Wie geht es mit der Künstler-Riege weiter? 

Kritik an Kinseher: „Das Publikum hat sie auflaufen lassen“

+
Sie kann es dem Publikum, so scheint’s, nicht recht machen: Luise Kinseher reagierte als Mama Bavaria heuer auf die eisige Stille der Politiker mit einem bitteren „Ich liebe Euch“. 

Die Publikumsreaktionen auf Luise Kinsehers Nockherberg-Rede verärgern ihren Autor. Thomas Lienenlüke wirft den Politikern vor, sie hätten die „Mama Bavaria“ bewusst auflaufen lassen. Bei Paulaner zeigt man sich in Bezug auf die Zukunft der Künstler-Riege zugeknöpft.

München - Er habe lange gefeiert gestern, sagt Thomas Lienenlüke am Donnerstagmittag am Telefon. „Zurecht, wie ich finde. Luise Kinsehers Rede war sehr gut.“ Und das sage er nicht nur, weil er daran mitgeschrieben habe. Auch die Menschen, die auf dem Nockherberg mit am Tisch saßen, hätten sie gelobt. Trotzdem habe ihn die Reaktion des Publikums insgesamt irritiert, sagt Lienenlüke. „Sehr lasch“ sei die gewesen. „Einige in der CSU haben Luise die Rede vom letzten Jahr übel genommen. Die Leute haben Luise auflaufen lassen.“

Nachdem Luise Kinseher im Jahr zuvor arge Kritik vonseiten der CSU hatte einstecken müssen, weil ihre Rede angeblich frauenfeindlich und auch sonst verletzend gewesen sei, fiel ihre Rede dieses Mal weniger konfrontativ aus. Eisiges Schweigen erntete sie an einigen Stellen dennoch. „Entsetzt“ und „erschüttert“ war Kabarettist Christian Springer nach eigenen Worten über die Stille im Saal. Die Rede sei „sehr feinsinnig“ gewesen.

Für Thomas Lienenlüke ist der Nockherberg ein zweischneidiges Schwert: Als Autor des Singspiels erntet er Lob, als Redenschreiber Frust.

„Ich hab aufgehört, es allen recht machen zu wollen“

Ministerpräsident Horst Seehofer, der sich voriges Jahr nur ein „Passt scho“ abgerungen hatte, zeigte sich heuer im Nachgang gnädig. „Pfiffig und hintersinnig“ habe Kinseher gepredigt. Und nie so, „dass sich irgendjemand verletzt fühlen musste“. Markus Rinderspacher von der SPD stellte fest: „Offensichtlich hat die CSU der Bavaria die Zähne gezogen.“ Nockherberg-Wirt Peter Pongratz kann Kinsehers Strategie nachvollziehen: „Nach dem Eklat letztes Jahr musste sie vom Gas gehen.“

Stimmt das? „Pfff“, machte Kinseher am Mittwochabend, als alles vorbei war. „Ich hab’ aufgehört, es allen recht machen zu wollen. Das ist unmöglich.“ Ob sie zahmer gewesen sei nach der ganzen Kritik? „Ah geh, die Rede damals war nicht scharf.“ Und heuer sei’s nicht zahm gewesen. Seit Jahren gehe das so: „Erst war’s falsch, dass ich eine Frau war, dann war’s zu zahm, dann wieder zu hart.“ Die CSU-Politiker hätten sie gelobt – „toll“, seufzt Kinseher. „Ich bezweife aber, dass das ein Qualitätsmerkmal ist.“ Sie habe schon gemerkt, dass ein paar Pointen nicht gezündet hätten. Drum habe sie das auch angesprochen. „Das musste raus.“

„Mir ist egal, was Seehofer sagt“

Kinseher habe gemerkt, dass man sie auflaufen lasse, sagt Autor Lienenlüke. Sie habe reagieren müssen. „Und wie könnte man das charmanter als mit: ‚Ich liebe Euch‘?“ Er fügt hinzu: Dass die Derbleckten nachher die Kritik kommentieren, sei ein Phänomen, das es so nur auf dem Nockherberg gebe. Kein Maßstab für seine Arbeit. „Mir ist egal, was Seehofer sagt.“

Singspiel-Regisseur Marcus H. Rosenmüller sicherte der Rednerin schon vor ihrem Auftritt die Solidarität seines gesamten Teams zu: „Ich ziehe den Hut vor Luise – sie stellt sich da allein auf die Bühne. Ich kann die Kritik an ihr nicht nachvollziehen.“

Der Publikumsliebling selbst hatte im Vorfeld erklärt, er sei sich bewusst, dass er sich mit seiner Art zu erzählen zu wiederholen drohe. Ein neuer Singspiel-Regisseur brächte da womöglich frischen Wind. Außerdem steht für Rosenmüller ein neues großes Film-Projekt an – ein Biopic über den Fußballtorhüter Bert Trautmann. Da bleibt womöglich keine Zeit mehr für ein Singspiel, das ein halbes Jahr intensive Vorbereitung verlangt.

Singspiel-Regisseur Marcus H. Rosenmüller.

Paulaner im kommenden Jahr ohne Redner und Rosi?

Bei Paulaner lassen derlei Überlegungen die Alarmglocken schrillen. Wenn nun auch Kinseher die ewigen Querelen leid wäre, stünde die Brauerei im kommenden Jahr rein theoretisch ohne Redner und ohne Singspiel-Leitung da. Doch auf Anfrage teilt Sprecherin Birgit Zacher nur mit, man werde sich zu gegebener Zeit zusammensetzen – jetzt sollten alle Beteiligten die Ereignisse erst mal sacken lassen. „Der Rosi hat mir heute Morgen am Telefon erzählt, er vermisst seine Schauspieler jetzt schon.“

Das beruht auf Gegenseitigkeit. Stefan Murr, der am Mittwoch den bayerischen Noch-SPD-Chef Florian Pronold spielte, sagt: „Man fällt nach dem Nockherberg in ein richtiges Loch – auch weil alle so gerne mit dem Rosi zusammenarbeiten. Man könnte es ihm natürlich nicht vorwerfen, wenn er aufhören würde. Die Frage ist nur, wer in seine Fußstapfen treten sollte.“

Lesen Sie auch: „Der Klonsinn im Hotel Rosi - So grandios war das Singspiel“  sowie einen Überblick über die durchwachsenen Reaktionen im Netz. Außerdem  „Kein Promi-Alarm am Nockherberg - warum waren so wenige Stars da?“ 

Die schönsten Bilder vom Nockherberg

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare