Wenig Beifall für Mama Bavaria

Lach-Boykott in CSU? Co-Autor der Starkbierrede erhebt Vorwürfe

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Preschte in diesem Jahr nicht ganz so weit vor: Luise Kinseher alias Bavaria hielt sich bei der Starkbierrede auf dem Nockherberg zurück.

München - Die Reaktionen auf die Starkbierrede von Luise Kinseher auf dem Nockherberg waren teilweise überraschend. Doch wie fanden die Protagonisten das Derblecken am Mittwochabend?

Er habe lange gefeiert am Mittwoch, sagt Thomas Lienenlüke am Donnerstagmittag am Telefon. „Zurecht, wie ich finde. Die Rede war sehr gut.“ Und das sage er nicht nur, weil er daran mitgeschrieben habe. Auch die Menschen, die beim Nockherberg mit am Tisch saßen, hätten sie gelobt und laut gelacht. Trotzdem, irritiert hätte ihn die Reaktion des Publikums insgesamt schon. „Sehr lasch“ sei die gewesen. „Einige in der CSU haben Luise die Rede vom letzten Jahr übel genommen“, sagt Lienenlüke. „Die Leute haben Luise auflaufen lassen.“

„Entsetzt“ und „erschüttert“ war Kabarettist Christian Springer - er sprach Donnerstagabend beim Triumphator-Anstich im Löwenbräukeller - „über die „Stille im Saal“. Die Rede fand er „sehr feinsinnig“. Horst Seehofer, der sich voriges Jahr gerade noch ein „Passt scho“ abgerungen hatte, zeigte sich heuer sehr gnädig. „Pfiffig und hintersinnig“ sei es gewesen. Und nie so, „dass sich irgendjemand verletzt fühlen musste“. Markus Rinderspacher von der SPD stellte fest: „Offensichtlich hat die CSU der Bavaria die Zähne gezogen.“

Kinseher kann mit Kritik wenig anfangen

Stimmt das? „Pfff“, machte Kinseher am Mittwochabend, als alles vorbei war. „Ich hab aufgehört, es allen recht machen zu wollen. Das ist unmöglich.“ Ob sie zahmer gewesen sei nach der ganzen Kritik? „Ah geh, die Rede damals war nicht scharf!“ Seit Jahren gehe das so: „Erst war’s falsch, dass ich eine Frau war, dann war’s zu zahm, dann wieder zu hart“, sagt Kinseher. „Irgendwann wird’s schwierig.“

Dass die CSU sich hinterher betont gelassen gab? „Die Politiker haben mich gelobt, toll“, sagt Kinseher und rollt mit den Augen. „Ich bezweifle aber, dass das ein Qualitätsmerkmal ist.“ Sie habe schon gemerkt, dass ein paar Pointen nicht gezündet haben. Drum habe sie das auch angesprochen. „Das musste raus.“

Nimmt Luise Kinseher in Schutz: Nockherberg-Wirt Peter Pongratz versteht die etwa gediegenere Starkbierrede.

Leise Sätze statt Schenkelklopfer

Nockherberg-Wirt Peter Pongratz meint: „Nach dem Eklat letztes Jahr musste Kinseher vom Gas gehen.“ Lienenlüke sagt: „Beim Kabarett ist alles möglich, vom feinen Florett bis zur Guillotine.“ In einer Zeit, in der jeder jeden denunziere und Versöhnlichkeit wichtiger sei denn je, hätten sie es mit Feinsinn probiert. Viele Sätze seien relevant gewesen, aber leise. Keine billigen Schenkelklopfer. Dass die Derbleckten nachher die Kritik an ihnen kommentieren, sei ein Phänomen, das es so nur auf dem Nockherberg gebe. Kein Maßstab für seine Arbeit. „Mir ist egal, was Seehofer sagt.“

Kinseher habe gemerkt, dass man sie auflaufen lasse, sagt er. Sie habe reagieren müssen. „Und wie könnte man das charmanter tun als mit: ‚Ich liebe euch‘?“

„Mei“, sagt Luise Kinseher und zuckt mit den Schultern. „Sein Publikum kann man sich eben nicht aussuchen. Besonders nicht auf dem Nockherberg.“

Die schönsten Bilder vom Nockherberg

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