Die Kandidaten unter der Lupe

Nach Abschied der Mama Bavaria vom Nockherberg: Harry G Favorit für Nachfolge

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Folgt er auf Mama Bavaria? Harry G gilt als einer der Favoriten auf den Posten des künftigen Fastenpredigers.

Luise Kinseher alias Mama Bavaria nimmt nach ihrer Fastenpredigt 2018 ihren Hut. Jetzt stellt sich die Frage: Wer darf sich künftig über die Politiker auslassen? Wir nennen die Favoriten.

Tosender Beifall, stehende Ovationen: Es war ein fulminanter Abschied unserer Mama Bavaria. Ministerpräsident Horst Seehofer (68, CSU) ließ es sich am Mittwoch auf dem Nockherberg nicht nehmen, seiner Mama dankbar die Hände zu drücken. Und jetzt fragt sich jeder: Wer wird ihr nachfolgen? Der tz sagte die bisherige Fastenpredigerin Luise Kinseher (49) am Donnerstag: „Wer es zukünftig mit dem Söder aufnimmt, der darf kein Leichtgewicht sein.“ Wahre Worte. Schon Mittwochabend fiel mehrmals der Name Harry G. Wir haben uns mal umgehört, wer denn für die Rolle infrage kommt. Rein spekulativ, versteht sich.

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Kommt jetzt Comedy?

Insider munkeln, dass der Nockherberg sich noch weiter vom klassischen Politiker-Derblecken entfernen wird. Die Tendenz war ja schon da, wenn man Michael Lerchenbergs zornige Barnabas-Reden mit Luise Kinsehers eher milder Mama Bavaria vergleicht. Wäre das also nicht die Gelegenheit für den „Nachwuchs“, der aus der Comedy-Ecke kommt, der nicht explizit politisch denkt, aber in München verwurzelt ist und die brennenden Themen kennt?

Einer wie Harry G? Der kann sich das zumindest vorstellen, auch wenn „Lui­se Kinseher das acht Jahre lang fabelhaft gemacht hat und ich ihr haushoch unterlegen wäre“, wie er sagt. Ein politischer Kabarettist ist der 38-Jährige zwar nicht, aber Münchner Themen spricht er direkt an. Und er poltert auch gern. „Klar, Themen wie Münchner Leben, wie Münchner Wohnraum, die brennen mir unter den Nägeln.“ Wenn eine Anfrage käme, dann würde er sich das schon überlegen. „Natürlich ist alles offen. Aber es gibt viele Gute, die das machen können.“ Einen Schreiber könnte er ja ebenfalls zur Hand haben - wer sagt schließlich, dass Thomas Lienenlüke nicht auch für ihn unterstützend eingreifen könnte?

„Ein Schreiber wäre schon sinnvoll“, pflichtet Harry G bei. „Der ein Gespür dafür hat, was auf dem Nockherberg geht. Welche Seitenhiebe vertretbar sind und was übers Ziel hinausschießt.“

Wahrscheinlichkeit: 80 %

Helmut Schleich (50)

Für viele Kollegen wäre Helmut Schleich die Idealbesetzung. Aber da müsste die Brauerei wohl einige Kröten schlucken. Das brillante FJS-Double Schleich macht keine Kompromisse.

Wahrscheinlichkeit: 70 %

Andreas Giebel (59)

Aufgmerkt, Herr Söder: Andreas Giebel hat eine fränkische Ehefrau! Aber: „Bis zum nächsten Nockherberg wird noch viel Wasser die Isar hinunterfließen. Ich gehöre zu den Menschen, die sich erst Gedanken machen, wenn etwas so weit ist. So halte ich es auch mit dem Nockherberg. Alles kommt, wie es kommt. Zudem sitze ich auch gern im Publikum und genieße meine Kolleginnen und Kollegen. Die Idee, dass 2019 ein fränkischer Kabarettist die Mama Bavaria ersetzen könnte, finde ich sehr gut.“

Wahrscheinlichkeit: 30 %

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Rainer Maria Schießler (57)

Er nimmt kein Blatt vor den Mund, übt Kritik auch an der Kirche, steht im Leben und hat den Draht nach oben: Pfarrer Schießler. „Manche Schleudersitze suche ich mir nicht aus – es ist ein Unterschied, ob ich in der Kirche predige oder dort. Das müssen schon Profis machen.“ Zudem: „Der Steinfatt kennt mich so gut, dass er mich nicht anfragt.“

Wahrscheinlichkeit: 25 %

Christian Ude (70)

Warum nicht ein Alt-OB mit Kabarett-Erfahrung und Eloquenz? Christian Ude lacht. „Meine staatsmännische Antwort lautet: Mein einziger Wunsch ist, dass die Brauerei nach Qualität aussucht und sich nicht auf irgendwelche Politiker-Vorschläge einlässt.“ Im Übrigen „verweigere ich jede Art der Äußerung, die mich ins Gespräch bringt“. Wir sagen: Außenseiterchancen wie die SPD.

