Verkehrsminister lehnen Helmpflicht erneut ab/ Aber alle Experten appellieren an die Vernunft:

Nie mehr ohne Helm radeln!

+
Am Wochenende werden viele Münchner losradeln – hoffentlich mit Helm

München - Eine Helmpflicht wird es für Radler zunächst nicht geben, doch Experten appellieren, nie ohne zu fahren. Wie ein Fahrradhelm hilft und was Sie beim Kauf beachten sollten.

Der Frühling ist da, ein wunderschönes Wochenende steht uns bevor. Da springen viele auf ihr Fahrrad – und stehen wieder vor der Frage: Soll ich einen Helm aufsetzen? Pflicht ist das nicht. Und so wird es vorerst auch bleiben. Denn eine Helmpflicht für Radfahrer wird es zunächst nicht geben.

Das haben die Verkehrsminister der Länder in dieser Woche bei einer Konferenz in Potsdam beschlossen. Die Minister sprachen sich lediglich für eine allgemeine Empfehlung aus und baten das Bundesverkehrsministerium, Maßnahmen zu ergreifen, um die Helmquote zu erhöhen. Laut Bayerischem Landesamt für Statistik trugen 2009 nur elf Prozent der Radler einen Kopfschutz. Allerdings prüft das Verkehrsministerium die juristischen Fragen einer Helm­pflicht für Kinder und Jugendliche.

Eine ähnliche Haltung zum Thema Helmpflicht vertritt auch der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC). „Wir möchten in unserer Empfehlung grundsätzlich mehr auf Freiwilligkeit setzen“, sagt Bettina Cibulski, Pressesprecherin des ADFC. „Studien belegen, dass bei einer Helmpflicht weniger Menschen aufs Fahrrad steigen“, sagt Cibulski. Vom Helmtragen an sich rät der ADFC aber keinesfalls ab. „Wir sind nicht gegen Sturzhelme. Er schützt beim Unfall vor schweren Verletzungen“, erklärt Cibulski.

Im vergangenen Jahr wurden bei Verkehrsunfällen in München 2179 Radfahrer im Straßenverkehr verletzt. Immerhin ist das ein Rückgang von fast 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Vier Radfahrer haben die Unfälle auf den Straßen Münchens nicht überlebt. Von diesen vier Unfall­opfern könnten nach Ansicht der Polizei zwei noch leben – wenn sie nur freiwillig einen Helm getragen hätten.

Vielleicht braucht es erst ein prominentes Unfallopfer, ehe die Mehrheit sich vom Helmtragen überzeugen lässt: Seit dem Skiunfall des ehemaligen Ministerpräsidenten Dieter Althaus ist die Helmquote auf den Pisten auf rund 70 Prozent gestiegen …

Petra Markovic

„Der Sturzhelm hat mein Leben gerettet“

Wie wichtig ein passender Fahrradhelm ist, weiß Gunnar Fehlau sehr genau. Vor zwei Jahren war er mit seinem Mountainbike auf einer Tour im Wald unterwegs. Und obwohl die Strecke nicht allzu anspruchsvoll war, hatte der 37-jährige einen schweren Unfall. „Die Stelle war relativ eben. Ich habe einfach die Kurve nicht gekriegt“, erzählt er.

Und plötzlich ist Fehlau mit dem Kopf voran auf steinigem Untergrund gelandet. Zu seinem Glück hatte er damals einen Fahrradhelm auf, denn sonst wäre der Unfall nicht so glimpflich verlaufen. „Wenn ich daran denke, wie Lippe, Zahn und Helm nach dem Sturz ausgesehen haben, will ich nicht wissen, was meine Stirn abbekommen hätte“, sagt er. Gunnar Fehlaus Oberlippe musste mit 17 Stichen genäht werden, ein Zahn besteht mittlerweile zur Hälfte aus Kunststoff. „Dank Helm war ich nach dem Unfall bei Bewusstsein und in der Lage, das Handy zu zücken und den Notruf zu wählen“, erinnert er sich. Die Rettungskräfte brachten den passionierten Radfahrer ins Krankenhaus, das er nach nur einer Stunde wieder verlassen kann. An den Unfall erinnert äußerlich mittlerweile nur noch eine kleine Narbe an der Oberlippe.

Fehlaus Fahrradhelm hingegen ist nicht so glimpflich davon gekommen. Er hatte vier Brüche, die möglicherweise statt im Kunststoff in seinem Schädel hätten sein können. Und obwohl der Helm 200 Euro gekostet hat, trauert Fehlau keine Sekunde um ihn. „Das war er wirklich wert. Im Grunde war es sogar ein günstiger Helm. Ohne ihn hätte mich der Unfall wahrscheinlich mehr gekostet“, sagt Fehlau. Vielleicht sogar sein Leben.

Sein Tipp an alle Radler: „Wer etwas zu schützen hat, sollte das auch tun. Mit kaputten Gliedmaßen kann man noch halbwegs leben, aber ohne Hirn wird das mit dem Leben wirklich eng.“

Petra Markovic

Die TÜV-Tipps zum Helmkauf

- Der Helm muss richtig sitzen, ohne zu drücken oder zu wackeln. Um den richtigen Helm zu finden, ist eine Anprobe unerlässlich. Nicht immer wird er hundertprozentig passen. In diesem Fall helfen zusätzliche Polster.

- Der Helm muss die Stirn, die Schläfen und den Hinterkopf sicher abdecken. Wählen Sie aber einen Helm, der zur Kopfgröße passt. Bei Kindern sollten Sie gegebenenfalls einen neuen kaufen, wenn der Junior über den Winter gewachsen ist.

- Der Helm sollte die einschlägigen Sicherheitsnormen erfüllen und ein anerkanntens Prüfzeichen haben. Dazu gehört das GS-Zeichen. In diesem Fall hat ein neutrales Institut – etwa der TÜV – den Helm unter die Lupe genommen. Übrigens: Sind Sie einmal mit Ihrem Helm gestürzt, sollten Sie sich unbedingt einen neuen kaufen und den alten wegwerfen. Denn auch, wenn man es von außen nicht sieht, kann er beschädigt sein und dadurch nicht mehr sicher.

- Der Helm muss gefallen. Gerade bei Kindern kommt es auf diesen Punkt besonders an. Denn finden die Kleinen den Helm cool, sind sie sehr leicht dafür zu begeistern. Nehmen Sie ihr Kind zum Kauf mit und kaufen Sie den Wunschhelm. Es ist allemal besser, wenn der Nachwuchs das zweitbeste Modell trägt, als wenn das beste ungenutzt herumliegt.

Auch interessant

Meistgelesen

Jetzt bestätigt: Dieser Flagship-Store kommt bald in die Innenstadt
Jetzt bestätigt: Dieser Flagship-Store kommt bald in die Innenstadt
Reiter und Herrmann verteidigen zweite Stammstrecke gegen 650 Gegner
Reiter und Herrmann verteidigen zweite Stammstrecke gegen 650 Gegner
Mit anonymem Brief: Unfassbare Katzen-Entführung in Haidhausen
Mit anonymem Brief: Unfassbare Katzen-Entführung in Haidhausen

Kommentare