Interview über die Einsätze

Nikolaus-Service-Chef packt aus: „Münchner Kinder immer frecher“

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Machen sich bereit für den Besuch bei den Münchner Kindern: Krampus Günter Tobsch (r.) und Nikolaus Stefan sind wieder im Einsatz.

München - Seit 30 Jahren lässt Günter Tobsch als Krampus oder Nikolaus Kinderherzen schneller schlagen. Er hat aber nicht nur positive Erfahrungen gemacht. Darüber spricht er im Interview.

Von drauß vom Walde komm ich her… Nein, aus dem Wald kommt er nicht, sein Büro hat er in Weißenfeld (Kreis Ebersberg), aber es weihnachtet sehr bei ihm: Günter Tobsch ist schon seit 30 Jahren jeden Dezember als Krampus oder Nikolaus in der Stadt unterwegs - als Chef des Nikolaus-Service-München mit 20 Mitarbeitern. In der tz packt er über seine Einsätze aus.

Wie gefragt sind denn Ihre Dienste heute noch?

Günter Tobsch: Wir sind jedes Jahr ausgebucht! Wir besuchen Familien zu Hause, kommen in Kindergärten, Schulen, Firmen, Vereine. Uns buchen Familien aus allen Schichten. Nicht nur Einheimische - auch Italiener, Griechen, Türken, sogar Syrer.

Wie haben sich denn die Kinder im Lauf der Jahre verändert?

Tobsch: Auf eine gute Erziehung wird heute oft kein Wert mehr gelegt. Da sind Kinder, die zum Nikolaus sagen: „Hey, Alter, was willst du denn?“ Natürlich gibt es auch noch liebe Kinder. Aber die Klientel wird – überspitzt ausgedrückt - immer respektloser, immer frecher. Wobei: Richtige Hundskrüppel hat’s auch früher gegeben. Wie den Maxl …

Was war mit dem Maxl?

Tobsch: Das war ein richtiger Michel von Lönneberga. Der hat aus dem Fenster Eier auf alte Frauen geschmissen. Und er prahlte: „Dem Nikolaus tret ich in den Arsch.“ Als wir zu der Familie kamen, habe ich als Krampus nur kurz mit der Kette gerasselt, es gab einen Schrei - und der Maxl hat sich hinter der Couch versteckt. Genützt hat’s aber nix: Der Bub blieb saufrech.

Gibt’s auch unter den Eltern schwierige Fälle?

Tobsch: Manche stellen ihr Kind mit Gewalt vor uns hin, damit es ein Gedicht aufsagt. Die Kleinen klammern sich dann vor Angst an der Couch fest. Oder die Geschichte mit der bösen Großmutter: Die Frau residierte mit ihrer Enkelin in einer Villa in Harlaching. Sie ließ das Mädel ein Stück am Klavier vorspielen. Es war aufgeregt, machte Fehler - da schimpfte die Oma rum. Das arme Kind musste das Stück immer wieder spielen. 20 Minuten lang! Schließlich ist das Mädchen weinend zusammengebrochen. Seitdem sage ich immer: Wir mögen es, wenn Kinder uns etwas vorspielen, aber nur, wenn sie selber wollen.

Ist Ihre Rute im Einsatz?

Tobsch: Natürlich nicht! Jedes Jahr wollen einige Eltern von uns, dass wir die Kinder hauen oder sie in den Sack stecken. Das würden wir nie tun.

Was hat sich sonst verändert?

Tobsch: Es gibt einen kleinen Trend: weg vom Nikolaus – hin zum Weihnachtsmann. Viele, die aus Ostdeutschland zu uns gezogen sind, bestellen am 24. Dezember den Weihnachtsmann. Manche wollen nicht den Nikolaus mit Krampus, sondern Engerl an seiner Seite.

Kriegen Kinder heute noch Apfel, Nuss und Mandelkern?

Tobsch: Unter einem Smartphone oder Tablet geht heut gar nichts mehr. Wir haben Familien, wo wir pro Kind drei Säcke mit Geschenken anschleppen. Einer hat mal ein Schlagzeug gekriegt – für 20 000 Euro! Da konnte ich mir die Frage an den Papa nicht verkneifen: Kriegt der zu Weihnachten einen Ferrari? Wir haben uns früher über Schokolade gefreut. Heute brauchen Kinder eine Playstation zum Glücklichsein.

Interview: Andrea Stinglwagner

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