"Renaissance und Rettung"

Nockherberg: So fanden die Politiker das Singspiel

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Uli Bauer (l) als Christian Ude und der Schauspieler Wolfgang Krebs als Horst Seehofer.

München - So viel Lob war selten: Eine Mama Bavaria, die süffig einschenkte – und das erste Singspiel von Marcus H. Rosenmüller, das Begeisterungsstürme auslöste. Das sagten die Politiker nach dem Nockherberg-Spektakel:

Und auch aus den SPD-Kollegen sprudelte das Lob nur so heraus: Der Münchner OB und SPD-Spitzenkandidat Christian Ude sah Rosenmüllers Premiere auf dem Starkbierolymp gar als „Renaissance und Rettung des Singspiels“. Dass die neuen Macher wieder zum Theaterspiel zurückgekehrt seien, sei wunderbar. „Jetzt beziehen sich die Schauspieler wieder aufeinander und laufen nicht als Nummerngirls nacheinander auf die Bühne.“

„Es ist tiefgründiger geworden. Das letzte Singspiel war Comedy, heute haben wir beispielhaftes politisches Kabarett erlebt“, sagte Landeschef Florian Pronold. Und der aus Berlin angereiste Nockherberg-Neuling Frank-Walter Steinmeier musste eingestehen: „Ich muss zugeben, dass ich das hier unterschätzt habe.“ Das Derblecken sei „Karneval mit Tiefgang“. Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger lobte sein Double Stefan Murr in den höchsten Tönen: „Ich habe immer wieder nachgeschaut, ob ich noch am Tisch sitze“, witzelte er. Auch Ude freute sich besonders über sein Double Uli Bauer: „Es war eine glückliche Entscheidung, ihn auf den Nockherberg zurückzuholen. Er kann mich von der Stimme bis zur Mimik eben perfekt imitieren.“

Nockherberg: Die besten Sprüche des Singspiels

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Luise Kinseher alias Landesmutter „Mama“ Bavaria bekam für ihre inzwischen dritte Salvator-Rede die höchste Zustimmung des Landesvaters Seehofer: „Die Rede war sehr in Ordnung, spritzig und schärfer als im Vorjahr“, sagte er. Und was im Wahljahr wichtig sei: „Sie hat gerecht in alle Richtungen ausgeteilt.“

Auch Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) fand das Derblecken der Bavaria nicht zu scharf: „Kinseher hat als Mama gesprochenen, hat die Leviten gelesen – das aber auf eine sehr charmante Art.“

Die Politiker und ihre Double auf dem Nockherberg

Die Politiker und ihre Doubles auf dem Nockherberg

Zielgenau sei Kinseher gewesen, betonte Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU), „sie hatte eine sehr hohe Trefferquote.“ Dass sie als „Pferd Fury“ bezeichnet worden sei, störe sie nicht. „Das Pferd war schließlich blitzgescheit.“ Nicht beleidigt zeigte sich auch Ramsauer angesichts der „Beton“-Witze auf seine Kosten: „In der Pause hat mich jemand gefragt, ob ich die Pointen über mich heuer selbst geschrieben habe“, sagte er. Mitleid mit Markus Söder hatte bei der Rede Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger: Er hat mir schon leid getan. Dass sie bei mir wieder mit dem Dialekt daherkommen, war zu erwarten. Aber ganz ehrlich: Ich sage das ,o‘ gar nicht so extrem.“

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Nicht umfassend gewürdigt fanden die Grünen deren Landeschefin Margarete Bause: „Aber dass ihr zu uns nicht so viel eingefallen ist, lag bestimmt an den anderen. Mit denen hatte sie genug zu tun.“ Nicht hart genug mit der Regierung ins Gericht ging Kinseher Christian Springer alias „Fonsi“. „Wenn sie das Bild der Schifffahrerei nimmt, dann hat sie mir zu wenig über die Havarien der bayerischen Staatsregierung erwähnt.“ „Ich finde sie großartig“, sagte dagegen Moderatorin Carolin Reiber, „ich habe aber trotzdem noch immer ein bisschen Sehnsucht nach dem Bruder Barnabas.“

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Noch vor dem Singspiel zeigte sich der Münchner Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer hoch zufrieden. „Die Rede hatte viel feinsinnigen Humor, das war bayerisches Derblecken im besten Sinne.“ Ob er das auch nach dem Singspiel noch war, als die Debatte über den Faustschlag eines Polizisten gegen eine junge Frau mit dem Lied „Drunt in der greana Au, schlogns de Madl schee blau“ gewürdigt wurde, war nicht mehr herauszufinden.

Von Caroline Wöhrmann

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