Nockherberg 2015

Bavarias Bockfotzn! Kinseher bissig wie nie

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Bissige Bavaria! Luise Kinseher ist so stark wie nie.

München - Luise Kinseher legt in ihrer fünften Fastenrede als Mama Bavaria deutlich an Schärfe zu und teilt aus wie nie. Das wahre Derblecken ist zurück auf dem Nockherberg.

Da hat der Heilige Vater in Rom die Landesheilige in Bayern offenbar gehörig inspiriert. Papst Franziskus hat gesagt: Eine Tracht Prügel für Kinder ist okay, wenn würdevoll zugeschlagen wird. Und die Bavaria hat sich gedacht: Dann kann ich so gewaltig wie noch nie austeilen gegen meine Landeskinder. Bockfotzn sagt der Bayer zu schallenden Ohrfeigen. Davon gab es am Mittwochabend bei ihrem fünften Auftritt als Rednerin auf dem Nockherberg reichlich.

Luise Kinseher (46) brilliert mit viel Witz, Wortspielen, wunderbar verdrehten Sätzen und Gedanken. Ein Streifzug durch die Abgründe der unrühmlichen bayerischen Politikseelen, die ihr so viel Kummer bereiten, weil sie immer nur „Geschichten machen, aber nie Geschichte“. Kein Anwärter für die Ruhmeshalle gleich hinter der Bavaria auf der Theresienwiese, nirgends.

Allen voran Horst Seehofer, dem widersprüchlichsten aller denkbaren Landesväter, geht es an den Kragen. Bavaria haut ihm ein Luther-Zitat um die Ohren. Der habe gesagt: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Du sagst: Du stehst nirgends und kannst immer anders.“ Zuvor rät sie ihm, langsam mit seinen Memoiren zu beginnen, freilich nicht als Buch. „Bring die als Puzzle raus, dann kann man sie immer wieder neu zusammensetzen.“ Sollte sich im Horst am Ende doch noch etwas gegen seinen eigenen Rückzugswunsch 2018 widersetzen, so soll er bitteschön nach Griechenland exilieren. „Die hatten mit König Otto 1832 schon einmal einen bayerischen Regenten“, gibt sich Bavaria geschichtsfest. „Genau 30 Jahre hat das gehalten – danach war Griechenland noch chaotischer als zuvor.“

Fast noch mehr einstecken muss Seehofers derzeit aussichtsreichster Kronprinz Markus Söder. „Der verkauft alles, wenn es sein muss – und am besten sich selbst“, spottet sie. Den Flughafen Nürnberg, dem die Passagiere fehlen, als Lärmschutz. Den Bevölkerungsschwund im ländlichen Raum als Renaturierungsmaßnahme. Wahre Wunder wirken könne er. „So einer sollte im Fasching nicht als Gandhi gehen, sondern gleich als Jesus.“ Egal, um was es geht, die Söder-Formel lautet stets: „Ich plus ich plus ich minus Ilse plus ich!“

Die Ilse, das ist die Aignerin. Seehofer hat seiner einstigen Superministerin auf der Suche nach dem Energiedialog einfach den Saft abgedreht. Bavaria fragt nach ihrem Verhältnis zum Horst. „Ist das eigentlich noch Loyalität, oder hast Du schon das Stockholmsyndrom?“ Doch Bavaria hat die Lösung für Aigners neuen, reinen Strom in Bayern: Man nehme: „Wasser, Russengas und viel Wind vom Horst!“

Ja der Horst, der habe sich auch erstaunlich schnell und gut mit dem neuen Münchner OB Dieter Reiter angefreundet. „Ihr habt euch gesagt: Bauen wir keinen neuen Konzertsaal, dafür gemeinsam eine S-Bahn. Das macht auch Lärm und ist teuer.“ Bei so viel Nähe ist sich die Mama nicht mehr sicher, ob Reiter überhaupt noch ein Roter ist. „Du bist schon noch bei der SPD? Oder hat Dich der Horst schon umgedreht?“, fragt sie und langt nach: „Naja, ein guter Schwimmer kennt beide Ufer!“

Wundern würde das die Bavaria nicht, so inhaltslos wie die Bayern-SPD mit ihren sogenannten Hoffnungsträgern Markus Rinderspacher und Florian Pronold dasteht. Die zwei seien wie zwei Tuben süßer Senf im leeren Kühlschrank, über die man trotzdem sagt: „Da lässt sich doch sicher was Tolles zaubern!“ Eine Partei, angekommen auf der Palliativstation. „Sie wissen: Gesund werden wir nicht mehr. Aber wir gestalten das Ableben so schmerzfrei wie möglich.“

Luise Kinseher legt einen wortgewaltigen Galopp durch die Politik hin. Die Mama verhätschelt ihre Kinder nicht mehr, sie verletzt aber nicht. War es tatsächlich das päpstliche Prügelgeleit, der sie zu mehr Schärfe inspiriert hat? Oder doch Singspiel-Autor Thomas Lienenlüke, der erstmals auch an der Fastenrede mitgeschrieben hat? Egal. Bavarias bissiges Werk und teuflisch gute Beiträge haben für einen zurecht umjubelten Auftritt gesorgt. Das wahre Derblecken ist zurück auf dem Nockherberg.

Stefan Dorner 

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Derblecken am Nockherberg - die besten Sprüche und Bilder

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Die Mama Bavaria über...

Bundes-Mautminister ­Alexander Dobrindt: „Er ist schon da, man sieht ihn nur nicht. Er hat es mit dem Abnehmen übertrieben. Wenn Sie irgendwo eine herrenlose Brille sehen: Das ist er!“

Landwirtschaftsminister Helmut Brunner: „Wenn Bayern das kleine, gallische Dorf in Europa ist, dann ist der Brunner der Obelix. Er ist bloß als Kind nicht in den ­Zaubertrank gefallen.“

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer: „Was hab ich nicht im Kindergarten schon in den Buam investiert: Rhetorik für Zweijährige, Ökonomie für Vierjährige.“

Kultusminister Ludwig ­Spaenle: „Im Herzen ein Wilder, aber ein dezenter. Der Lui hat sich aufs Hirn ein Tattoo machen lassen, aber es ist hautfarben.“

Ex-Staatskanzleichefin Christine Haderthauer: „Die oide Bissgurrn hat es nicht leicht: Für die Politik ist sie moralisch zu verdorben – und die richtigen Kriminellen nehmen sie noch nicht ernst.“

Haderthauers Nachfolger Marcel Huber: „Der ist so unscheinbar. Dem trau ich zu, dass er eines Tages ­Ministerpräsident wird – und keiner merkt’s.“

Landtags-Fraktionschef Thomas Kreuzer: „Zu Dir ist mir gar nix eingefallen. Dann hab ich gegoogelt – auch das hat nichts gebracht.“

Innenminister Joachim Herrmann: „Wenn ich Dich so anschaue, meine ich, Du bist bereits die Nachwelt!“

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