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Nockherberg: Darum mag Biedermann nicht mehr

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Alfons Biedermann hört auf

München - Der Reformator hat genug: Alfons Biedermann, der das Singspiel seit 2010 zu einer TV-tauglichen Unterhaltungs-Comedy verwandelt hat, macht Schluss auf dem Nockherberg! Nun brodelt die Nachfolge-Gerüchteküche.

Der 45-Jährige erreichte zusammen mit Luise Kinseher als Fastenpredigerin Bavaria Rekord-Quoten. Dennoch gab’s Kritik an seinen Inszenierungen, vor allem aus der Ecke der an den Klamauk-Kulissen hängenden Nockherberg-Traditionalisten. Paulaner-Brauerei und Biedermann sind bemüht, ein Bild des Abschieds ohne Zorn zu zeichnen. Und doch ist es ein Ende mit Groll.

Berauscht von den Rekord-Quoten – 2,78 Millionen Zuschauer (9,2 Prozent) bedeuteten am 9. März den deutschlandweit besten Marktanteil aller Zeiten –, schien eine Verlängerung nur Formsache. Sowohl Paulaner-Chef Andreas Steinfatt als auch BR-Fernsehdirektor Gerhard Fuchs jubelten: „Das Singspiel war kreativ, aktuell und hat die Politiker gut charakterisiert.“

Jetzt das Aus! „Ich hatte drei tolle Aufführungen und viel Spaß“, formuliert es Biedermann diplomatisch. Doch es ist kein Geheimnis, dass ihn die Kritik an seinem modernen Konzept, seinen Personalentscheidungen und der ewige Vergleich mit seiner bühnenbild-lastigen Vorgängerin Eva Demmelhuber zunehmend genervt hat. Mit dem Unterton eines Missverstandenen stellt er fest: „Mein Konzept der Inszenierung als Fernsehshow ist aufgegangen. Jetzt bin ich gespannt, welche Ideen ein neues Team auf die Bühne bringt.“

Paulaner will in 14 Tagen einen Namen präsentieren. „Biedermann hat das Singspiel entstaubt und in ein neues Zeitalter geführt“, sagt Steinfatt. Er gewinnt der latenten Kritik auch Positives ab: „Unterschiedliche Meinungen sind ein Zeichen, dass sich viele Menschen mit dem Nockherberg beschäftigen. Deshalb werden wir unseren Weg konsequent weitergehen.“

Wer macht’s? Wie immer brodeln große Namen in der Gerüchteküche – vom Oberammergau-Spielleiter Christian Stückl (utopisch) bis hin zum Kult-Regisseur Marcus H. Rosenmüller (wünschenswert).

Der Kontrakt mit Luise Kinseher hingegen wurde bereits verlängert. Sie geht am 27. Februar wie Biedermann im Vorjahr in die dritte Runde.

