Konzert in München

Nickelback bringt Olympiaturm zum Wackeln

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Der Sänger der kanadischen Band Nickelback, Chad Kroeger (Archivbild).

München - Stadionrocker wider Willen: Weil in der Olympiahalle Einsturzgefahr herrschte, mussten Nickelback am Mittwochabend nach draußen umziehen, ins Olympiastadion.

Dort war vor der Gegengerade eine Bühne für Kanadas Hardrock-Handwerker aufgebaut. Atmosphärisch mit 13.500 Fans kein Vergleich mit einem großen Open Air à la Springsteen oder AC/DC, mehr Stadionröckchen als Stadionrock. Optisch war's also beinahe kuschelig, akustisch aber bretthart. Denn Chad Kroeger und Komplizen ließen es ganz gewaltig scheppern und dengeln – als Rock-TÜV, der checkte, ob die Statik des Stadions mehr taugt als nebenan in der Halle. Sie taugte. Bloß der Olympiaturm wackelte ein bisserl.

Um 21.25 Uhr, bei mildem Frühherbst-Wetter, das sich die bibbernden Coldplay-Zuschauer vor zwei Wochen gewünscht hätten, war Anstich zur Alternative-Rock-Wiesn. Mit „This Means War“ und Mega-Dezibel legten Nickelback auf der schlicht gehaltenen Bühne los – Krieg allen Ohrenstöpsel-Weicheiern!

Frontmann Kroeger, dessen Herzdame, Skatergirl Avril Lavigne, ihn offenbar erstmals zu einer Frisur im eigentlichen Sinne des Wortes überredet hat, gab sich prächtig gelaunt, strafte sein Humorlos-Image Lügen. Er versprach „eine kleine Party im Geiste des Oktoberfestes“. Und er schoss gleich zu Beginn weitere gnadenlose Bretter ab, „Something In Your Mouth“ und „Bottoms Up“. Gitarrendonnern bis Schwabing, mindestens!

Kuscheln kam später, und vom Übersong „How You Remind Me“ war zu Beginn weit und breit nichts zu hören. Dafür wurde halb München beschallt – wer Musik nur mag, wenn sie laut ist, kam auf seine Kosten. Erster Eindruck vom Tag des Donners mit übrigens exzellenter Lightshow: Zum Musikanten-Adel gehören Nickelback mit ihrem simplen Holzfäller-Rock garantiert nicht – doch sie wissen, wie man musikalisches Starkbier braut, das prächtig reinknallt.

Jörg Heinrich

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