Wahrscheinlichkeit: 15 %

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Christian Springer (53)

War Co-Autor bei Lerchenbergs Wutrede, die jenem den Rausschmiss bescherte. Er nimmt’s wie so oft humorig: „Unter Söder wird alles so supertoll, dass es kein Levitenlesen mehr braucht“, sagt er. Er empfiehlt der Brauerei, das Personal deutlich aufzustocken, „weil es jetzt unfassbar viele Bewerbungen geben wird“. Ihn wohl kaum…

Wahrscheinlichkeit: 5 %

Waltraud (51) und Mariechen (48)

Ein fränkischer Ministerpräsident, der sich an Fasching gern verkleidet – passt doch für Martin Rassau und Volker Heißmann alias Waltraud und Mariechen! Oder? „Das ist nix für uns! Wir sind überhaupt keine politischen Kabarettisten, wir wollen, dass bei uns aus dem Bauch gelacht wird. Außerdem sind wir keine Hofnarren, über die Politiker entscheiden, ob wir noch mal auftreten dürfen oder nicht.“

Wahrscheinlichkeit: 2 %

Michael Lerchenberg (64)

Hatte als zorniger Barnabas der Brauerei und den Politikern das Kraut ja schon ausgeschüttet. Er sagt: „Ich befürchte die Tendenz, dass der nächste Fastenprediger unverbindlicher wird. Derzeit überwiegt Show statt Satire. Aber Paulaner ist ja für überraschende Besetzungen gut.“

Wahrscheinlichkeit: 1 %

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Ottfried Fischer (64)

Er kennt den Nockherberg seit Jahren: Kabarettist Ottfried Fischer. Der Neu-Passauer könnte sich Harry G schon als neuen Barnabas vorstellen: „Das wäre eine Verjüngung des Ganzen. Und seien wir ehrlich: Man will ja, dass es etwas derber wird.“ Sein Wunsch-Kandidat wäre aber Helmut Schleich. „Er ist sprachlich extrem gewitzt. Aber die Frage ist, ob er zum Brauerei-Kabarettisten werden will.“ Und Otti selbst? „Haha!“

Wahrscheinlichkeit: 0 %

T. Layes, M. Bieber, A. Geier

Das sagt Franz Josef Strauß

Mama Bavaria hört auf. „Sic transit gloria mundi“, würde Franz Josef Strauß kommentieren. So vergeht der Ruhm der Welt. Was spricht Strauß’ Stellvertreter auf Erden, der Kabarettist Helmut Schleich (50)?

Herr Strauß, war der Nockherberg früher bayerischer?

Strauß: Nein. Wenn jetzt von einigen kritisiert wird, dass ein westfälischer Preuße (Thomas Lienenlüke, d. Red.) an der Rede maßgeblich beteiligt war, dann kann ich nur sagen: Schon König Max II. hat den Literatur-Nobelpreisträger Paul Heyse nach München geholt. Und der stammte aus Berlin. Wir Bayern hören bekanntlich das Gras wachsen, und wenn wir es nicht mehr hören, dann fragen wir die Preußen.

Ein Wort zu den Sozialdemokraten: Wie kamen die bei der Mama weg?

Strauß: Die SPD hätte nach den vergangenen Wochen stärkeren Tobak verdient gehabt. Allein, dass die SPD das Finanzministerium bekommt, ist so, als würde man den Hund mit der Beaufsichtigung des Wurstvorrats beauftragen. So abwegig ist das aber gar nicht, schließlich sind heute sogar schon Hunde SPD-Mitglieder. Und die haben weiß Gott Haare im Gesicht. Die Partei muss aufpassen, dass der Bundesvorsitzende kein Hundesvorsitzender wird.

Wird nach der letzten Schelte der Mama Bavaria das Gejaule im Rathaus groß sein?

Strauß: Dass man mit denjenigen, die aus München eine Immoblienbank gemacht haben, nicht härter ins Gericht geht, kann nur mit der reinen Mutterliebe der Mama Bavaria erklärt werden. Ein Papa Bavarius würde womöglich Bockfotzen verteilen, und wenn zehnmal der angeheiratete Nachwuchs meines alten Freundes Josef Schörghuber Gastgeberin ist. Was die Mama Bavaria mit Papst Benedikt XVI., mir und einem guten Rotwein gemeinsam hat: Die wahre Größe zeigt sich im Abgang.

Er kann Franz Josef Strauß, aber auch Fastenpredigen? Helmut Schleich kann sich durchaus Hoffnung auf die Nachfolge von Mama Bavaria machen.

mb

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