenstadt, geben ihr Charakter und Charme. Im Gegensatz zu den anonymen Filialen von Großmarken wie Esprit, Rituals oder Footlocker, die in jeder Fußgängerzone weltweit zu finden sind. Zum Vergleich: „In Köln liegt die Filialisierungsrate bei fast 100 Prozent“, sagt Fischer. Am Marienplatz seien es nur 50 Prozent, in der Fußgängerzone etwa 80 Prozent. In München gibt es noch erfolgreiche Geschäfte wie Hirmer oder Bettenrid genauso wie kleine Läden à la Breiter Hut –- die mit Herz und Tradition besonderen Service bieten.

„Verödet die Münchner Innenstadt?“ hat der Mittelstandsverband BVMW im Presseclub gefragt. Fischers Antwort: „Die Innenstadt ist im Wandel.“ Dazu gehören Schließungen, von denen Corona manche beschleunigt habe. Aber: „Der Leerstand ist dynamisch.“ Und es gebe positive Impulse aus der Immobilienbranche, die Nachfrage steige wieder. Er hofft, dass München seine Mischung aus Tradition und Moderne erhalten kann. Das ist übrigens sogar Chefsache: So sprach auch Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne) gestern zum Thema. Jede Schließung empfindet sie als „sehr, sehr schade“.

Sie sprach sich für die multifunktionale Innenstadt aus, die nicht nur aus Konsum besteht. Einzelhandel, Gastronomie und öffentliche Flächen bilden gemeinsam einen sozialen Raum. „Mehr Sitzflächen, mehr Grün“ seien deshalb genauso hilfreiche Ansätze, wie es jetzt Flexibilität der Verwaltung braucht. Etwa, wenn es darum geht, Nutzungsänderungen für Gebäude zu ermöglichen – oder in (Post-)Coronazeiten Zwischennutzungen zu ermöglichen. Die Traditionsläden sieht sie als Grundpfeiler der Innenstadt. „Dafür beneiden uns andere Städte.“

Habenschaden rief in Erinnerung, dass heuer nicht nur das Jubiläum 50 Jahre Olympia in München ansteht. Sondern auch die Fußgängerzone auf mittlerweile fünf Jahrzehnte zurückblickt. In Zukunft stehen ihr Erweiterungen vor: etwa um die Westenriederstraße. *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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