Keine Einigung mit Rosenmüller

Rollen-Zoff: Krebs sagt Nockherberg ab

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Wolfgang Krebs feierte 2010 sein Debüt auf dem Nockherberg.

München - Kabarettist Wolfgang Krebs wird heuer beim Singspiel am Nockherberg nicht Ministerpräsident Seehofer darstellen. Er konnte sich mit Regisseur Marcus H. Rosenmüller nicht über die Interpretation der Rolle einigen.

Ohne Wolfgang Krebs wäre das Nockherberg-Singspiel nur halb so lustig – dieser Meinung waren viele, die den Kabarettisten und begnadeten Politiker-Imitator in den vergangenen vier Jahren in der Rolle des Horst Seehofer herumgockeln sahen. Doch beim Salvator-Anstich heuer wird daraus nichts. Krebs hat am Sonntag mitgeteilt, dass er am 19. März nicht zur Verfügung stehen wird. Der Grund: Differenzen mit Star-Regisseur Marcus H. Rosenmüller („Wer früher stirbt ist länger tot“). Ob’s ein Abschied für immer ist, bleibt offen.

Wolfgang Krebs erklärt seine Nockherberg-Absage via Facebook

Um kurz nach 14 Uhr stellte der 47-Jährige die Nachricht ins soziale Netzwerk Facebook: „Der Terminkalender ist das Problem. Ich habe viel mehr Arbeit, als ich geplant habe, und musste aus persönlichen Gründen jetzt die Reißleine ziehen, bevor mich alles überrollt.“ Gleich darauf schreibt Krebs jedoch: „Nicht verhehlen möchte ich aber auch, dass ich meine Schwierigkeiten habe, wie in diesem Jahr die Figur Seehofer angelegt ist. Ich spiele ihn seit vielen Jahren und habe meine ganz persönliche Art, ihn darzustellen. Die Singspiel-Kollegen aber haben dieses Mal eine andere Interpretation, was ihr gutes Recht ist. Ich glaube aber, dass mir diese Auffassung nicht liegt – und dass es bestimmt einen Kollegen gibt, der das sehr viel besser kann als ich.“

"Neuer" Seehofer verlangt schauspielerisches Können, das Krebs nicht habe

Dem Vernehmen nach sind Regisseur Rosenmüller und Autor Thomas Lienenlüke erst am vergangenen Wochenende mit der neusten Drehbuch-Version für das diesjährige Singspiel an die Schauspieler herangetreten. Es soll mehr wie ein richtiges Theaterstück angelegt sein, Seehofer als zentrale Figur soll mit den anderen stärker noch als früher interagieren – was ein schauspielerisches Können verlangt, das Krebs nicht habe, so heißt es hinter den Kulissen. Marcus H. Rosenmüller und auch Krebs selbst waren für eine nähere Erklärung gestern nicht zu erreichen.

Nockherberg 2013: Seehofer-Double Wolfgang Krebs duelliert sich beim Singspiel mit Uli Bauer (als OB Christian Ude).

Am heutigen Montag findet beim Bayerischen Rundfunk eine Sprechprobe für alle Politiker-Doubles statt. Auf Anfrage sagte Stephan Zinner, der im Singspiel Finanzminister und Seehofer-Parteifreund Markus Söder darstellt (und mit Krebs bislang eines der Zugpferde der Veranstaltung war): „Ich habe das Stück seit Samstag auf dem Rechner – aber ich hab’s noch nicht angeschaut.“ Bei Rosenmüllers Spontaneität wolle er den Text lieber noch nicht lernen: „Ich kenn’ den Rosi – am Montag kann’s wieder völlig anders aussehen.“ Woran genau Krebs sich störe, wisse er deshalb nicht. „Aber ich finde es cool, wenn er sagt: Ich habe als Seehofer-Spezialist eine andere Herangehensweise, und die lässt sich nicht vereinbaren.“ Natürlich werde er Krebs als Partner vermissen. „Aber ich freue mich auch auf einen neuen Kollegen.“

Paulaner-Chef Steinfatt verschnupft über Facebook-Statement von Krebs

Hinterher steht Wolfgang Krebs zusammen mit Ministerpräsident Horst Seehofer auf der Bühne

Wer dieser Kollege sein wird – ob möglicherweise Christoph Zrenner zurückkehrt, den Krebs 2010 in der Seehofer-Rolle beerbte –, kann Andreas Steinfatt noch nicht sagen. Der Paulaner-Chef zeigte sich auf Anfrage verschnupft darüber, dass Krebs seine Entscheidung auf Facebook öffentlich gemacht hatte. „Uns als seine Auftraggeber hat er noch nicht informiert – spannend. Auch dass er Termine als Grund angibt: Er weiß doch seit langem, wann Nockherberg ist.“ Freilich habe Krebs sein Unwohlsein bereits „gegen Ende der Woche“ kundgetan, sagte Steinfatt. „Es ist schade, ich dachte, wir könnten nochmal drüber reden.“

Der Theatercharakter des Stücks wird sich auch auf dessen Aktualität auswirken: Die Ergebnisse der Kommunalwahl drei Tage zuvor werden wohl kaum noch thematisiert werden können. „Sie werden mehr Teil der Fastenpredigt sein“, kündigt Paulaner-Sprecherin Birgit Zacher an. Einer soll deswegen freilich nicht fehlen: Münchens dann im Ruhestand weilender OB Christian Ude. Dessen Double Uli Bauer werde natürlich auf der Bühne stehen, so Zacher. „Ude einen würdigen Abschied zu bereiten, lässt sich das Singspiel-Team nicht entgehen.“

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Johannes Löhr

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