Die Nachfrage ist riesig – doch es fehlt an geeigneten Kandidaten für den 6. Dezember

Nikolaus-Krise in München

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In München werden Nikoläuse gesucht.

München - München gehen die Nikoläuse aus: Zweieinhalb Wochen vor dem 6. Dezember sind alle Nikoläuse der Jobvermittlung jobcafe.de ausgebucht.

„Normalerweise ist das erst am 3. Dezember der Fall“, sagt Jens Wittenberger von der Vermittlungsstelle. „Aber heuer ist die Nachfrage riesig – und es kommen keine geeigneten Bewerber nach.“

An Interessenten mangelt es nicht: Der Verdienst ist mit 40 bis 60 Euro pro Einsatz ordentlich. Viele aber stellten sich den Job zu leicht vor, so Wittenberger. „Die Qualität ist das Wichtigste. Notfalls müssen heuer einige Familien und Firmenfeiern leer ausgehen.“

Was macht denn einen guten Nikolaus aus? Die tz hat beim dienstältesten jobcafe-Nikolaus Andreas Werhahn (40) nachgefragt.

Sie sind seit zehn Jahren nebenberuflich Nikolaus und bei den Castings in der Jury. Worauf achten Sie?

Der Bewerber muss vor allem pädagogisches Geschick haben und sofort erkennen, wie er mit den Kindern umzugehen hat. Sind sie verängstigt? Dann muss er mit geschlossenen Fragen Vertrauen aufbauen. Etwa: ‚Hilfst du dem alten Nikolaus und hältst seinen Stab?’ Wenn die Kinder frech sind oder am Nikolaus zweifeln, musst du dir Respekt verschaffen: ‚Bub, du kommst jetzt gleich mal nach vorne.’ Spontaneität und Wandlungsfähigkeit sind wichtig. Sie werden auch für Altenheime und Firmenfeiern gebucht …Man muss sich blitzschnell umstellen. Und trotz Termindruck jedem das Gefühl vermitteln, dass man nur für ihn da ist. Gerade bei sozial benachteiligten Menschen oder Behinderten ist es wichtig, sich Zeit zu nehmen. Bei Firmenfeiern ist ein gutes Gedächtnis gefragt, weil die Chefs meistens den Text vorgeben. Man muss Entertainer spielen und Klamaukleute ausfindig machen, die mitspielen und auch Spaß auf ihre Kosten verstehen.

Welchen Einsatz haben Sie besonders gut in Erinnerung?

Vor ein paar Jahren wollte ein dreijähriges Kind partout nicht aus seinem Zimmer. Es hat 50 Minuten Überredungskunst vor der Tür bedurft, bis ich reindurfte. Und danach mussten mir die Eltern wieder aus der Kindercouch helfen – weil ich in meinem Kostüm nicht mehr rauskam.

Sie haben selbst Kinder. Glauben die noch an den Nikolaus?

Ja. Aber weil ich befürchte, dass mein 7-jähriger Bub bald dahinter kommen könnte, bin ich sehr vorsichtig: Den Nikolaus-Dienst bei ihnen übernimmt ein Nachbar meiner Eltern. Und wenn ich zu meinen Terminen fahre, ziehe ich mich nie daheim um. Für mich ist es nicht nur ein Job, schöne Illusionen zu vermitteln.

Interessenten mit eigenem Pkw (Berufskleidung wird gestellt) melden sich bitte unter der Tel. 089/33 01 90 06.

Nina Bautz

Quelle: tz

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