Nockherberg 2014

Bavaria: So harmlos wie eine Radler-Mass

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Landesmutter Bavaria (Luise Kinseher) war diesmal äußerst gnädig mit ihren Kindern

München - Luise Kinseher hielt ihre vierte Starkbier-Rede auf dem Nockherberg – und die fiel in diesem Jahr ziemlich brav aus. Bavaria blieb ihrem Konzept treu.

Die Bavaria ist zum vierten Mal von der Theresienwiese rübergepilgert auf den Nockherberg, um mit ihren mehr oder weniger missratenen Landeskindern ins Gericht zu gehen. Und die Mama in Person von Luise Kinseher war gestern ziemlich milde gestimmt. Sie knöpft sich zwar jeden vor, tut aber, mit Ausnahme vom ritualisiert hart angefassten Markus Söder, keinem so richtig weh. „Harmlos wie ein Radler“ sei laut Meinung der CSU Putins Russland. Und ein bisserl gilt das auch für ihre Starkbier-Rede. Ein paar gschmackige Sprüche, amüsante Wortspiele, jedoch keine harten Salven auf die Regenten im Saal.

Die Bavaria bleibt ihrem Konzept treu. Sie schaut, dass irgendwie jeder drankommt. Mit Ausnahme von Hubert Aiwanger vielleicht und der FDP. Es wirkt ein bisserl wie eine Rückschau, mindestens bis zur letzten Landtagswahl. Und als Gag verliest sie Protestbriefe ihrer Kinder von Dobrindt bis Aigner, die sich bitterböse beschweren über diesen Seehofer und seiner „Horstokratie“.

„Wir haben derzeit eine Delegation aus Nordkorea da. Die wollen anhand vom Seehofer herausfinden, wie man die Alleinherrschaft absichert, ohne gleich die ganze Verwandtschaft umbringen zu müssen“, brilliert Bavaria. Sie ist zudem mobil geworden. Die Mama hat ihr Handy dabei, auf der Ude per SMS fragt, wann er endlich drankommt.

Treffend hackt sie auf Seehofers Wankelmütigkeit herum. Seiner „7. Wende bei der Energiewende“. Für die sei er ja grundsätzlich schon, aber halt ohne Strom­trassen und Windräder.

Die Starkbier-Probe im Ticker zum Nachlesen

Ein paar Watschn gibt es für die CSU-Gefallenen „im Schlachtfeld der Koalition“: Ramsauer, der ein super Minister war – laut ADAC. Friedrich, der ein Held wurde – aber erst, nachdem er weg war. Dass hinter der Edathy-Affäre eine an Intrigen nicht zu überbietende Regierungskrise der jungen Großen Koalition steckt, bleibt Bavaria schuldig. Und somit auch die grenzenlose Dummheit der Schwarzen, dass sie einen der ihren opfern mussten wegen der SPD.

Apropos Gefallene: Während der Miesbacher Spesen-Landrat Jakob Kreidl sogar einen Brief an die Mama schreiben darf, kommt der mit der rekordmeisterlichen Fallhöhe, Uli Hoeneß, mit zwei Fußball-Zitaten von ihm selbst davon. Häme hätte er sich nicht verdient, aber ein bisschen hintersinnig Derblecken schon, der Vater Teresa vom Tegernsee a.D.

Nur einer kam noch ungeschorener davon: Christian Ude. Der muss zwar im nächsten Jahr am „Gruftitisch mit Edmund Stoiber sitzen“. Ansonsten reserviert Bavaria für ihn einen hymnischen Schluss. Dass Ude, immerhin Ikone der am Sonntag arg abgestürzten Münchner SPD, 20 Jahre oben geblieben sei, verleitet sie zum Satz, der auch vom Parteitag der Genossen stammen könnte: „Macht’s des erst mal besser!“

Auch Bavaria lässt fürs nächste Mal Luft noch oben. Lieb, amüsant und gerecht, sagen die meisten Politiker im Saal über die Rede. Vielleicht waren sie selbst ein bisserl überrascht, wie milde sie diesmal war. Gestrahlt und geglänzt hat Kinseher dann als Schauspielerin beim Kurzauftritt im Singspiel. Dort, wo vor ihrem Wechsel zur Fastenrednerin für sie alles begann am Nockherberg.

Stefan Dorner

Nockherberg 2014 - die besten Bilder

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Die Sprüche der Landes-Mama

Einige Sprüche aus Luise Kinsehers Rede. Die Landes-Mama Bavaria ...

  • ... über die Münchner OB-Kandidaten Reiter (SPD) und Schmid (CSU): „Der Ude war auch mal farblos und langweilig. Charisma kommt mit der Macht!“
  • ... über Bildungsminister Ludwig Spaenle (CSU):  „Wenn alle Kinder so gscheid wären wie er selber, dann könnte er das Gymnasium gleich ganz abschaffen.“
  • ... über CSU-Generalsekretär und Ex-Dr. Andreas Scheuer aus Passau: „Hoffe nicht auf die nächste Flut, dass die alles wegschwoabt! Du stehst ab jetzt unter meiner Beobachtung!“
  • ... über Landtagsfraktionschefin Margarete Bause (Grüne):  „Eine Premium-Opposition wollte sie werden – und jetzt verwaltet sie die grüne Resterampe!“
  • ... über Staatskanzlei-Chefin Christine Haderthauer (CSU):  „Du bist praktisch Seehofers ganz persönliche Vorhölle.“
  • ... über CSU-Parteivize Peter Gauweiler:  „Er ist die eiserne Reserve der CSU und wie eine alte Jacke im Schrank: schon abgewetzt, aber irgendwie zu schade fürs Rote Kreuz.“
  • ... über Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU):  „Eine Kronprinzessin hättest du werden sollen – und eine Faschingsprinzessin hat der Seehofer aus dir gemacht!“
  • ... über Bundestagsfraktionschef Anton Hofreiter (Grüne): „Und dann kommt da auch noch dieses grüne Dings, na wie heißt die Frau, die mit den Haaren? Genau, Hofreiter heißt sie!“
  • ... über Finanzminister Markus Söder (CSU):  „Irgendwie wirst du immer schöner und beliebter. Man merkt: Die Leute gewöhnen sich an dich. Wenn auch wider­willig.“

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