Stefan Dorner

Nockherberg: Die besten Bilder der letzten 30 Jahre

Von 1982 bis 1990 hielt Volksschauspieler und Paulaner-Werbeträger Walter Sedlmayr die Festrede beim Starkbier-Anstich auf dem Nockherberg. © Schlaf
Volksschauspieler Max Grießer 1996 als Fastenprediger Bruder Barnabas. © Schlaf
Schauspieler Erich Hallhuber hielt 1997 die Fastenpredigt. © Haag
1999 gab Gerd Fischer den Bruder Barnabas. © Schlaf
Die damalige Generalsekretärin der CDU, Angela Merkel (l), ihr Double, die Schauspielerin Corinna Duhr (r), FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle (Mitte) und dessen Double, der Schauspieler Holger Paetz (hinten links) stoßen 2000 auf dem Nockherberg mit ihrer Maß Starkbier an. © dpa
Stoiber-Schauspieler Michael Lerchenberg 1994 beim Singspiel. © Schlaf
"Fitness-Studio Nockherberg" hieß das Singspiel 1994. © Schlaf
Eine Szene vom Singspiel 1997: Edmund Stoiber (links) belehrt Kanzler Helmut Kohl. © Haag
Christine Neubauer beim Singspiel 1998. © Haag
Impression vom Singspiel 1998: Von links der damalige niedersächsische Ministerpräsident Gerhard Schröder (SPD), Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber und der Schröder-Darsteller. © Haag
Ein Schauspieler verkörpert den damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) beim Singspiel 2001. © Haag
Ein Bild vom Singspiel 2001. © Haag
Das Singspiel 2002 war ein politisch hochinteressantes: Damals war Schröder (linker Darsteller) Kanzler und Edmund Stoiber der Kanzlerkandidat der Union. © Haag
Nockherberg 2004: Die Darsteller (links) des damaligen FDP-Chefs Guido Westerwelle und des bayerischen Wirtschaftsministers Erwin Huber (CSU). © Haag
"Tatort Nockherberg" hieß das Singspiel 2005: Links Corinna Duhr als damalige CDU-Chefin Angela Merel und Michael Lerchenberg als Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU). © Haag
"Trauminsel Nockherberg" war der Titel der Starkbierprobe 2006. Links Kai Taschner als Ludwig Stiegler (SPD). rechts Stephan Zinner als CSU-Generalsekretär Markus Söder. © Haag
Das Singspiel 2008 hieß "Tankstelle Nockherberg". Von links Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU), Eva-Maria Höfling als Grünen-Politikerin Claudia Roth und die echte Claudia Roth. © Schlaf
Singspiel 2008: Links Winfried Frey als CSU-Chef Erwin Huber und Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU). © Schlaf
Stephan Zinner 2008 als Markus Söder (CSU), Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten. © Schlaf
Stoiber-Darsteller Michael Lerchenberg 1999 beim Singspiel 1999 mit dem Titel "Richtfest auf dem Nockherberg". © Schlaf
Ein Bild vom Singspiel 1999. © Schlaf
1860-Präsident Karl-Heinz Wildmoser (links) mit Bayern-Manager Uli Hoeneß im Jahr 1999.  © Schlaf
Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU, links) 1999 mit FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle. © Schlaf
Ein Bild vom Singspiel 1999. © Schlaf
Lachend und mit Zigarre zeigt sich das Double von Bundeskanzler Gerhard Schröder, der Schauspieler Paul Neuhaus, im Jahr 2000 auf dem Nockherberg. © dpa
CSU-Chef Theo Waigel (links) und Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU, rechts) beim Starkbieranstich 1996. © Schlaf
Ein fast himmlisches Vergnügen: Der bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauss (CSU) geniesst beim Starkbieranstich 1981 lächelnd den ersten Schluck Salvator aus einem Bierkrug. © dpa
"Bruder Barnabas" prostet einem Strauß-Bild zu. © dpa
Das Singspiel 2006 trug den Namen "Trauminsel Nockherberg". Von links Holger Paetz als FDP-Chef Guido Westerwelle, Michael Lerchenberg als Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) und Corinna Duhr als Kanzlerin Angela Merkel (CDU). © Weissfuss
Corinna Duhr als Kanzlerin Angela Merkel (CDU) beim Singspiel 2006. © Weissfuss
André Hartmann 2006 als Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD). © Weissfuss
Fastenprediger Bruno Jonas beim Starkbieranstich 2006. © Weissfuss
Ein Bild vom Singspiel 2006: Von links Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl, 1860-Präsident Karl-Heinz Wildmoser und Arabella Pongratz, Wirtin der Paulaner-Festhalle. © Weissfuss
Bild vom Starkbieranstich 1997: Links Bayerns Minsterpräsident Edmund Stoiber (CSU). Rechts CSU-Chef Theo Waigel.  © Haag

Das sagen die Doubles

Wolfgang Krebs (Horst Seehofer) und Angela Ascher (Christine Haderthauer) waren zusammen mit „Söder“ Stephan Zinner die Stars des Singspiels auf Biedermanns letztem Nockherberg am 7. März 2012. Was sie zum Aus sagen:

„Ich bedauere es sehr, weil ich von Anfang an dabei war und sehr gut mit ihm zurecht gekommen bin. Und die Quoten haben ihm ja recht gegeben“, sagte Krebs zur tz. Trotz 200 Aufführungen pro Jahr hat er den Nockherberg-Termin freigehalten – und hofft, dass der neue Autor ihn wieder anruft.

Das gilt auch für Ascher, die Biedermann ebenfalls eine Träne nachweint. „Er hatte schon immer gegen Strömungen aus der Ära seiner Vorgängerin zu kämpfen. Aus meiner Sicht aber ist der Hauptgrund für seinen Abschied, dass er wieder mehr Kino-Projekte in Angriff nehmen will.“

Für Zinner hingegen hat sich das Aus schon im Vorjahr „angebahnt“. Bereits bei den Proben sei die Stimmung „am Hund gewesen“, sagte er dem Münchner Merkur.

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