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Aus für Nockherberg-Double offiziell: Söder meldet sich sofort auf Twitter - „Manchmal war er ...“

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Von: Johannes Löhr

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Stephan Zinner
Markus Söder (CSU, r.) und sein Double Stephan Zinner beim traditionellen „Politiker-Derblecken“. © Tobias Hase/dpa/Archiv

15 Jahre lang war er vom Nockherberg nicht wegzudenken: Stephan Zinner hört als Söder-Double beim „Derblecken“ auf. Im Interview blickt er zurück.

München - Stephan Zinner (47) hat das Singspiel auf dem Münchner* Nockherberg 15 Jahre lang dominiert. Als Double von Markus Söder – ob als Generalsekretär, Staatsminister oder seit 2018 als Bayerischer Ministerpräsident – legte er ein ums andere Jahr fulminante Auftritte hin, die selbst manche nicht so gelungene Inszenierung wettmachten. Jetzt hört er auf. Im Guten, wie er betont.

Herr Zinner, dass Sie am Nockherberg aufhören, ist ein herber Schlag für alle Fans des Derbleckens – vor allem aber für Markus Söder, oder?

(lacht herzhaft) Das glaube ich jetzt nicht, dass das für den Ministerpräsidenten ein herber Schlag ist. Gerade hat der doch genug andere Sachen um die Ohren.

Na ja, mancher Wähler hat möglicherweise geglaubt, Söder sei wirklich so, wie Sie ihn seit 2006 dargestellt haben: selbstverliebt, hinterfotzig – aber halt auch ziemlich cool.

Die Rolle ist von den Singspiel-Autoren so geschrieben worden. Aber es stimmt schon, man sucht sich für eine Bühnenfigur Aspekte raus, die gut funktionieren. Und Söder versucht nun mal, auch im nicht optimalen Verlauf der Dinge eine gewisse Lässigkeit auszustrahlen. Wenn man ihn jetzt wieder im Kampfjet in den Medien sieht: Er hat schon den Drang zur großen Pose – etwas Amerikanisches.

Gestern twitterte er Ihnen ein Dankeschön für 15 Jahre Nockherberg und spricht von „bayerischer Kunst in Hochform“.

Ich bin ja nicht auf Twitter. Aber er hat mir die Nachricht auf dem Handy zugeschickt. Und ich habe mich natürlich riesig über das Lob gefreut.

Söder-Double verkündet Nockherberg-Aus: „Bin zu der Entscheidung gekommen, dass es jetzt auch mal langt“

Was war der Grund für Sie, aufzuhören? Dass Sie zu sehr mit dieser Rolle identifiziert wurden?

Ich habe ihn ja nie in meinen Kabarettprogrammen oder sonst im Fernsehen gespielt. Die Rolle als Söder hat sich eigentlich nicht eingeschliffen, sie hat nur immer rund um den Starkbier-Anstich eine große Aufmerksamkeit bekommen – die dann aber auch schnell vorbei war.

In der Vergangenheit gab es nicht selten Zwist hinter den Kulissen des Nockherbergs – bei Ihnen macht es aber nicht den Eindruck.

Nein. Ich wünschte, ich könnte etwas Spektakuläreres sagen, aber ich verstehe mich wunderbar mit den Singspiel-Leuten, auch mit Paulaner, da kann ich meinem Nachfolger gratulieren. Aber nach 15 Jahren bin ich zu der Entscheidung gekommen, dass es jetzt auch mal langt.

„Manchmal war er besser als das Original“

Der Weggang von Stephan Zinner schmerzt: „Wir hätten ihn gerne noch umgestimmt“, so Paulaner-Chef Andreas Steinfatt, „aber natürlich respektieren wir seine Entscheidung.“ Singspiel-Autor Richard Oehmann nimmt’s mit Humor: „Schade – aber verständlich, dass man nicht sein Leben lang der Söder sein will.“ Er und Regisseur Stefan Betz haben nun die nicht eben leichte Aufgabe, für Ersatz zu sorgen. Dem Vernehmen nach haben die ersten Treffen für das Singspiel 2022 bereits stattgefunden. Neben der Pandemie sorgt freilich die politische Lage für dicke Fragezeichen. Denn nicht nur steht noch keine Bundesregierung – auch die bayerischen Schwergewichte, die bei der Salvator-Probe traditionell im Fokus stehen, werden weniger sein, weil die CSU in der Opposition sitzt. Auch Stefan Murr, der bereits als Karl-Theodor zu Guttenberg, Alexander Dobrindt und Andreas Scheuer auf der Singspiel-Bühne stand, weiß noch nicht, ob er erneut eine Rolle spielt. Doch er weiß, dass das Team Zinner vermissen wird. „Er ist nicht nur ein toller Schauspieler, sondern auch ein Superkollege. Aber ich verstehe, dass er nach 15 Jahren auch mal was anderes machen will.“ Markus Söder übrigens zeigte sich angesichts des Abschieds seines Doppelgängers durchaus angefasst: „Herr Zinner und ich stehen politisch sehr weit auseinander. Aber er hat mich über die gesamte Zeit, vom Generalsekretär bis zum Ministerpräsidenten, begleitet. Manchmal war er besser als das Original. Er war immer Highlight.“

„Das war mein großer Satz: ‚Ich spiele ihn noch, bis er Ministerpräsident wird.‘“

Singspiel-Autor Richard Oehmann meinte, Sie wollten eigentlich schon aufhören, als Söder Ministerpräsident wurde. Man habe Sie aber noch überreden können.

Das war mein großer Satz: „Ich spiele ihn noch, bis er Ministerpräsident wird.“ Ich saß lässig da und kam mir ziemlich cool vor. Man musste mich dann aber gar nicht überreden, weiterzumachen. Dazu war ich einfach zu gerne dabei. Aber ich bin sicher, dass die Autoren Stefan Betz und Richard Oehmann einen guten Nachfolger casten werden – den ich wahrscheinlich auch kenne und schätze. Es ist ja nicht so, dass James Bond stirbt.

Was war Ihre Lieblings-Söder-Szene?

Das waren so viele . . . Zum Singen wirklich witzig war „O Söder mio!“ Damals war die Rolle eigentlich noch recht klein. Als Samurai in der Ritterwelt unterwegs zu sein, hat mir auch gefallen. Und: Diese Western-Nummer war natürlich sehr gut, als „El Marco“, der Horst Seehofer in den Sonnenuntergang verabschiedet.

Sie sind ein sehr guter Sänger und haben auch damit Ihre Rolle geprägt.

Ich konnte mich musikalisch wirklich austoben, da war der Nockherberg perfekt: so viele Genres, eine so coole Band.

Das Nockherberg-Team arbeitet wieder am nächsten Singspiel – so es denn Corona-bedingt stattfinden kann. Was steht bei Ihnen an?

Ich wollte eigentlich im Herbst mein neues Kabarettprogramm vorstellen, habe das aber wegen der Pandemie auf nächsten Sommer verschoben – ich schreibe es gerade um. Es werden viele Blues-Songs dabei sein. Außerdem drehe ich gerade einen neuen „Polizeiruf“. Die Arbeit geht nicht aus.

Und wenn sich im März der Vorhang auf dem Nockherberg öffnet?

Dann sitze ich daheim auf der Couch, mit meinen Kindern und einem Weißbier. Ich freue mich schon drauf!

Das Interview führte Johannes Löhr - *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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